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Fifa-Skandal Armseliges Europa

 ·  Kein Druck, nur das übliche Bedauern: Trotz der neuen Einblicke in die dunklen Machenschaften der Fifa verhalten sich die Fußballmächte Europas passiv und schauen auf den eigenen Vorteil. Ein Paradebeispiel ist das Taktieren des Uefa-Präsidenten.

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© REUTERS Der Wille zur Reform ist nicht erkennbar, Druck von außen gibt es für die Fifa kaum

Das Milliardenspiel Fußball wird eigentlich von Europa dominiert. Allein im sportlichen Vergleich mit dem Rest der Welt hat das jüngste EM-Turnier wieder bewiesen, auf welch hohem Niveau die besten Mannschaften des Kontinents konkurrieren. Acht von ihnen gehören in der Weltrangliste zu den Top Ten.

Hier werden die stärksten Ligen unterhalten, spielen die größten Stars und fließt das meiste Geld im globalen Unterhaltungsgewerbe. Gleichzeitig aber geben die Europäer ein armseliges Bild ab, wenn es um die wichtigste und heikelste Zukunftsaufgabe in der Geschichte des Fußballs geht - die Trockenlegung des Korruptionssumpfes.

Von ihnen jedenfalls ist einmal mehr nichts Grundsätzliches außer dem üblichen Bedauern zu hören, nachdem die Öffentlichkeit in dieser Woche durch eine in der Schweiz gerichtlich verfügte Offenlegung von Prozessakten weitere Einblicke in die dunklen Machenschaften unter dem Dach des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) erhalten hat.

Die Passivität der Fußballmächte Europas gehört inzwischen mit zur Story des großen Fifa-Skandals. Während mit den Dokumenten nun endgültig deutlich geworden ist, wie sich die höchsten Fußballfunktionäre schamlos bedienten und das korrupte System mit den Bestechungsmillionen der ehemaligen Sportrechteagentur ISL über Jahrzehnte funktionierte, wird Fifa-Präsident Joseph Blatter gerade durch die Rückendeckung der bedeutenden europäischen Nationalverbände in seiner Position gehalten.

Dem Fußballherrscher konnte zwar bisher keine persönliche Vorteilsnahme nachgewiesen werden; und er liegt rein juristisch nicht falsch, wenn er anmerkt, dass die dubiosen Vorgänge zu ihrer Zeit keine strafrechtliche Relevanz gehabt hätten und auf der Geberseite sogar steuerlich absetzbar gewesen seien. Seiner Verantwortung für die Schmiergeldaffären kann er sich damit aber nicht entziehen.

Der DFB führt Blatter als Ehrenmitglied

In vergleichbaren Fällen haben sich Großkonzerne wie zum Beispiel Siemens ihres Spitzenpersonals, das ebenfalls von nichts gewusst haben will, bei der Aufarbeitung der Vergangenheit komplett entledigt. So war es schon eine niederschmetternde Erkenntnis, dass Blatters Machtimperium den Wahlkongress im vergangenen Jahr überstand.

Bis heute argumentieren einflussreiche Verbände wie der Deutsche Fußball-Bund (DFB), der Blatter als Ehrenmitglied führt, dass es im Reformprozess einer starken Führungsfigur wie der seinen notwendigerweise bedürfe. Das erscheint nun immer absurder und wirkt so skurril wie das Festhalten des Weltverbandes am Ehrenpräsidenten-Titel für Blatters Vorgänger João Havelange, der maßgeblich mit in den Skandal verwickelt ist.

Wo bleibt die angedrohte „Revolution“?

Läge den Fußball-Organisationen aus Deutschland, Spanien, Italien, England oder Frankreich wirklich so viel an schnellen, tiefgreifenden Veränderungen, wie sie vordergründig stets betonen, hätten sie mit ihren nicht geringen Möglichkeiten schon längst wesentlich mehr Druck auf die Fifa ausgeübt und die Arbeit nicht nur den externen Anti-Korruptions-Experten um den Schweizer Strafrechtler Mark Pieth überlassen.

Spät kommt die Forderung des deutschen Ligapräsidenten Reinhard Rauball, der nun den Rücktritt Blatters fordert. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, der sich zwar „schockiert“ von den Vorfällen zeigte, will noch nicht so weit gehen. Dagegen hat sich die Ankündigung des Bayern-Granden Karl-Heinz Rummenigge, der als Vorsitzender der europäischen Klubvereinigung der Fifa mit einer „Revolution“ drohte, falls sich nicht schnell etwas verändere, ins Nichts aufgelöst, nachdem der Weltverband den Topvereinen finanzielle Zugeständnisse gemacht hat.

Es bleibt eine ernüchternde Erkenntnis

So muss befürchtet werden, dass die Beteiligten weiterhin nur ihre Partikularinteressen zum eigenen Vorteil verfolgen. Ein Paradebeispiel dafür ist auch das Taktieren des europäischen Fußballpräsidenten Michel Platini, der Blatters Nachfolge anstrebt und sich deshalb mit harten Forderungen gegenüber der Fifa zurückhält.

Der Franzose will schließlich irgendwann gewählt werden. Es bleibt also die ernüchternde Erkenntnis, dass es - solange die eigenen Belange nicht zurückgestellt werden - nicht zu einer Erneuerung des auf den persönlichen Profit verkümmerten Fußballsystems kommen wird.

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Jahrgang 1965, Sportredakteur.

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