03.09.2010 · Die Schatten der Vergangenheit machen der französischen Nationalmannschaft auch vor Beginn der EM-Qualifikation noch zu schaffen. Mancher fühlt sich gar ans Jahr 1945 und Charles de Gaulle erinnert.
Von Jürg Altwegg, ParisNach der WM ist vor der EM. Die Qualifikation beginnt – und Frankreich zittert vor dem Spiel gegen Weißrussland am Freitag im Stade de France, wo die Blauen 1998 den Titel geholt hatten. Zwei Jahre später kam noch die Europameisterschaft hinzu. Mit der Meuterei in Südafrika ging die faszinierendste – an Trophäen und Schlappen reiche – Epoche des französischen Fußballs als Tragikomödie zu Ende. Er war zu einem gesellschaftlichen Schauspiel mit politischem Heilsversprechen verklärt worden.
Nach der Rückkehr musste Thierry Henry zum Präsidenten und Raymond Domenech vors Parlament. Der Coach – dessen Abgang schon vor dem Anpfiff der WM feststand – kämpft vor Gericht gegen seine Entlassung. Er war nicht nur Nationaltrainer mit einer Zulage von 50.000 Euro pro Monat. Er ist noch immer ein Angestellter des Verbands und bezieht ein Grundgehalt von 12.000 Euro. Aber nun will man ihn ganz loswerden, was mit den Resultaten allein nicht gerechtfertigt werden kann. Und rund zwei Millionen Euro kosten würde. Deshalb nennt man andere Gründe für die Entlassung: Domenech hat das Kommuniqué der Spieler, die gegen ihn und den Ausschluss Anelkas rebellierten, vorgelesen. Und dem südafrikanischen Trainer nach der Niederlage im letzten Spiel den Handschlag verweigert.
Wegen einer Unsportlichkeit kann man in Frankreich keinen Beamten entlassen. Nicht weniger heftig kritisieren Juristen die Spielverbote für ein paar Sündenböcke, obwohl die Untersuchungskommission von einer kollektiven Verantwortung ausgeht. Achtzehn Spiele Sperre für Anelka bedeuten lebenslänglich. Kapitän Evra hat Rekurs eingereicht – das Urteil gegen ihn war nicht einmal begründet worden. Für drei Begegnungen wurde sein Stellvertreter Ribéry gesperrt. Absolut willkürlich nennen die Anwälte die Strafen. Nicht nur sie plädieren für eine Umwandlung in gemeinnützige Tätigkeiten – was der Verband ablehnt.
Eine Begnadigung fordern die erfolgreichen früheren Nationaltrainer Aimé Jacquet – die Lichtgestalt von 1998 – und Michel Hidalgo. Auch Laurent Blanc, der jetzt die Blauen übernommen hat, hält die Sperren für Unsinn. Ohne die Spieler, die in Südafrika dabei waren, traten die Franzosen Mitte August in Oslo gegen Norwegen an und verloren 1:2.
Noch hat sich der französische Fußball nicht aus den langen Schatten der Vergangenheit befreit. Der Triumph von 1998 wurde zum Sieg einer antifaschistischen Stoßtruppe über Vichy verklärt, deren schwarzen Spielern der Rechtspopulist Le Pen vorwarf, sie könnten die Marseillaise nicht singen. In der Aufbruchstimmung wurde sogar ein erstes Länderspiel gegen Algerien angesetzt – und musste abgebrochen werden. Es gab Pfiffe gegen die Marseillaise, Eierwürfe gegen die Politiker.
Die gesellschaftlichen Hoffnungen auf eine verbesserte Integration der Einwanderer und der Banlieues dank des Fußballs hatten sich schnell zerschlagen. Le Pen kam in den zweiten Wahlgang und überrundete den Sozialisten Jospin: Der Premierminister bei der Weltmeisterschaft 1998 hatte beim Spiel gegen Algerien fluchtartig das Stadion verlassen und bewiesen, dass er das Zeug zum Präsidenten nicht hat.
