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Frauen-Fußball Schaulaufen für das große Fest im nächsten Jahr

13.07.2010 ·  Die deutschen Fußball-Juniorinnen starten mit einem 4:2-Sieg über Costa Rica ins WM-Turnier. Ähnlich wie Özil, Neuer und Co beim Gewinn der U21-EM 2009 wollen sie Selbstbewusstsein tanken für die „große“ WM im Jahr danach.

Von Daniel Meuren, Bochum
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Es ist schon wieder Fußball-Weltmeisterschaft, aber dieses Mal singen die Deutschen geschlossen die Nationalhymne. Das war vor dem 4:2 (2:1)-Sieg der deutschen Auswahl im Eröffnungsspiel der U20-Frauenfußball-WM gegen Costa Rica in Bochum der bemerkenswerteste Unterschied zu den spielerisch so glanzvollen und gesanglich so leisen Auftritten der deutschen Männer-Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika. „Wir bekommen das schon in den jüngsten Mädchenauswahlmannschaften eingetrichtert, dass wir die Hymne mitsingen sollen“, sagt Mittelfeldspielerin Kim Kulig. „Und ich glaube, dass wir alle das Gefühl haben, dass uns das Kraft gibt.“

Die erstaunliche Sangesfreude könnte auch einen anderen Grund haben: Der erste Auftritt der deutschen Mannschaft bei dem bis zum Endspiel am 1. August in Bielefeld dauernden Turnier machte augenscheinlich, wie verschieden die Fußballwelten der Männer und Frauen in Deutschland im Nachwuchssektor noch sind.

Werben um Mädchen mit weniger emanzipiertem Hintergrund

Heißen die Stars dort nicht mehr nur Müller und Schweinsteiger, sondern eben auch Özil, Khedira oder Boateng, so lauten die Namen der deutschen Juniorinnen-Elf Schmidt, Kulig, Huth, Popp oder Arnold. Nur das im Eröffnungsspiel wegen einer Knöchelverletzung fehlende Supertalent Dzsenifer Marozsán hat als Tochter eines als Fußballprofi nach Deutschland gekommenen Ungarn einen Migrationshintergrund.

Die U20-Frauen sind sonst so etwas wie das urdeutsche Pendant zur Generation Özil. „Es gibt in unseren jüngsten Nachwuchsmannschaften mittlerweile natürlich auch Mädchen, bei denen wir vor dem ersten Einsatz Pässe beantragen müssen“, sagt Steffi Jones, die Präsidentin des WM-Organisationskomitees, die auch aufgrund ihrer eigenen Lebensgeschichte das Werben um Mädchen mit oftmals weniger emanzipiertem kulturellen Hintergrund als Hauptanliegen ihrer Arbeit ansieht. „Aber wir haben da sicher noch Potenzial bei der Talentsuche, weil Fußball in vielen dieser Familien noch als ungeeignet für Mädchen gilt. Aber in einigen Jahren wird sich das dem Männerbereich angenähert haben.“

Erfahrung im Kampf um einen Titelgewinn sammeln

Schon jetzt freilich wollen die Spielerinnen ihren männlichen Sportkameraden bezüglich der Erfolge nacheifern. Ähnlich wie Özil, Khedira, Boateng, Marin und Neuer beim Gewinn der U21-Europameisterschaft 2009 im Jahr vor der „richtigen“ Weltmeisterschaft schon bei den Junioren Erfahrung im Kampf um einen Titelgewinn sammelten, wollen jetzt einige junge Frauen Selbstbewusstsein tanken für die Heim-WM 2011.

„Ich bin eine, die auch zu den Männern schaut und sich da gerne Vorbilder sucht“, sagt Kim Kulig. „Und natürlich habe ich im Hinterkopf, dass ich es gerne ähnlich machen würde wie diese Jungs.“ Sie gehört wie die Duisburgerin Alexandra Popp und die Potsdamerin Bianca Schmidt bereits jetzt zum festen Stamm der A-Nationalmannschaft und war sogar Leistungsträgerin beim EM-Sieg im Vorjahr. Auch deshalb verfolgt Bundestrainerin Silvia Neid die deutschen WM-Spiele akribisch auf der Tribüne. „Wir werden die Spielerinnen auch mit Blick auf die WM 2011 beobachten“, sagte die Bundestrainerin vor Turnierbeginn. „Allerdings sind unsere Ansprüche hoch.“

Hoffnungen auf ein Sommermärchen im Juniorinnenformat

Im Eröffnungsspiel vor 23.995 großteils im Rahmen eines Schulwandertags ins Stadion gepilgerten Zuschauern in Bochum, das nicht nur wegen desselben Gegners und desselben Ergebnisses wie beim Eröffnungsspiel der Männer-WM 2006 Hoffnungen auf ein Sommermärchen im Juniorinnenformat weckte, erfüllten die WM-Kandidatinnen die Erwartungen mit unterschiedlichem Erfolg: Die starke Torjägerin Alexandra Popp schoss die Treffer zwei und drei - das 1:0 erzielte die Frankfurterin Svenja Huth in der zweiten Minute, den Treffer zum 4:1 die Duisburgerin Marina Hegering (57.).

Kim Kulig leistete sich ein paar Konzentrationsfehler. Bianca Schmidt musste nach einer Roten Karte, die sie nach 70 Minuten für eine Notbremse erhielt, vom Feld, der Elfmeter führte zudem zum zweiten Gegentreffer durch Katherine Alvarado (71.). „Das ist dann für mich dumm gelaufen“, sagte Bianca Schmidt, die wohl nur für die nächste Begegnung gegen Kolumbien ausfällt. „Aber ich werde nach der Sperre ins Turnier zurückfinden.“ Die robuste Rechtsverteidigerin wird als Stabilisatorin der Abwehr ohnehin vermutlich erst in der entscheidenden Phase des Turniers dringend gebraucht, wenn es für die Turnierfavoritinnen aus Deutschland im Viertelfinale gegen Schweden oder die am Dienstag vom Mitfavoriten Nordkorea 1:0 bezwungene Elf aus Brasilien gehen dürfte. Dann könnte auch die erbauliche Wirkung des gemeinsamen Hymnensingens benötigt werden.

Frauen-Fußball, Junioren-WM 2010

Gruppe A in Bochum
Deutschland - Costa Rica 4:2 (2:1)
Kolumbien - Frankreich 1:1 (0:1)

Gruppe B in Bielefeld
Brasilien - Nordkorea 0:1 (0:0)
Schweden - Neuseeland 2:1 (0:1)

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1973, Sportredakteur.

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