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Fifa-Kommentar Der Makel der Verweigerung

02.12.2011 ·  Die Fifa will eine vorbildlichen Organisation werden. Transparency International hat so seine Zweifel und verweigert dem Fußball-Weltverband die Mitarbeit - ein schwerer Schlag für Blatter.

Von Peter Heß
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© dpa Wird es schon wieder dunkel für Fifa-Präsident Joseph Blatter?

Meint es Joseph Blatter ernst damit, den Internationalen Fußballverband (Fifa) von einer skandalumwitterten Organisation in einen vorbildlich integren, demokratischen, transparenten Sportbund zu verwandeln? Transparency International hat so seine Zweifel und deshalb seine Mitarbeit am neuen unabhängigen Governance Komitee des Verbandes verweigert.

Im umfangreichen Maßnahmenkatalog Blatters sollte dieses Gremium das Herzstück bilden, das den Willen nach Veränderung nach außen repräsentiert und nach innen auf den Weg bringt. Mit der Berufung des weltweit anerkannten Antikorruptionsexperten Professor Mark Pieth zum Vorsitzenden beabsichtigte Blatter, dem Governance Komitee Gewicht zu verleihen, vor allem wohl aber, die Ernsthaftigkeit seiner Bemühungen zu unterstreichen.

Die Weigerung von Transparency International (TI) mitzumachen, bedeutet einen schweren Schlag für ihn. Denn TI ist eine gut beleumundete, gemeinnützige Organisation, die auf der ganzen Welt gegen Korruption und für die Einhaltung ihrer Grundprinzipien Integrität, Verantwortlichkeit, Transparenz und Partizipation der Zivilgesellschaft in Verbänden, Unternehmen und Regierungen kämpft. Wenn diese moralische Instanz Bedenken äußert, dann ist der Werbewert des neuen Gremiums für Blatter erheblich gesunken.

Das muss nicht heißen, dass die Governance Kommission wertlos für den Gesundungsprozess der Fifa ist. Aber es bleibt festzuhalten, dass Blatter freiwillig darauf verzichtet, diesen - wenn man so will - Antikörper mit größtmöglicher Wirkung auszustatten. Denn das Governance Komitee bekam nicht die Aufgabe, unabhängig vom Verband alle Missstände (vielleicht auch strafrechtlich relevante Vorkommnisse) in der Fifa aufzuarbeiten und an die Öffentlichkeit zu bringen.

Es soll nur die Schwächen im System aufzeigen und Verbesserungsvorschläge daraus entwickeln. Aber wie glaubwürdig sind die Bemühungen für eine bessere Zukunft, wenn sich die Vergangenheitsbewältigung gespart wird? Dazu kommt noch, dass das unabhängige Komitee auch mit den neuen Task Forces der Fifa zusammenarbeiten wird, die sich um Sinnhaftigkeit und Transparenz in den Statuten kümmern, sowie um die Integrität der Funktionäre.

Dass Pieth nicht vom um Transparenz und gegen Korruption kämpfenden unabhängigen Governance Gremium gewählt wird, sondern von Blatter schon vor dessen Zusammensetzung bestellt wurde und auch bezahlt wird, ist ein weiterer Makel.

Die Hoffnung vieler, die Fifa macht endlich klar Schiff, hat ein Leck erhalten. Admiral Pieth ist ein Teil des Fifa-Systems, und das gibt er auch zu, er behauptet, es gehe gar nicht anders. „Veränderungen können nicht diktiert, sondern müssen durch den Fifa-Kongress (Vollversammlung der nationalen Verbände) oder die Fifa-Exekutive (Regierung) beschlossen werden.“

Der Professor meint damit, salopp formuliert, wenn er allen auf die Füße treten würde, die er hinterher braucht, würde bei der Abstimmung keiner die Hand für seine Empfehlungen heben. Dass Pieth genau weiß, wie die Fifa am besten funktionieren würde, daran besteht kein Zweifel. Aber ob er, eingebettet im System, mit seinen Vorschlägen auch radikal genug ist oder seine Empfehlungen schon vorab schon auf ihre Machbarkeit abklopft?

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Einen Großinquisitor hat sich Blatter mit Pieth nicht ins Haus geholt, eher so etwas wie einen Wirtschaftsprüfer für weiche Werte wie Moral, Integrität und Transparenz. Das heißt nichts anderes, als dass der starke Mann sich immer noch vor der Peinlichkeit scheut, offen zu legen wie die Fifa wirklich war (und vielleicht noch ist). Ob die Fifa ohne diesen Druck die Kraft und den Willen aufbringt, sich von innen heraus zu verändern, darf zumindest angezweifelt werden.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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