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Fifa-Korruptionssumpf Wohin floss das ganze Geld?

 ·  Joseph Blatter könnte die eigene Aktion Saubermann in die Quere kommen. DOSB-Präsident Thomas Bach fordert gegenüber der F.A.Z. Transparenz über Schmiergelder von mehr als 140 Millionen Franken.

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© dpa Blatters Andeutung, die Deutschen - mit Beckenbauer (rechts) - hätten falsch gespielt, bringt keine Entlastung

Eigentlich hatte Joseph Blatter vor, sich an diesem Dienstag in seinem selbst genehmigten Glorienschein als Verbandsreformer zu sonnen. Doch nun wird es kalt in der Umgebung des Fußball-Weltpräsidenten. Auf der Tagesordnung der Exekutivsitzung des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) steht zwar die Verabschiedung zweier großer Fortschritte im Kampf gegen den Korruptions-Sumpf in diesem seit Jahrzehnten moralisch verkommenen Verbandskonstrukt: Die Verabschiedung des neuen Ethik-Kodex‘ und die Einsetzung der Vorsitzenden für die neu geschaffenen beiden Kammern der Ethik-Kommission.

Aber so leicht entkommt der wendige Präsident seiner Vergangenheit nicht. Im Gegenteil: Er könnte sogar Opfer seiner selbst inszenierten Aktion Saubermann werden. Nachdem Blatter in der vergangenen Woche von der Schweizer Staatsanwaltschaft als Mitwisser der millionenschweren Schmiergeld-Affäre um hohe Fifa-Funktionäre geoutet worden war, dürfte dieser Skandal nun auch in den Mittelpunkt der Sitzung rücken, an deren Ende eine interne Untersuchung gegen den eigenen Chef stehen könnte.

„Nach den öffentlichen Äußerungen kann man davon ausgehen, dass er das Thema in der Exekutive anspricht und damit eine Meinungsbildung ermöglicht“, sagte Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes und Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees, am Montag gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Bach fordert, dass die Fifa nicht bei dem Teilwissen, das durch die Veröffentlichung einer Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Zug ans Licht gekommen ist, Halt macht. Dort wurden nur zwei Schmiergeld-Empfänger, die Brasilianer Joao Havelange und Ricardo Teixeira, namentlich genannt. Weitere Personen, die sogenannte Provisionen vom einstigen Sportrechte-Händler ISL/ISMM erhalten haben, wurden in der veröffentlichten Akte anonymisiert.

„Es sollte aus meiner Sicht alles aufgeklärt werden“, sagte Bach. „Denn die Einstellungsverfügung macht lediglich zwei Personen und eine Summe von angeblich 14 Millionen Schweizer Franken öffentlich, während insgesamt wohl 140 Millionen über mehrere Jahre in Rede stehen.“ Das traut Bach der Fifa, die sich im Besitz der gerichtlichen Unterlagen sein dürfte, trotz aller Beschädigung zu.

„Die Fifa hat bereits Aufklärung und Reformen eingeleitet und wird offensichtlich in der bevorstehenden Exekutivsitzung weitere wichtige Beschlüsse fassen. Angesichts dieser Maßnahmen und der handelnden Personen habe ich volles Vertrauen darin, dass die Fifa eine umfassende Aufklärung anstrebt.“

Auch Theo Zwanziger misst der Exekutivsitzung große Bedeutung zu - er ist selbst Mitglied im von Korruptionsfällen diskreditierten und mittlerweile bereits teil-erneuerten Entscheidungsgremium des Weltverbandes. „Ich bin zuversichtlich, dass die von Professor Pieth für den Vorsitz der beiden Kammern vorgeschlagenen Personen bestätigt werden, sofort ihre Arbeit aufnehmen und sich auch dieser Sache - komplett unbeeinflusst von der Fifa - noch einmal annehmen.“

Der Schweizer Strafrechtler und Anti-Korruptions-Fachmann Mark Pieth ist Vorsitzender der neu geschaffenen Good-Governance-Kommission der Fifa und hat die Konstruktion der neuen Ethik-Kommission entwickelt. Durch ein Zwei-Kammern-System soll sie mehr Unabhängigkeit gewinnen - und könnte nun direkt nach der Einsetzung der Vorsitzenden zu ihrem ersten Fall kommen.

Blatter könnte es mit einem kaum manipulierbaren Mann zu tun bekommen: Als unabhängigen Chefankläger wünscht sich die Fifa den Argentinier Luis Moreno Ocampo - der 60 Jahre alte Jurist war bis vor kurzem Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag. Er hat sich allerdings bisher noch nicht konkret zu seinen Plänen geäußert.

Der 76 Jahre alte Blatter, der die schamlosen Bereicherungspraktiken innerhalb seines Verbandes jahrelang ganz offensichtlich befördert hat, beruft sich darauf, selbst keine Schmiergelder erhalten und nicht gegen Gesetze verstoßen zu haben. Korruption sei in den aktenkundig gewordenen Schmiergeld-Jahren in der Schweiz kein strafbares Delikt gewesen, betont der Walliser immer wieder.

„Dass es einen Unterschied zwischen Recht und Moral gibt, ist offensichtlich“, sagt dazu Thomas Bach, selbst promovierter Jurist. „Ein Strafrecht, das all dies umfasst, kann es nicht geben.“ Das Internationale Olympische Komitee (IOC), dessen Mitglied Blatter ist, nehme im Moment aber keine Ermittlungen gegen Blatter auf. „Im Moment liegt der Fall in den Händen der Fifa-Gremien“, sagte Bach. „Das IOC erwartet nach Abschluss einen entsprechenden Bericht.“ Nach Auskunft von Präsident Jacques Rogge aber will sich die IOC-Exekutive am Wochenende in London mit der Schmiergeldaffäre beschäftigen.

Möglicherweise um von seinen Verwicklungen abzulenken und um sich für Rücktrittsforderungen aus Deutschland zu revanchieren, hatte Blatter in einem Interview mit der Boulevardzeitung „SonntagsBlick“ angedeutet, bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschafen 2006 an Deutschland im Juli 2000 sei es nicht mit rechten Dingen zugegangen. Allerdings fiele eine solche Manipulation dann in Blatters Verantwortung.

Dies betonte auch der ehemalige Fifa-Direktor Guido Tognoni am Montag im ARD-Morgenmagazin: „Sepp Blatter war immer dabei. Wenn Sepp Blatter den Deutschen irgendwelche Vorwürfe macht, dann treffen die auf ihn zu. Den er hätte ja das Ganze stoppen können, wenn es unsauber gelaufen wäre.“ Blatter habe jedes Detail der WM-Vergabe gewusst.

„Jetzt im Nachhinein zu kommen, finde ich etwas billig. Tatsache ist, dass in der Fifa unter der Präsidentschaft von Blatter Dinge geschehen sind, die eigentlich in einem Fußballbetrieb nicht geschehen sollten.“ Thomas Bach, einer der Unterstützer der damaligen Bewerbung, wies Blatters Andeutungen von sich. „Wenn jemand etwas behaupten will, dann soll er Beweise auf den Tisch legen.“

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Jahrgang 1958, Sportredakteurin.

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