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Fifa kontert Kritik „Wir sind sehr zufrieden mit den Schiedsrichtern“

21.06.2010 ·  Die Kritik an den WM-Schiedsrichtern ist groß - doch die Fifa sieht „exzellente Leistungen“. Die Referees sollen schweigen. Undiano, der Klose Gelb-Rot zeigte, rechtfertigt seine Kartenflut dennoch. Und der Deutsche Stark wird zum englischen Feindbild.

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Die Schiedsrichter stehen in Südafrika am Pranger wie selten zuvor, auch „Kaiser“ Franz Beckenbauer grantelt - doch die Fifa weist jegliche Kritik zurück. „Wir sind sehr, sehr zufrieden mit den Schiedsrichtern. Es gab exzellente Leistungen“, sagte der spanische Schiedsrichter-Obmann der Fifa, José Maria Garcia Aranda, am Montag beim Medientag der 29 WM-Referees in Pretoria.

Dabei regt sich längst überall der Unmut über das Auftreten der Unparteiischen, die in den ersten 31 Turnierspielen keine klare Linie fanden und die Spieler durch verschiedene Regelinterpretationen verwirrten. „Vergleichbare Vergehen werden vollkommen unterschiedlich bewertet. Die Referees sind für Spieler und Trainer nicht berechenbar. Das ist fatal“, urteilte der dreimalige Welt-Schiedsrichter Markus Merk in der „Stuttgarter Zeitung“ und sprach sogar von „Wettbewerbsverzerrung“.

Beckenbauer schüttelte verständnislos den Kopf über die zahlreichen folgenschweren Fehlentscheidungen, die am Sonntagabend beim Spiel Brasilien gegen Elfenbeinküste in der Leistung von Philippe Lannoy ihren vorläufigen Höhepunkt fanden. Der Franzose ließ ein eindeutiges Handtor gelten, gab dafür aber zwei klare Rote Karten nach brutalen Fouls ivorischer Profis nicht.

„Darüber werden Sie von mir keine Auskunft bekommen“

Am Montag lag auch Khalil Al Ghamdi in der Partie Chile gegen Schweiz bei einigen Kartenverteilungen gewaltig daneben. Zudem bewertete er das 1:0 der Südamerikaner aus Abseitsposition als regelkonform. „Warum kriegt man das nicht hin?“, meinte der „Kaiser“ als Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees. „Früher hat man das Schiedsrichter-Gespann ja von allen Erdteilen zusammengestellt. Jetzt hat man Teams aus einem Land und trotzdem funktioniert's nicht.“

Der „Kaiser“ plädierte wieder für den „vierten Mann“: „Ich könnte mir - die Uefa hat's ja in der Europa League getestet - das mit dem zusätzlichen Schiedsrichter oder Assistenten neben dem Tor vorstellen.“ Der hätte wahrscheinlich auch gesehen, dass Fabiano den Ball vor dem 2:0 der Brasilianer zweimal mit der Hand berührte. Die Uefa will in der kommenden Saison, die in der Europa League erprobten Torrichter auch in der Champions League und bei EM- Qualifikationspartien testen.

Die Unparteiischen selbst dürfen sich bei der WM nicht zu ihren und den Auftritten der Kollegen äußern, weil sie von der Fifa einen Maulkorb verpasst bekamen. „Darüber werden Sie von mir keine Auskunft bekommen. Wir sind hier, um Spiele zu leiten“, erklärte denn auch Wolfgang Stark, der am Mittwoch mit der Partie England gegen Slowenien (16.00 Uhr / FAZ.NET-WM-Liveticker) seine zweite Begegnung leiten darf, auf eine entsprechende Frage.

Boulevard-Zeitung: „Krawall-Schiri pfeift England-Spiel“

Starks Nominierung für das letzte Gruppenspiel der möglichen deutschen Achtelfinalgegner bescherte der Fifa gleich den nächsten Rüffel. „Englands Zukunft in deutschen Händen“, kommentierte die „Daily Mail“ süffisant. Besonders pikant: Im Achtelfinale könnte Deutschland auf England treffen. „Krawall-Schiri pfeift England-Spiel“, schrieb die Boulevard-Zeitung „Daily Mirror“ auf ihrer Internetseite und versuchte, mit einem Foto gleich ein Feindbild aufzubauen: Das Bild zeigt Stark während eines Spiels mit ausgestrecktem rechten Arm.

Ausführlich erinnerte der Mirror an das Halbfinale der U20-WM zwischen Chile und Argentinien, bei dem Stark 2007 neun Gelbe und zwei Rote Karten gezeigt hatte. Auch die „Sun“ schoss sich bereits auf den deutschen Schiedsrichter ein. Stark habe bei der WM-Endrunde bereits gepatzt, als er ein Tor des Argentiniers Gabriel Heinze gegen Nigeria gegeben habe, obwohl ein Foul vorausgegangen sein soll, hieß es weiter. Experten hatten Stark aber ein fehlerloses Spiel bescheinigt.

„Kommission ist überwiegend in spanischer Hand“

Markus Merk sagte zu den Fehlpfiffen der Schiri-Elite: „Schuld ist ein schwer nachzuvollziehendes Auswahl- und Ausbildungssystem, in dem auf nebensächliche Dinge Wert gelegt wird.“ Nach Ansicht des 48-Jährigen aus Kaiserslautern würden bei Schulungen „unsinnige Dinge“ geübt werden wie die Präsentation von Karten.

„Man sollte sich mehr um die Zweikampfbeurteilung kümmern, wann ist es Gelb, wann Rot“, forderte Merk. Zudem warf der langjährige Fifa-Referee dem Weltverband strukturelle Schwächen und mangelnde Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit anderen Meinungen vor: „Die Fifa-Schiedsrichterkommission ist überwiegend in spanischer Hand. Die Führung ist leider unberechenbar. Insgesamt ist das Vertrauen in die Kommission nicht sehr hoch.“

Undiano: „Ich muss mich nicht entschuldigen“

Der Spanier Alberto Undiano wehrte sich unterdessen gegen die Kritik an seinem Kartenfestival bei Deutschlands WM-Niederlage gegen Serbien, wobei Miroslav Klose Gelb-Rot sah. Er habe „keine Fehler gemacht“, betonte Undiano. „Ich muss mich nicht entschuldigen. Ich habe die Fernsehbilder nach dem Spiel gesehen und ich glaube, es gab nichts, was ich mir vorwerfen muss.“

Sein Landsmann Aranda stellte sich am Montag zwar den Fragen der Medienvertreter, ließ aber keinen Hauch von Selbstkritik erkennen. „Das Niveau aller Schiedsrichter ist sehr, sehr hoch“, meinte der Spanier. Referees würden ebenso wie Weltklassespieler Fehler machen: „Irren ist menschlich.“ Hellmut Krug, Mitglied der Schiedsrichter- Kommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), bemängelte in der Zeitung „Die Welt“, dass Unparteiische sämtlicher Kontinentalverbände zum Einsatz kommen. „Das bringt zwangsläufig Qualitätsunterschiede mit sich“, sagte er, „bei Weltmeisterschaften stehen nicht nur die weltbesten Schiedsrichter auf dem Platz.“

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