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FAZ.NET exklusiv : Fifa verstrickt sich in neue Widersprüche

Neue Enthüllungen belasten Fifa-Präsident Gianni Infantino. Bild: AP

Ein brisanter Mail-Verkehr, der FAZ.NET vorliegt, belastet die Fifa: Präsident Gianni Infantino selbst gab die Anweisung zur Löschung von Tonmaterial. Bei der Erklärung dafür tauchen neue Ungereimtheiten auf.

          Gianni Infantino, der Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa), hat die Anweisung zum Löschen von Tonaufnahmen gegeben, die ihn und Kollegen des Fifa-Führungsgremium belasten. Das geht aus einem E-Mail-Verkehr hervor, der FAZ.NET vorliegt. Die Aufzeichnungen belegen die Darstellung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass bei zwei Treffen des höchsten Fifa-Gremiums im Vorfeld vom Kongress in Mexiko-Stadt Mitte Mai hinter verschlossenen Türen auf Betreiben Infantinos eine Intrige zur Absetzung des Fifa-Chefkontrolleurs Domenico Scala diskutiert worden war. Außerdem äußert sich der Präsident zu seiner Bezahlung: Er wolle das von der Fifa-Vergütungskommission festgesetztes Gehalt nicht akzeptieren – angeblich zwei Millionen Franken im Jahr. Der vorgesehene Betrag sei für ihn „beleidigend“, hatte Infantino gesagt.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Aus dem Mail-Austausch geht hervor, dass Marco Villiger, der Chef der Fifa-Rechtsabteilung, gegenüber einem Mitarbeiter aus dem Fifa-Generalsekretariat am Morgen des 23. Mai den Auftrag zum Löschen der digitalen Aufzeichnungen gab. Außerdem schrieb er diesem Mitarbeiter, dass das Protokoll von den Treffen in Mexiko-Stadt nun selbst von den Mitarbeitern im Präsidentenbüro Infantinos erstellt würde. Auf welcher Informationsbasis die Mitschrift dort entstünde, das wird nicht geschrieben.

          Villiger bestätigt diese Entscheidung per Mail um 15.34 Uhr desselben Tages und schreibt von einer „Instruktion des Präsidenten“. Drei Tage vorher, am 20. Mai, war der Mitarbeiter im Generalsekretariat noch in seiner Mail davon ausgegangen, dass er wie üblich den Protokollentwurf erstellt. Laut Fifa-Reglement ist aber der geschäftsführende Generalsekretär für Protokolle und Council-Aufzeichnungen zuständig.

          Dem geschäftsführenden Generalsekretär Markus Kattner wurde fristlos gekündigt.
          Dem geschäftsführenden Generalsekretär Markus Kattner wurde fristlos gekündigt. : Bild: Reuters

          Dieses Amt bekleidete zuletzt Markus Kattner. Dem Deutschen wurde aber am 23. Mai nachmittags aus heiterem Himmel fristlos von der Fifa gekündigt – nach der beschriebenen Mail Villigers um 15.34 Uhr. Angeblich habe Kattner gegen seine treuhänderische Verantwortung verstoßen, wie die Fifa behauptet. Hätte Kattners Büro das Protokoll angefertigt, so wäre der Generalsekretär in die Lage versetzt worden, Kenntnis von den brisanten Inhalten der Tonaufnahmen zu bekommen.

          Gegenüber FAZ.NET behauptet die Fifa, dass bei den Council-Sitzungen generell das Präsidentenbüro für die Protokolle verantwortlich sei – in Zusammenarbeit mit dem Generalsekretariat. Im Governance-Reglement des Fußball-Weltverbandes steht unter Ziffer 9.8. allerdings etwas anderes: „Der Generalsekretär, der von Amtes wegen und als Sitzungssekretär ohne Stimmrecht an den Ratssitzungen teilnimmt, erstellt von jeder Sitzung ein Protokoll. Ist er verhindert, wird er vom Stellvertretenden Generalsekretär vertreten. Das Protokoll wird grundsätzlich vom Generalsekretär unterzeichnet.“ Demnach hätte nach Kattners fristloser Kündigung der Stellvertreter das Protokoll anfertigen müssen. Aus Kattners Umfeld ist zu erfahren, dass ihm die Fifa bislang offenbar keine konkreteren Gründe für die fristlose Entlassung genannt hat.

          Fifa-Chefkontrolleur Domenico Scala trat in Mexiko zurück.
          Fifa-Chefkontrolleur Domenico Scala trat in Mexiko zurück. : Bild: dpa

          Nach Darstellung der Fifa werden alle Council-Sitzungen aufgenommen. In der Mail des Chef-Justiziars Villigers sei es lediglich darum gegangen, eine falsch abgespeicherte Kopie von einem lokalen Laufwerk zu löschen. Der ordnungsgemäß archivierte Original-Audiofile existiere nach wie vor. Warum aber schaltet sich für solch eher unbedeutenden administrativen Vorgang der Chefjustiziar vehement ein? Und warum muss mit aller Deutlichkeit auf die Instruktionen des Präsidenten hingewiesen werden?  

          Nach der Konfrontation mit den Aussagen aus den Sitzungen in Mexiko-Stadt durch die Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte die Fifa von „Unterstellungen“ und „vorsätzlich falschen Darstellungen“ gesprochen. Die Existenz der Aufzeichnungen, die die F.A.Z. vollständig kennt und die von der F.A.Z. zitierten Aussagen dementierte der Weltverband nicht. Demnach liegen der Fifa-Ethikkommission ausreichend Belege vor, um zu ermitteln.



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