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Finanzkrise Malade Bundesliga: 670 Millionen Euro Schulden

19.02.2005 ·  Der finanzielle Absturz und die Liquiditätsprobleme des BVB werfen ein Schlaglicht auf die Finanzsituation des deutschen Profifußballs: In der ersten und zweiten Liga kumulieren sich die Schulden auf zuletzt 670 Millionen Euro.

Von Roland Zorn
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An die Börse wird es so schnell keinen deutschen Fußballklub mehr verschlagen. Das Negativbeispiel Borussia Dortmund dürfte mögliche Interessenten ausreichend abschrecken. Da selbst der wirtschaftlich immer noch kerngesunde Bundesliga-Primus Bayern München mit einem Jahresumsatz von 166 Millionen Euro bisher nie beabsichtigt hat, sich in absehbarer Zeit aufs Parkett zu begeben, werden die um ihre Existenz ringenden Borussen allein auf weiter Börsenflur bleiben - solange ihre Aktien dort noch gehandelt werden.

Der tiefe Fall des westfälischen Traditionsklubs, der durch das unseriöse Gebaren seiner Geschäftsführung bis an den Rand der Insolvenz geführt hat, lenkt den Blick auf die Bonität des Profifußballs in Deutschland. „Die Bundesliga ist Kult“, hat Werner Hackmann, der Präsident des Liga-Verbandes, bei der Vorstellung einer Broschüre der Deutschen Fußball Liga (DFL) im vergangenen Herbst über die wirtschaftliche Lage des bezahlten Fußballs gesagt. „Wir haben ein tolles Produkt und jedes Wochenende Hunderttausende in den Stadien sowie Millionen vor dem Fernseher.“

Millionengehälter für maßlos überbezahlte Profis

Das mag so sein, hat aber nicht eine kumulierte Gesamtverschuldung der ersten und zweiten Liga auf zuletzt 670 Millionen Euro verhindern können. Diese Kennziffer galt unter den Verbandsprofis bis dato als besorgniserregend, aber noch nicht als alarmierend. Solange die Liquidität der Klubs - oberstes Kriterium der Lizenzierung - gesichert schien, war zumindest der Spielbetrieb nicht gefährdet.

Die DFL erteilte auch der längst maroden Borussia die Lizenz für diese Spielzeit. Mochte die Dortmunder Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) im Herbst auch turmhohe Verbindlichkeiten von rund 118 Millionen Euro gemeldet haben und seitdem noch tiefer in der Schuldenfalle hängen, daran, daß weiter Millionengehälter für maßlos überbezahlte Profis fließen konnte, wurde offiziell kein Zweifel laut. Seit dem schwarzen Donnerstag für die finanziell ausgehöhlte Kapitalgesellschaft des BVB ist auch diese Annahme hinfällig.

Lizenz zum Weiterwursteln

Durch den Absturz des BVB könnte sich in Zukunft auch am Lizenzierungsverfahren der DFL - alle Klubs müssen bis zum 15. März ihre Unterlagen eingereicht haben - einiges ändern. Bekommt die verzweifelt um einen Sanierungserfolg ringende Borussia noch einmal die Spielgenehmigung erster Klasse, wird es dem Verband auf Sicht schwer fallen, noch irgendeinem seiner Profiklubs die Lizenz zum Weiterwursteln zu verweigern.

Für alle Vereine ist es im übrigen schwerer geworden, die eigene Kreditwürdigkeit auf dem klassischen Wege zu sichern. Die Banken, durch das Basel II-Abkommen gehalten, nach wesentlich strengeren Kriterien als früher Geld zu geben, haben ihre Kreditlinien zurückgefahren. Neue Finanzierungsinstrumente, etwa Genußscheine wie sie der 1. FC Köln Anlegern empfiehlt, oder eine festverzinsliche Anleihe, die der Londoner Investmentbanker Stephen Schechter dem FC Schalke 04 in Höhe von 75 Millionen Euro gewährte, sind gefragt. Die Bayern, deren Profiabteilung in eine nicht an der Börse notierte Aktiengesellschaft ausgegliedert wurde, haben mit dem Sportartikelhersteller Adidas einen strategischen Partner auf ihrer Seite, der zehn Prozent der Vereinsanteile im Wert von geschätzten 75 Millionen Euro hält.

Sparmodell mit sportlicher Blüte

Allen Versuchen, Fremdkapital aufzutreiben, steht die Skepsis der Mehrheit der Vereinsmanager beim Blick auf die roten Zahlen gegenüber. Vor Beginn dieser Saison schätzten drei Viertel der Fußball-Finanzfachleute die Lage der Liga angesichts überhöhter Gehälter für die Spieler, sinkender Fernseheinnahmen und fehlender Vermögenswerte als alarmierend ein. Mag sein, daß der Fall Borussia Dortmund die abschreckende Ausnahme ist, mag sein, daß die Liga in Zukunft wieder auf mehr Fernsehgeld als die zur Zeit in summa bezahlten 290 Millionen Euro spekulieren kann, der Kern des Übels bleiben fürs erste die Personalkosten, die die Spieler ihren trotz aller Sparmaßnahmen zahlungswilligen Vereinen aufladen.

Wie aus einem Sparmodell eine sportliche Blüte wachsen kann, hat der VfB Stuttgart vorgemacht. Vor drei Jahren noch mit 15 Millionen Euro verschuldet, speckten die Schwaben ihren Kader ab, reduzierten ihr Minus auf die Hälfte und fanden im eigenen Verein junge Profis wie die zu Nationalspielern gereiften Kevin Kuranyi, Andreas Hinkel oder Timo Hildebrand. Inzwischen verdienen auch diese drei die handelsüblichen Millionen - und der Verein, längst wieder ein Spitzenklub, muß aufs neue darüber nachdenken, wie der Balanceakt zwischen sportlicher Risikobereitschaft und wirtschaftlicher Vernunft auf Dauer gut gehen kann.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung
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