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Frankreichs 0:2 gegen Mexiko Les Bleus sagen schon fast adieu

18.06.2010 ·  Bonjour Tristesse: Nach schwachem Spiel verliert Frankreich verdient gegen Mexiko. Der junge Hernandez und Altstar Blanco schießen die Mexikaner in eine hervorragende Ausgangsposition für das Erreichen des Achtelfinales.

Von Christian Kamp, Polokwane
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Raymond Domenech lehnte regungslos an seiner Trainerbank. Mit verschränkten Armen und versteinerter Miene sah der französische Nationaltrainer am Ende zu, wie diese Weltmeisterschaft für ihn und seine Mannschaft wohl endgültig zum Fiasko wurde. 0:2 verloren die Franzosen ihr zweites Vorrundenspiel am Mittwochabend gegen Mexiko. Und nach dem 0:0 zum Auftakt gegen Uruguay gibt es nichts, was darauf hindeutet, dass diese harmlose Mannschaft doch noch das Achtelfinale erreichen könnte. Javier Hernandez in der 64. Minute und Cuauhtemoc Blanco per Foulelfmeter (79.) trafen vor 35.370 Zuschauern im Peter-Mokaba-Stadion von Polokwane für die Mexikaner, die ihrerseits auf bestem Weg in die K.o.-Phase sind.

Den Franzosen war zwar das Bemühen anzumerken, es besser zu machen als zuletzt gegen Uruguay. Doch weil die Offensive wieder einmal harmlos blieb, war es ein verdienter Sieg der zielstrebigeren Mexikaner. Auch Franck Ribéry, der diesmal als Regisseur hinter den Spitzen spielte, konnte seinem Team keine entscheidenden Impulse geben. Mit dem recht klaren Sieg für Mexiko wurden zugleich die Hoffnungen der Südafrikaner enttäuscht. Ein Unentschieden hätte dem Team des Gastgebers noch die größte Chance gelassen, nach dem 0:3 gegen Uruguay noch das Achtelfinale zu erreichen.

Ribéry schien sich einiges vorgenommen zu haben an diesem kühlen Abend. Als einziger im französischen Team trat er kurzärmlig zum Aufwärmprogramm an - bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt keine Selbstverständlichkeit. Trainer Domenech hatte ihm eine neue, verantwortungsvolle Rolle im Team übertragen: Ribéry rückte von der linken Seite, seiner Lieblingsposition, in die Mitte; ein klarer Regieauftrag an den Münchner. Links begann Malouda, auf den Domenech gegen Uruguay erst überraschend spät gebaut hatte, dafür musste Gourcuff draußen bleiben. Mancher hatte nach dem 0:0 auch Henry in der Startelf erwartet, doch ihm blieb auch diesmal nur die Bank. Anelka war der Mann, der es im Sturm endlich wieder einmal richten sollte.

Sorge bereitete den Franzosen jedoch zunächst die Defensive. Konzentration schienen die Verteidiger der Blauen für unnötigen Luxus zu halten - gleich, ob es der Versuch war, auf Abseits zu spielen, oder bei Rückpässen auf Torwart Lloris. Hätte Vela nach acht Minuten den Ball in die Mitte gelegt, anstatt die eigensinnige Variante des Schusses zu wählen, es wäre wohl die frühe Führung für Mexiko gewesen. Was das Engagement betraf, konnte man den Franzosen keinen Vorwurf machen. Sie trugen das ihre bei zu einem ausgesprochen temporeichen Spiel und mühten sich sichtlich um die Platzherrschaft.

Keine Nöte für Mexikos Torwart

Auch Ribéry war viel unterwegs, forderte die Bälle und versuchte, seine Kollegen in Szene zu setzen. Doch für ihn wie für die Franzosen insgesamt galt: Der entscheidende Pass, die öffnende Idee wollte nicht kommen. In ernste Nöte jedenfalls geriet Perez im Tor der Mexikaner in der ersten Hälfte nicht. Trainer Aguirre hatte im Vergleich zum 1:1 im Eröffnungsspiel gegen Südafrika eine Änderung vorgenommen: Morena für Aguilar in der Innenverteidigung. Das spielerische Mittel blieb dasselbe: flotte Kombinationen, die im hochwertigen Angriffstrio mit Vela, Franco und dos Santos ihren Abnehmer finden sollten. Und einige Male zeigten die Mexikaner, was sie im Offensivspiel vermögen, vor allem, wenn Salcido auf der linken Seite mithalf. Der Außenverteidiger schoss gleich zwei Mal gefährlich aufs Tor (18. und 27.).

Es waren Szenen ganz nach dem Geschmack der mexikanischen Fans, die im Stadion ohnehin klar den Ton angaben. Schon tagsüber auf der Autobahn aus Richtung Johannesburg nach Polokwane, dem nördlichsten WM-Spielort, waren grün und weiß die bestimmenden Farben gewesen. Doch nach einer halben Stunde wurde ihre Laune getrübt. Vela hatte sich in einem Duell mit Toulalan eine Muskelverletzung zugezogen und musste vom Platz - eine nicht so leicht zu verschmerzende Schwächung für die Mexikaner. Dass bei den Franzosen nach der Pause Gignac für Anelka kam, dürfte dagegen ausschließlich mit dessen enttäuschender Leistung zu tun gehabt haben.

Die französische Abwehr lässt sich überrumpeln

Schwer zu sagen, auf wen Frankreich auf der Suche nach dem Tor überhaupt hoffen sollte. Auf Malouda vielleicht? In der ersten Hälfte hatte sich der Profi des FC Chelsea noch recht bedeckt gehalten, jetzt gab er immerhin den ersten Warnschuss ab (54.), den Perez über die Latte lenkte. Wenig später probierte es Ribéry, jedoch ebenfalls erfolglos. Keine Frage, der Druck der Franzosen nahm zu, Mexiko gelang im Spiel nach vorne kaum noch etwas.

Dann ließ sich jedoch die französische Abwehr ein weiteres Mal überrumpeln. Nach Marquez' Pass stand der zehn Minuten zuvor eingewechselte Hernandez plötzlich frei vor Lloris und hatte alle Zeit, den Torwart zu umspielen. Frankreich wusste darauf keine Antwort mehr, und als Blanco nach Foul von Abidal an Barrera den Elfmeter wuchtig verwandelt hatte, war die französische Tristesse perfekt.

Gruppe A, Frankreich - Mexiko 0:2 (0:0)

Frankreich: Lloris - Sagna, Gallas, Abidal, Evra - Toulalan, Diaby - Govou (69. Valbuena), Ribery, Malouda - Anelka (46. Gignac). - Trainer: Domenech

Mexiko: Perez - Osorio, Moreno, Rodriguez, Salcido - Juarez (55. Hernandez), Marquez, Torrado - Dos Santos, Franco (62. Blanco), Vela (31. Barrera). - Trainer: Aguirre

Schiedsrichter: Khalil Ibrahim Al-Ghamdi (Saudi-Arabien)
Tore: 0:1 Hernandez (64.), 0:2 Blanco (79., Foulelfmeter)
Zuschauer in Polokwane: 35.370
Gelbe Karte: Toulalan (2), Abidal - Franco, Juarez (2), Moreno, Rodriguez

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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