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Frauenfußball-Bundesliga Altmeister gegen „Girlie-Generation“

20.09.2009 ·  An diesem Sonntag startet die Frauenfußball-Bundesliga in die neue Saison. Wieder hoffen alle Vereine, dass die Erfolge der Nationalmannschaft einen Schub für den Vereinsfußball bringen. Aber es gibt auch neue Befürchtungen.

Von Daniel Meuren
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Es wäre böswillig, wenn man dem FFC Frankfurt vorwerfen würde, dass er die Bodenhaftung verloren hätte, nur weil Manager Siegfried Dietrich zur Saisoneröffnungs-Pressekonferenz vor der am Wochenende beginnenden neuen Spielzeit der Bundesliga hoch über Frankfurt in den 49. Stock des Büroturms seines Hauptsponsors lud, dort neben sich selbst und Moderator Rolf Töpperwien noch zwölf weitere Gesprächspartner aufs Podium setzte und auch noch den Satz sprach: „Wir wollen amerikanischer Meister werden.“

Letzteres war natürlich ein Versprecher, weil Dietrich im Halbsatz zuvor auf einen prominenten Gast aus den Vereinigten Staaten einging, der kürzlich mit dem FC Sky Blue New Jersey ebenjenen Titel gewann. Philip D. Murphy ist nämlich nicht nur seit kurzem neuer amerikanischer Botschafter in Berlin, sondern auch einer von vier Besitzern des ersten Titelträgers der neuen amerikanischen Profiliga WPS. Warum sich Murphy freilich trotz des engen Zeitbudgets neben dem Besuch der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt anderthalb Stunden Zeit nahm, um dem Frankfurter Vorzeigefrauenklub die Aufwartung zu machen, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Erhellendes zum eigentlichen Thema des Tages, nämlich zur Zukunft des FFC, konnte Murphy verständlicherweise nicht beitragen.

Damit haben freilich auch die mehr in den Klub involvierten Akteure so ihre Schwierigkeiten nach dem durchweg enttäuschenden vergangenen Spieljahr, in dem der FFC als Tabellenvierter der Bundesliga so schlecht wie noch nie in seiner zehnjährigen Vereinsgeschichte abgeschnitten hat. „Wir haben im vergangenen Jahr gelernt, mit Anstand zu verlieren“, sagt Manager Dietrich, der 2009 zum Jahr der Erneuerung ausrief und künftig eine Steigerung der Zuschauerzahlen auf 2500 bis 3000 anvisiert. „Und wir wollen wieder in die Erfolgsspur zurückkehren.“

Konkurrenz hat keine Angst mehr vor dem FFC

Dafür hat der Klub in der Sommerpause die Spanierin Laura del Rio und die Schwedin Sara Thunebro von Djurgarden Stockholm verpflichtet, die mit ihrer Erfahrung Lücken im Defensivspiel der Frankfurterinnen schließen sollen. Das vom Erstligaaufsteiger 1. FC Saarbrücken an den Main gewechselte erst 17 Jahre alte Riesentalent Dzsenifer Marozsan soll spielerische Leichtigkeit in das in der Vergangenheit oft sehr statische und sehr von der nimmermüden Sturmführerin Birgit Prinz abhängige Offensivspiel bringen.

Ob diese Auffrischung freilich genügt, um in der am Sonntag (14 Uhr) mit dem Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg beginnenden Bundesligasaison die aufständischen Rebellen des deutschen Meisters Potsdam, des DFB- und Uefa-Pokalsiegers Duisburg oder des Meisterschaftszweiten Bayern München wieder wie zuvor gewohnt auf die Plätze zu verweisen, ist die spannende Frage.

Weniger denn je fürchten die im Schnitt jünger besetzten Konkurrenten im Kampf um die Meisterschaft den Altmeister aus Frankfurt. In einer Umfrage des DFB mit der Möglichkeit von Mehrfachnennungen trauen nur noch drei der 12 Bundesligatrainer dem FFC zu, ein Wörtchen im Kampf um die Meisterschaft mitzureden. Potsdam und Duisburg haben jeweils sieben Übungsleiter auf der Rechnung, der Meisterschftszweite Bayern München bekam immerhin vier Stimmen. In den Vorjahren bekam Frankfurt bei ähnlichen Befragungen meist die Stimmen des gesamten Trainerdutzends.

