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Finalfans im Dialog „Wir sind eben nur Fans unterschiedlicher Klubs“

Gut 60.000 Fans aus München und Dortmund werden zum ersten rein deutschen Finale nach Wembley reisen. Im Interview sprechen zwei von ihnen, der Bayern-Anhänger Stefan Viehauser und BVB-Fan Jan-Henrik Gruszecki, über viele Unterschiede, aber auch manche Gemeinsamkeit.

© REUTERS Vergrößern Ein Stadion, zwei Fanlager: Die Anhänger von Bayern München und Borussia Dortmund

Stefan Viehauser ist 35 Jahre alt, Mitglied der „Red White Ants“ und des Fanclub „#tpmuc“. Er war lange Zeit im Club Nr.12, der Dachorganisation  der Bayern-Fans, tätig, unter anderem als Mitglied des Vorstands und als Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.
Des Weiteren bloggt er für die Plattform Fankultur.com und ist einer der Autoren des Buches „Fußball, deine Fans – Ein Jahrhundert deutsche Fankultur“. Fan des FC Bayern ist er wohl als einer der wenigen bei einer Niederlage geworden, beim 1:2 gegen Bayer Uerdingen im Pokalfinale 1985. Seit 17 Jahren hat er eine Dauerkarte und ist auch auswärts oft dabei.

Jan-Henrik Gruszecki ist 28 Jahre alt, aktiver BVB-Fan und war unter anderem Sprecher der 12:12-Protestkampagne, die im Dezember mit Schweigeprotesten in den Stadien für die Rechte der Fans demonstriert hat. Gruszzecki ist nebenbei Weltreisender in Sachen Fußball. Der Dokumentarfilmer Marc Quambusch hat einige seiner Ausflüge mit der Kamera verfolgt.

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Herr Viehauser, Herr Gruszecki, zunächst einmal die Frage aller Fragen: Wie sind Sie beide eigentlich an Ihre Karten gekommen?

Viehauser: Über einen Freund, eines Freundes, eines Freundes und dessen Freundin. Wenn man lang genug in der Fanszene aktiv ist, dann kommt man an so eine Karte heran.

Gruszecki: Ich habe Losglück gehabt.

Ist unser Versuch denn überhaupt aussichtsreich, Anhänger der verfeindeten Lager ins Gespräch zu bringen?

Gruszecki: Wenn ich als Vizemeister, also quasi mit dem Recht des Schwächeren anfangen darf: Natürlich. Es gibt auch keine Feindschaft, sondern wir sind eben nur Fans unterschiedlicher Klubs, die ein wenig rivalisieren. Wir haben als Dortmunder ja gar nix gegen die Bayern-Fans. Wir haben ja nur was gegen den Verein und das Verhalten der Verantwortlichen, die sich in den vergangenen Wochen aufführen, als wenn die Borussia ihr Supermarkt wäre. Matthias Sammer war ja eigentlich ein Held von uns. Aber der hat ganz schön selbst an seinem Denkmal gekratzt. Mit den Fans können wir uns schon eher arrangieren. Das ist bei den Bayern anders als bei unserem blau-weißen Rivalen. Da können wir mit den Fans genauso wenig anfangen wie mit dem Verein.

24476717 © privat Vergrößern Bayern-Fan Stefan Viehauser: „Wir haben beide unsere eigenen Lieder und das ist auch gut so“

Stefan Viehauser: Ich habe überhaupt nichts gegen Dortmund – solange sie uns nicht schlagen. Im Ernst: Eine Feindschaft gibt es überhaupt nicht. Mir imponiert die Fankultur in Dortmund. Die Gelbe Wand, auch wenn sie jetzt ein paar Jahre gar nicht so stimmungsvoll war, ist schon beeindruckend. Da könnten wir uns in der Arena noch einiges von abschneiden.

Gibt es also keinen Grund zur Beunruhigung, dass in London die beiden Lager auch gewalttätig aufeinanderprallen, wenn mindestens 60 000 Fans aus Deutschland in der selben Stadt sind?

Gruszecki: Das kann ich mir kaum vorstellen. Jeder ist ja froh, dass er in London überhaupt dabei sein darf. Und es wird keiner fahrlässig riskieren, vor dem Endspiel von der Insel geschickt zu werden.

Viehauser: Wir Bayern haben einen eigenen Treffpunkt. Und die Dortmunder treffen sich am anderen Ende der Stadt. Ich denke, dass jeder für sich schon vorher feiert und das das im Stadion ein toller Schlagabtausch wird.

Wird es bei so viel  Harmonie ein gemeinsames schönes deutsches Lied im Wembley-Stadion geben,  wie es Jens Lehmann sich gewünscht hat?

Gruszecki: Jens Lehmann ist ja bei uns nicht so wohl gelitten, obwohl er für uns gespielt hat. Er war ja aber eigentlich immer ein Blau-Weißer. Und dieser Wunsch nach einem Lied zeigt mir nur, dass er uns Dortmunder überhaupt nicht verstanden hat.

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