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Fußball-Weltverband : Infantino und die lästigen Fifa-Kontrolleure

Auch Fifa-Präsident Gianni Infantino gerät unter Druck. Bild: EPA

Der Fußball-Weltverband befindet sich ein Jahr nach Inthronisierung von Fifa-Präsident Gianni Infantino in einer gefährlichen Schieflage. Nun deutet sich das nächste umstrittene Manöver an.

          Ein Jahr nach seiner Inthronisierung als Präsident des Internationalen Fußball-Verbands (Fifa) hat Gianni Infantino die Organisation in eine noch gefährlichere Schräglage gebracht. Der angekündigte Reformprozess hat de facto nicht stattgefunden, es fehlen große Sponsoren, die Führung verzettelt sich in Machtkämpfen auch mit Gegnern aus den Konföderationen, und noch immer droht die harte Hand der amerikanischen Justiz. Dazu gibt es Hinweise, dass der Infantino-Apparat sich der letzten unabhängigen Kontrolleure entledigen will. Es geht um die Ethikkommission, zu der als Vorsitzender der Spruchkammer der ehemalige deutsche Richter Hans-Joachim Eckert aus München gehört.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Nervosität vor dem Fifa-Kongress im Mai in Bahrein nimmt zu. Ein Großteil der Funktionäre empfindet die Ethik-Ermittler und Ethik-Richter im Verband als störend für den Betrieb. Seit 2012 gibt es fortlaufend Verfahren und Verurteilungen gegen korrupte Funktionäre aus dem Fifa-Reich (mehr als 60 Fälle). Zu den spektakulärsten Fällen zählten die Ausschlüsse des früheren Fifa-Chefs Joseph Blatter und des europäischen Fußballpräsidenten Michel Platini. Auch gegen Infantino gab es zu seinem Start an der Fifa-Spitze ein Verfahren, das jedoch ins Leere lief.

          Hinter verschlossenen Türen sprachen die Vertreter des Fifa-Councils aus, was sie über die Vertreter in den Aufsichtspositionen denken. Man sei „die Geisel“ einer Situation, die keiner gut finden könne, war aus Tonaufzeichnungen einer Sitzung in Mexiko-Stadt zu hören. Der damalige Compliance-Chef Domenico Scala trat danach aus eigenen Stücken zurück, weil vom Kongress auf fragwürdige Weise ein Sonderparagraph zur Ermächtigung der Funktionäre aufgenommen wurde. Seither können Leute wie Eckert oder auch der Vorsitzende der Ermittlungskammer, Cornel Borbély, jederzeit entlassen werden. Ihre Unabhängigkeit haben sie damit verloren, doch sie führen stets an, dass sie bisher ohne Beeinflussung aus der Fifa-Chefetage arbeiten können. Aber wie lange noch?

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          Aus den Ethik-Kammern von Eckert und auch Borbély ist zu vernehmen, dass beide Vorsitzende weitere vier Jahre bleiben würden. Sie müssen beim Kongress in Bahrein jedoch vorgeschlagen und gewählt werden. Inzwischen wird spekuliert, dass in einem Handstreich andere, genehmere Aufsichten installiert werden könnten. Den Funktionären sei vieles zuzutrauen. So wirkt der durch Infantino im vergangenen Jahr in die Position gehievte neue Compliance-Chef Tomasz Vesel aus Slowenien nicht gerade wie jemand, der dem Präsidenten auch mal auf die Füße tritt. Zuletzt fiel er nur dadurch auf, dass er nachträglich einen Privatjet-Flug Infantinos auf Einladung des russischen Vizepremiers Witali Mutko durchgehen ließ.

          Dabei könnte es um einen Interessenkonflikt gehen. Die Russen richten die WM 2018 aus, derweil ist die Rolle Mutkos als ehemaliger Sportminister seines Landes im großen Doping-Skandal ungeklärt. Die Fifa-Governance will im März klären, ob Mutko mit seinen politischen Ämtern in Russland überhaupt noch dem Fifa-Council angehören kann. Wie zu erfahren ist, gehen bei der Ethik-kommission und über die Anlaufstelle für Whistleblower auf der Fifa-Internetseite ständig Hinweise zu weiterem möglichem Fehlverhalten von Funktionären ein.

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          Unter den 400 Mitarbeitern in der Züricher Fifa-Zentrale herrscht eine angespannte Stimmung. Jeder fünfte wurde von der Infantino-Administration bereits vor die Tür gesetzt. Infantino glaubt zwar alles zu kontrollieren, doch der Druck auf ihn erhöht sich. In einer verfahrenen Situation befindet er sich auch mit den Anwälten der amerikanischen Kanzlei Quinn Emanuel. Einerseits sorgten sie mit einer internen Untersuchung und Veröffentlichungen dafür, dass Infantino die fragwürdigen Geschäfte der Ära Blatter beklagen konnte.

          Allerdings fehlte hier bisher stets die strafrechtliche Relevanz. Quinn Emanuel soll jedes Jahr mit der Fifa etwa 100 Millionen Dollar verdienen. Sich von der in den Vereinigten Staaten gutvernetzten Kanzlei zu lösen, könnte jedoch zum Bumerang werden. Über dem Weltverband schwebt noch immer das Damoklesschwert, in den amerikanischen Ermittlungen gegen 50 Beschuldigte (vor allem aus Fußballverbänden in Mittel- und Südamerika) den bisherigen Opferstatus zu verlieren und womöglich als Täterorganisation angeklagt zu werden. Das könnte Hunderte Millionen an Strafe kosten.

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          Quelle: F.A.Z.

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