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Französischer Fußball Deschamps übernimmt

 ·  Der brummige Didier Deschamps wird Nachfolger von Laurent Blanc als französischer Nationaltrainer. Er muss mit Siegen der „Bleus“ das Vertrauen des Publikums zurück gewinnen.

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© AFP Neue französische Fußball-Hoffnung: Didier Dechamps

Genau genommen braucht Frankreich keinen neuen Nationaltrainer, sondern einen Nationaltherapeuten. Denn mehr noch als Fach- und Taktikwissen sind nun, da die sportliche Krise chronisch zu werden droht, im Umgang mit der französischen Problemelf soziale Fähigkeiten gefragt. Insofern verwundert es wenig, dass sich Didier Deschamps erst nach vier Tagen Bedenkzeit und zähen Verhandlungen mit Verbandspräsident Noël Le Graët dazu durchringen konnte, den vakanten Posten zu übernehmen. So dauerte es nach dem Rücktritt von Laurent Blanc rund eine Woche, bis am Sonntag schließlich feststand, dass auch künftig ein Spieler aus der Weltmeisterauswahl von 1998 für die Geschicke der Equipe de France verantwortlich sein wird.

Deschamps, der den AS Monaco ins Finale der Champions League, Juventus Turin zurück in die Serie A und Olympique Marseille zum französischen Meistertitel führte, erhält einen Zweijahresvertrag, der sich bei einer erfolgreichen Qualifikation für die Fußball-WM 2014 in Brasilien automatisch um zwei weitere Jahre verlängert.

Doch der Weg nach Südamerika ist weit, denn der ehemalige Nationalkapitän fängt nahezu dort an, wo Blanc vor zwei Jahren aufgebrochen ist. Er wird daran gemessen werden, ob es ihm gelingt, aus einer moralisch und sportlich defizitären Truppe möglichst schnell ein salon- und wettbewerbsfähiges Team zu machen. Vordringlichste Aufgabe wird sein, den Kader der vermeintlich Unregierbaren, die in Polen und der Ukraine abermals Unfähigkeit, Unreife und einen Mangel an Demut demonstrierten, wieder auf ein gemeinsames Ziel auszurichten. Blanc hatte diese Herausforderung mit seiner geduldigen und verständigen Art immerhin soweit gemeistert, dass sich das Gros der Spieler öffentlich für seinen Verbleib aussprach. Zwar verfügt auch Deschamps über die natürliche Autorität eines ehemaligen Welt- und Europameisters, Diplomatie hingegen ist nicht die primäre Tugend des brummigen Basken.

DD“ muss Kompromisse eingehen

Der 43-Jährige war schon in Marseille mehrmals mit seinem Personal aneinandergeraten und hatte sich mit Nationalspieler Hatem Ben Arfa überworfen. An Konfliktpotential mit dem omnipräsenten Le Graët mangelt es ebenfalls nicht. Schon Blanc hatte als Trainer nicht die Freiheiten, die er sich gewünscht hätte und auch Deschamps, der in Marseille vergangenen Montag vor der Zeit gekündigt hatte, weil er sich von der Vereinsführung zu stark reglementiert fühlte, muss befürchten, als „Sélectionneur“ nicht völlig freie Hand zu haben.

Was seinen Betreuerstab betrifft, musste „DD“ bereits jetzt Kompromisse eingehen. In Jean-Pierre Bernès berät Deschamps zudem jener Mann, für den sich schon sein Vorgänger und Kumpel „Lolo“ Blanc vor dem Präsidenten rechtfertigen musste. Bernès, einst in den Wettskandal bei OM verwickelt, ist Le Graët seit jeher ein Dorn im Auge. Auch sportlich steht der Neuanfang unter keinen guten Vorzeichen. Bei der EM konnte bis auf Torwart Hugo Lloris sowie die Defensivkräfte Yohan Cabaye und Laurent Koscielny kein Akteur wirklich überzeugen und es bleibt als Verdacht, dass die einstmals hochgelobte 87er-Generation, die ehemaligen Junioreneuropa- und diesjährigen „Krawallmeister“ um Samir Nasri, für das Team unwiederbringlich verloren ist.

Deschamps sollte sich vorsorglich nach jungen unbelasteten Spielern umsehen, wenn er in seinem ersten Länderspiel gegen Uruguay am 15. August eine komplette Mannschaft auf den Platz bringen will. Das französische Volk jedenfalls hat das Theater gründlich satt und goutierte, dass der Verband die Spielerprämien der EM vorläufig einfror. Nur einer von fünf Befragten findet „les Bleus“ noch sympathisch, und die Rufe nach dem großen Reinemachen sind im Land lauter denn je. Die Botschaft an den neuen Trainer ist jedenfalls klar: Das Vertrauen ist endgültig verspielt, Deschamps wird es mühsam wieder gewinnen müssen, und zwar im wahren Sinne mit Siegen.

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