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Finnland vor dem Spiel gegen Deutschland Die alte Garde ist Suomis Stärke

10.09.2008 ·  Noch nie hat sich Finnland für eine Fußball-WM oder -EM qualifiziert. Auf dem Weg nach Südafrika 2010 muss Trainer Stuart Baxter auf die alte Garde bauen, die sich in seiner Heimat England einen Namen gemacht hat - allen voran Sami Hyypiä vom FC Liverpool.

Von Hartmut Scherzer, Helsinki
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Vor dem Olympiastadion von Helsinki läuft die Leichtathletik-Legende Paavo Nurmi seit nunmehr 56 Jahren splitternackt als Denkmal finnischer Größe im Sport symbolisch durch den Vorpark. Nur im Fußball hat Finnland noch nichts Großes erreicht. Im Gegensatz zu den drei anderen skandinavischen Ländern hat sich „Suomi“ noch nie für eine Welt- oder Europameisterschaft qualifiziert.

Doch ausgerechnet der Trainer, der es nicht geschafft hat, Südafrika zur Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland zu bringen, soll jetzt Finnland zur WM 2010 nach Südafrika schicken: Stuart Baxter. Eine Herkulesaufgabe angesichts der Konkurrenz von Deutschland und Russland in der Gruppe 4. „Die Situationen kann man nicht miteinander vergleichen“, sagt der 55 Jahre alte britische Globetrotter. „Ich bin nicht leicht zu entmutigen. Aber in Südafrika hat mich die fehlende Organisation resignieren lassen. In Finnland ist alles geordnet, und ich bin daher guten Mutes, dass wir eine Chance haben, uns zu qualifizieren.“

Sami Hyypiä ist der personifizierte FC Liverpool

Baxter, ein hagerer Mann mit kurzem, vollem Haar, Oberlippen- und Kinnbart, ist seit Jahresbeginn Teamchef in Helsinki. Er gibt die Anweisungen in seiner Muttersprache. Wo Football Jalkapallo heißt, muss jeder Fußballprofi Englisch beherrschen, will er im United Kingdom oder auf dem Kontinent Karriere machen. Nach der Absage der schon 37 Jahre alten Ikone Jari Litmanen (FC Lahti) ist der nachnominierte Antti Pohja (Tampere United) der einzige Spieler aus der finnischen Liga in Baxters Aufgebot.

Sami Hyypiä und Mikael Forssell sind die beiden interessantesten Spieler in diesem Kader. Hyypiä, der 34 Jahre alte, 1,93 Meter lange Abwehrhüne, kommt als der personifizierte FC Liverpool daher. Seit 1999 ist Hyypiä an der Anfield Road zu Hause, hat über 300 Erstligaspiele in England bestritten, die Champions League und den FA Cup gewonnen, aber noch keine Meisterschaft. „Der Titel in der Premier League wäre die Krönung meiner Karriere in England“, sagt der Kapitän vor seinem 92. Länderspiel. Und die WM-Teilnahme das I-Tüpfelchen sowieso.

Der große Blonde will wieder ein Bollwerk errichten

Wenn Oliver Bierhoff den großen Blonden an diesem Mittwoch wiedersieht, wird dem Teammanager wieder das 0:0 gegen Finnland vom 6. Oktober 2001 in Gelsenkirchen einfallen, das Deutschland in die (dann erfolgreich bestandene) Play-off-Runde gegen die Ukraine zwang. Ob am Boden oder in der Luft, Bierhoff, Oliver Neuville und der zum vierten Mal zu seinem vierten Länderspiel eingewechselte Miroslav Klose prallten an dem von Hyypiä errichteten Bollwerk immer wieder ab.

Die Spieler Hyypiä, Johansson und Forssell werden wie damals auch diesmal dabei sein. Wie Litmanen fehlen auch Tihinen und Taino nur wegen Verletzung. Die alte Garde ist Finnlands Stärke.

Forssell gegen Enke

Das Hinspiel in Helsinki hatte 2:2 geendet. Der nun 27 Jahre alte Forssell, geboren im Münsterland, hatte die Tore zur 2:0-Führung erzielt. Zwei Tore gegen Oliver Kahn in einem Länderspiel, das war eine außergewöhnliche Leistung. Sieben Jahre später gilt es für Baxters einzige Sturmspitze, keinen Kahn im Tor seines Geburtslandes zu überwinden, sondern Robert Enke, seinen Klubkameraden seit Saisonbeginn bei Hannover 96.

Auf diese Konstellation angesprochen, sagte Forssell lächelnd: „Robert Enke ist die Nummer eins in Deutschland. Seit Juli kenne ich ihn und habe keine Schwäche bei ihm festgestellt. Ich muss mich auf meinen Instinkt und mein Selbstvertrauen verlassen, um gegen ihn ein Tor zu erzielen.“

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