Bei Aussagen von Fußballern direkt nach einem Spiel handelt es sich in den seltensten Fällen um nachhaltige Weisheiten mit tiefgründigen Hintergedanken. Ob sich Lukas Podolski nach dem verlorenen WM-Halbfinale gegen Italien große Gedanken gemacht hat, ist weder überliefert noch sehr wahrscheinlich. Zumindest heimste der Jung-Nationalspieler mit seinem flapsigen „So ist Fußball. Manchmal gewinnt der Bessere“ zuletzt sogar einen Preis für den besten Fußballspruch des Jahres ein.
Eine ähnliche Aussage fand sich in den Analysen der Frankfurter Profis nach der 1:2-Niederlage gegen US Palermo nicht wieder. Die Italiener waren in diesem ersten Spiel der Uefa-Pokal-Gruppenphase auch nicht unbedingt die Besseren, wohl aber die Clevereren. Drei Chancen, zwei Tore, so lautete die Rechnung der eiskalten Sizilianer. Auf der anderen Seite erkämpfte sich die Eintracht mehrere gute Einschußmöglichkeiten, brachte den Ball aber nur ein Mal im Tor unter - und steht nun im Europapokal schon mit dem Rücken zur Wand.
„Zwei Standards, zwei Gegentore. Das geht nicht“
Dabei sah es nach 45 gespielten Minuten noch viel rosiger aus. Mit einem plazierten Distanzschuß hatte Albert Streit die Hausherren vor 45.000 Zuschauern in der nicht ganz ausverkauften Frankfurter WM-Arena quasi mit dem Halbzeitpfiff in Führung geschossen. Daß Frankfurt aus einem Spiel, „das man normalerweise nicht verlieren darf“ (Michael Thurk) trotzdem keine Punkte mitnahm, lag zum einen an der internationalen Klasse des Kontrahenten und zum anderen am eigenen Tiefschlaf unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw in den Minuten 49 und 87.
Franco Brienza und Cristian Zaccardo dankten auf ihre Art und Weise. „Zwei Standards, zwei Gegentore. Das geht auf diesem Niveau einfach nicht“, resümierte ein frustrierter Benjamin Huggel, der in beiden Szenen die nötige Cleverneß gegen „eine richtig gute Mannschaft“ vermißte. Kollege Michael Thurk sah es ähnlich und mahnte, nun die Lehren aus der „bitteren Niederlage“ zu ziehen: „Wir haben eindrucksvoll aufs Brot geschmiert bekommen, daß man nicht eine Sekunde abschalten darf.“ (Siehe auch: Uefa-Pokal: Die Eintracht-Spieler in der Einzelkritik).
„Palermo ist nun Favorit in der Gruppe“
Während die Spieler noch über Palermo grübelten, hatte Trainer Friedhelm Funkel die Partie „ganz schnell“ abgehakt. Zwar ärgerten ihn die Gegentore maßlos, dennoch sei der Uefa-Pokal nur ein Zubrot, durch das man Erfahrungen sammeln könne. Allerdings wollte Funkel das Wort Lehrgeld nicht in den Mund nehmen. Nun gilt die Konzentration dem Bundesliga-Alltag gegen den 1. FC Nürnberg. Daß nun vor dem richtungsweisenden Duell am Sonntag die Serie der ungeschlagenen Spiele gerissen ist, spielt „keine Rolle“ (Funkel).
Torwart Markus Pröll sieht durch die Enttäuschung gegen Palermo ebenfalls keine negativen Auswirkungen auf die nationalen Aufgaben. Und Michael Thurk stellte trotzig fest, daß die niederlagenlose Serie in der Bundesliga schließlich noch immer laufe. In Sachen Uefa-Pokal hat der Angreifer die positive Grundhaltung nicht aufgegeben, auch wenn ein Weiterkommen jetzt schwer werde, denn Palermo sei nun Favorit in der Gruppe. Warum? „Weil sie uns geschlagen haben“. Besser hätte es Lukas Podolski auch nicht formulieren können.