Das Versagen in Südafrika wird in dieser Retro-Dramaturgie für manche zur Niederlage von 1940 – es war am Vorabend des siebzigsten Jahrestags von de Gaulles Aufruf zum Widerstand. Den Streik der Spieler haben Beobachter nicht grundlos als Kulturkampf und Solidarität der Muslime gegen den Trainer und den Verband gedeutet – aber diesen Aspekt hat die Disziplinarkommission nicht untersucht. Dafür wurde in den Wehen des Debakels ein anderes Tabu aufgegriffen: Die Weltmeister von 1998 sollen gedopt gewesen sein. Das behauptet ein früherer Mannschaftsarzt in einem Buch mit dem Titel „Implosion“.
Amnestie im Namen der Nation?
Die Zeitung „Le Figaro“ unterstreicht die Notwendigkeit einer Vergangenheitsbewältigung im französischen Fußball, der seine Ehre verloren hat. Mit der Bestrafung einzelner Spieler habe man es sich wieder einmal zu einfach gemacht. Ohne Aufarbeitung der Lebenslügen könne es keinen Neuanfang geben. Hart geht die Zeitung auch mit dem Gnadengesuch der Trainer Jacquet und Hidalgo ins Gericht. Sie hält es für unmoralisch. Wie 1945, als de Gaulle nach den willkürlichen „Säuberungen“ das Vergessen und Verdrängen im Dienste des nationalen Wiederaufbaus verordnete, plädieren sie für eine Amnestie im Namen der Nation. Nur Siege könnten das Geschehene vergessen machen, sagt auch Laurent Blanc.
Er hat eine gemischte Mannschaft zusammengestellt aus den Neulingen von Oslo und Spielern, die am Sündenfall in Südafrika beteiligt waren. Auf den neuen Hoffnungsträger muss er verzichten: Hatem Ben Arfa, der gegen Norwegen als einziger traf, verweigerte in Marseille erfolgreich das Training, um einen Klubwechsel zu erzwingen. Um auf dem Feld ein Chaos zu verhindern, will Blanc alle Spieler auf dem gleichen Posten wie im Verein einsetzen. Er hat versprochen, im Falle eines Scheiterns bei der EM-Qualifikation zurückzutreten. Bei Gegnern wie Albanien, Luxemburg, Weißrussland, Bosnien und Rumänien ist das eigentlich schwer zu schaffen. Aber auch in Südafrika wähnten sich die Franzosen in der leichtesten Gruppe. Zur Vorbereitung hat Laurent Blanc, der 1998 als offensiver Verteidiger dabei war, den neuen und den erfahrenen Spielern mehr Publikumsnähe verordnet und zum Auswendiglernen ein Blatt mit den Strophen der Marseillaise verteilt.
Wer wird deutscher Meister?
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| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 20 | 31 | 43 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 20 | 33 | 41 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 20 | 21 | 41 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 20 | 19 | 40 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Werder Bremen | 20 | -1 | 32 | ![]() |
| 6. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 20 | 1 | 31 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 20 | -2 | 30 | ![]() |
| 8. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 20 | -2 | 24 | ![]() |
| 9. | ![]() |
1. FC Köln | 20 | -11 | 24 | ![]() |
| 10. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 20 | -12 | 24 | ![]() |
| 11. | ![]() |
VfB Stuttgart | 20 | -2 | 23 | ![]() |
| 12. | ![]() |
Hamburger SV | 20 | -9 | 23 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 20 | -6 | 22 | ![]() |
| 14. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 20 | -12 | 21 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hertha BSC | 20 | -6 | 20 | ![]() |
| 16. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 20 | -9 | 18 | ![]() |
| 17. | ![]() |
FC Augsburg | 20 | -14 | 17 | ![]() |
| 18. | ![]() |
SC Freiburg | 20 | -19 | 17 | ![]() |