Sie ist einer der Weltstars des Frauenfußballs. Aber das hört Birgit Prinz gar nicht gerne. "Das ist ein Begriff, mit dem ich mich sehr schwer tue, wenn ich ihn auf mich beziehe. Ein Weltstar ist jemand, der es liebt, im Mittelpunkt zu stehen, und der es liebt, gefeiert zu werden", sagt die 25 Jahre alte Nationalspielerin, die es eben nicht liebt, im Mittelpunkt zu stehen und über Gebühr gefeiert zu werden. Sie will ja nicht einmal überschwenglich jubeln, wenn sie gerade wieder einmal ein Tor erzielt hat: "Warum soll ich über den Rasen rutschen oder mit der Eckfahne tanzen? Das ist doch peinlich."
Am liebsten würde die Stürmerin einfach nur ihren Job erledigen - gewissenhaft und gründlich wie derzeit auch bei der Weltmeisterschaft in den Vereinigten Staaten - und danach nicht viele Worte darüber verlieren. Deswegen galt sie noch vor ein paar Jahren als patzig und stur. Doch sie hat dazugelernt. Seit zwei Jahren spielt sie im Sommer in der - zumindest vorübergehend - aufgelösten amerikanischen Profiliga bei Carolina Courage. Dort wurde Birgit Prinz endgültig zur öffentlichen Person, hatte Rede und Antwort zu stehen, gab Autogrammstunden. Doch sie ist äußerst selbstkritisch geblieben, und deshalb betont sie immer wieder, daß sie ohne ihre Mannschaft - den 1. FFC Frankfurt, die Nationalelf oder Carolina Courage - nichts sei. Dabei hat sie alle Anlagen, sich als Solistin durchzusetzen. Die amerikanische Zeitung "USA Today" bezeichnete das deutsche Team als "Giant German". Und Birgit Prinz könnte der Inbegriff dafür sein: 1,79 Meter groß, 77 Kilogramm schwer. Die Angreiferin ist kaum aufzuhalten, wenn sie denn einmal Anlauf genommen hat und unwiderstehlich in Richtung Tor rennt. "Sie ist eine fast perfekte Fußballspielerin. Sie schießt links wie rechts, ist dribbelstark und hat eine enorme Durchschlagskraft. Sie ist für mich die vielleicht weltbeste Stürmerin", sagt Monika Staab, ihre Trainerin beim deutschen Meister und Pokalsieger 1. FFC Frankfurt, und ergänzt: "Aber das hört sie nicht gerne." Stimmt.
Birgit Prinz ist nicht nur ihre "schärfste Kritikerin" (Monika Staab), sie ist auch noch überaus bescheiden, eigentlich viel zu bescheiden, gemessen an dem, was sie bislang geleistet hat. Mit 15 machte sie
ihr erstes Bundesligaspiel, mit 17 stand sie in der Nationalmannschaft. Derzeit gibt sie bei der WM passende Kostproben ihres Könnens. In den beiden ersten Begegnungen gegen Kanada und Japan traf sie insgesamt dreimal (das letzte Gruppenspiel gegen Argentinien war bei Redaktionsschluß noch nicht beendet) und steht mit der deutschen Mannschaft im Viertelfinale. Darauf könnte man sich durchaus etwas einbilden. Und auf ihre Erfolge: 56 Tore in 105 Länderspielen, Europameisterin 1995, 1997 und 2001, Weltmeisterschaftszweite 1995, Olympiadritte 2002, "Deutschlands Fußballerin des Jahres" zwischen 2001 und 2003, zweiter Platz bei der Wahl zur "Weltfußballerin 2002", sechsmal deutsche Meisterin, sechsmal Pokalsiegerin, einmal UEFA-Cup-Siegerin, einmal amerikanische Meisterin. "Von den Titeln her würde ich ja sagen, daß man von ,Weltstar' reden könnte", sagt Birgit Prinz: "Aber neben dem Spielfeld fühle ich mich dafür nicht souverän genug." Das weiß auch Siegfried Dietrich, der Manager des 1.FFC Frankfurt: "Sie ist nicht das Glamourgirl und möchte es auch gar nicht sein."
Weltstars - das sind andere. Zum Beispiel ihre amerikanische Kollegin Mia Hamm, die mit Basketballstar Michael Jordan einen Werbespot gedreht hat und die es in Form einer Barbie-Puppe gibt. Der Rummel in Übersee rund um die Nationalspielerin ist groß. "Wenn man die Zeitungen aufschlägt, sieht man nur Mia Hamm oder Spielerinnen, die etwas über Mia Hamm sagen", sagt Birgit Prinz. Es wäre ihr furchtbar unangenehm, würden alle nur über sie reden.