Wie in der Nationalmannschaft, wo auf dem Weg zum vergangene Woche errungenen Europameistertitel Spielerinnen wie Inka Grings und Linda Bresonik aus Duisburg oder die „Girlie-Generation“ um die vom FFC vergeblich umworbene Hamburgerin Kim Kulig den fünf FFC-Akteurinnen ein wenig den Rang abgelaufen haben, so droht nun auch in der Bundesliga ein weiteres Jahr des Frankfurter Schattendaseins.

Der FFC in der Rolle der Jägerin

Trainer Günter Wegmann sieht der neuen Spielzeit trotz dieser Vorzeichen alles andere als pessimistisch entgegen. „Ich bin mir sicher, dass wir uns oben zurückmelden werden, weil wir in diesem Jahr eine ganz andere Situation haben als mit dem großen Verletzungspech im Vorjahr“, sagt Wegmann. „Jetzt haben wir einige junge Spielerinnen, die für eine gute Mischung und für Konkurrenzkampf im Training sorgen.“ Ähnlich optimistisch geht auch Nationalspielerin Saskia Bartusiak den Saisonstart an. „Ich fühle mich sehr wohl in der Rolle der Jägerin, die den anderen Teams Druck machen kann“, sagt die 27 Jahre alte Defensivspielerin. „Ich habe das Gefühl, dass wir jetzt die richtige Mischung im Kader haben.“ Und Nationaltorhüterin Nadine Angerer ließ sich sogar zu der schmackhaften Aussage bewegen: „Das Imperium wird zurückschlagen.“

Wobei das alte Leid der Frankfurterinnen aus der Vorsaison schon wieder einen Schatten auf den Start in die neue Spielzeit wirft. Neben der ohnehin seit einem Jahr verletzten Conny Pohlers muss Wegmann abermals einige Zeit auf die am Dienstag am Knie operierte Abwehrchefin Ariane Hingst und das aufstrebende Sturmtalent Sarah Schatton verzichten. Zudem ist die Zukunft der beruflich derzeit verhinderten langjährigen Spielführerin Pia Wunderlich ungewiss.

Die Girlies begehren auf

Der Konkurrenz ergeht es da viel besser - vielleicht auch deshalb, weil das Durchschnittsalter dank zahlreicher Spielerinnen der in der Nationalmannschaft so erfrischenden „Girlie-Generation“ von Simone Laudehr über Lira Bajramaj bis Kim Kulig deutlich geringer ist als in Frankfurt.

Vor allem Duisburg ist erneut eine starke Saison zuzutrauen. Das Team von Trainerin Martina Voss ist im Vorjahr will in dieser Spielzeit endlich den lange ersehnten und im Vorjahr nur denkbar knapp verpassten Meistertitel einfahren. „Wir wollen um alle drei Titel - also Meisterschaft, DFB-Pokal sowie Champions League - mitspielen und mindestens einen davon gewinnen“, äußerte FCR-Trainerin Martina Voss, obwohl sie den Abgang von Europameisterin Lira Bajramaj zum Meister nach Potsdam zu verkraften hat.

Neben all den optimistischen Tönen gibt es freilich auch Fragezeichen vor der neuen Saison. Wieder einmal hoffen die Klubs, dass ein Erfolg der Nationalmannschaft wie der gerade gewonnene Europameistertitel einen Schub für den Ligaalltag beschert. „Wir werden von der gestiegenen Aufmerksamkeit profitieren“, zeigt sich Duisburgs Manager Guido Lutz überzeugt.

Die Gefahr der Männermarken

Während Duisburg, Potsdam oder Frankfurt vermutlich tatsächlich ein paar neue Zuschauer begrüßen dürfen, lauert die Gefahr für die Frauenfußball-Bundesliga woanders: Die Frauenteams der Männer-Bundesligaklubs wie HSV, Bayern München, VfL Wolfsburg oder SC Freiburg locken nach wie vor keinen Fußballfan auf die Nebenplätze der Profiklubs. Und die Zukunft verspricht nicht gerade bessere Zeiten: Aufgrund größerer finanzieller Engagements dürften Klubs wie der 1. FC Köln, Bayer Leverkusen, die TSG Hoffenheim und Werder Bremen in wenigen Jahren weitere vier Frauenfußball-Traditionsklubs aus der Erstklassigkeit verdrängt haben.

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Jahrgang 1973, Sportredakteur.

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