26.07.2009 · Die deutsche Nationalmannschaft hat den ersten von drei Tests vor der Frauen-EM bestanden. Beim 6:0-Sieg gegen die Niederlande feiert die „heimliche Chefin“ Ariane Hingst an ihrem 30. Geburtstag ein bemerkenswertes Comeback.
Von Daniel Meuren, SinsheimSouveränität lässt sich am besten am Umgang mit Fehlern ablesen. So gesehen bestand Ariane Hingst den Härtetest, als sie beim 6:0 (4:0)-Sieg der deutschen Fauenfußball-Nationalmanschaft nach einer halben Stunde endlich einmal den hoffnungslos unterlegenen Niederländerinnen eine Gelegheit zum Torschuss bot (siehe auch: Fußball kompakt: Frauen in Form - Podolski verliert - Beckham zahlt). Bei einem langen Ball aus dem Mittelfeld verschätzte sich die deutsche Abwehrchefin recht dilettantisch, die Niederländerin Karin Stevens schnappte sich den Ball und prüfte die deutsche Torhüterin Nadine Angerer.
Kurz nach der kritischen Situation schauten sich die beiden Frankfurter Stützen der deutschen Abwehrgesellschaft an, beide lächelten verschmitzt und Hingst pustete ihrer Torhüterin eine Kusshand zu. „Nadine hat meinen Fehler ausgeputzt. Das Küsschen war mein Dank für dieses Geburtstagsgeschenk“, sagte Ariane Hingst, die am Samstag 30 Jahre alt wurde.
Ariane Hingst - Comeback nach Knieoperation
Das größte Geschenk zum runden Jubeltag hatte sich die heimliche Chefin der deutschen Nationalmannschaft hingegen selbst gemacht. Im vergangenen Dezember musste sie sich einer Knorpeloperation im Knie unterziehen, deren genaue Komplexität sie aus Rücksicht auf aus Wohlergehen ihrer jeweiligen Zuhörer lieber nicht exakt ausführt. Monat um Monat verzögerte sich das Comeback der kurz vor der Operation vom schwedischen Erstligaklub Djurgarden IF zum FFC Frankfurt nach Deutschland zurückgekehrten Spielerin. „Ich habe aber bei allen Problemen nie daran gezweifelt, dass ich wieder für die Nationalelf spielen werde“, sagte Ariane Hingst nach Spielschluss. „Dass das heute an meinem 30. Geburtstag geschieht, ist gutes Timing.“
Bis auf den beinahe verhängnisvollen Fehler wirkte Ariane Hingst sicher wie eh und je, selbst wenn bis zum ersten Spiel der Titelverteidigerinnen bei der anstehenden Europameisterschaft in Finnland am 24. August gegen Norwegen noch ein wenig Spritzigkeit hinzukommen sollte. Im Spielaufbau war die gebürtige Berlinerin wie gewohnt die zentrale Figur, sodass die Bundestrainerin wieder fest mit ihrer Abwerchefin rechnet. „Für Ari ist es gar kein Problem, die Chefrolle zu übernehmen“, lobte Silvia Neid ihre Innenverteidigerin, die mangels einer klassischen Spielmacherin im deutschen Mittelfeld eine Art Dirigentin aus der hintersten Reihe ist. „Sie ist für uns wichtig, weil sie Mitspielerinnen motivieren kann.“ Das hörte man trotz der 90 Minuten lang fröhlichen Stimmung in der mit 22.537 Zuschauern gefüllten Sinsheimer Arena auf den Rängen, wenn das Kommunikationstalent ihre Mannschaft lautstark zu „Tempo“ oder „mehr Einsatz“ aufforderte.
Starke Halbzeit gegen schwache Niederländerinnen
Diese Ermunterung hatten die Weltmeisterinnen allerdings erst in Halbzeit zwei nötig, als sich die bislang fünf harten Vorbereitungswochen negativ auf Lauffreude und Spiellaune auswirkten. In den ersten 45 Minuten zeigten die Deutschen hingegen eine überzeugende Leistung gegen einen allerdings im Feld der zwölf Europameisterschaftsteilnehmer am geringsten eingeschätzten Gegner. In der neunten Spielminute eröffnete Birgit Prinz den Torreigen unter gütiger Mithilfe der niederländischen Torhüterin Loes Geurts, die eine Hereingabe der deutschen Rekordnationalspielerin unbedrängt ins eigene Netz lenkte.
Inka Grings legte nach einer feinen Einzelleistung das 2:0 nach. (17.). Melanie Behringer von Bayern München erhöhte mit einem fulminanten Freistoß aus rund 25 Metern zum 3:0, ehe Birgit Prinz per Kopf den letzten Treffer vor der Pause erzielte. Nach dem Seitenwechsel verlor das deutsche Spiel an Durchschlagskraft, weshalb nur noch zwei Tore von Simone Laudehr (57.) und Célia Okoyino da Mbabi in der Schlussminute folgten.
Das Offensivspiel wird erst noch geübt
Der Qualitätsverlust im deutschen Spiel war Folge der sechs Umstellungen, die Bundestrainerin Neid vornahm. Ariane Hingst blieb in ihrem persönlichen neunzigminütigen Härtetest von der Auswechselorgie freilich ausgenommen und erhielt in ihrem 159. Länderspiel gar noch ein offizielles Geburtstagsgeschenk: Nach der Auswechslung von Birgit Prinz in der 59. Minute übernahm sie die schwarz-rot-goldene Kapitänsbinde. „Das rundet diesen Tag natürlich ab“, sagte Ariane Hingst.
Für Hingst und ihre Kolleginnen steht am Mittwoch (16.00 Uhr / Live in der ARD) in Mannheim gegen Japan das vorletzte Testspiel vor dem Turnier in Finnland auf dem Programm. Und danach erst - man mag es nach dem Schützenfest von Sinsheim kaum glauben - steht in der letzten Vorbereitungsphase das Angriffspiel auf dem Trainingsplan. Die Niederländerinnen werden froh sein, dass sie bei der EM zumindest in der Gruppenphase nicht gegen Deutschland spielen müssen.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |