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Aktualisiert: 22.03.2016, 17:35 Uhr

WM-2006-Affäre Die Fifa ermittelt wieder

Nach Prüfung des Freshfields-Berichts leitet die Fifa-Ethikkommission ein Verfahren gegen einstige Mitglieder des WM-Organisationskomitees ein. Sechs Personen stehen dabei im Fokus.

© dpa Das Organisationskomitee für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006, Horst Schmidt (rechts), Wolfgang Niersbach und Franz Beckenbauer.

Der Skandal um die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 und den Deutschen Fußball-Bund (DFB) hat eine neue Wendung erhalten. Am Dienstag hat die Ethikkommission des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) publik gemacht, dass sie Ermittlungen gegen einstige Mitglieder des deutschen WM-Organisationskomitees um Franz Beckenbauer eingeleitet hat. Das Verfahren richte sich zudem gegen den zurückgetretenen DFB-Chef Wolfgang Niersbach, den ehemaligen DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock, Horst R. Schmidt, Theo Zwanziger und Stefan Hans. Das teilten die Ermittler der Fifa-Ethikkommission mit.

Während es bei Niersbach und Sandrock laut Mitteilung der Ethikkommission um die Verletzung bestimmter Verhaltensregeln geht, wird gegen Beckenbauer, Schmidt, Zwanziger und Hans wegen möglicher Schmiergeld- und Korruptionsvergehen recherchiert. Die Kommission werde in ihrem Fall „mögliche unlautere Zahlungen und Verträge untersuchen“, die der deutschen Bewerbung einen Vorteil bei der Vergabe der Weltmeisterschaft 2006 verschafft haben könnten.

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Für den ehemaligen DFB-Chef Niersbach könnten die weitergehenden Ermittlungen spezielle Konsequenzen haben: Der 65 Jahre alte Funktionär trat im Zuge des WM-Skandals zwar als DFB-Präsident im vergangenen Jahr zurück, sitzt aber noch immer in den höchsten Gremien bei der Fifa und auch des europäischen Fußballverbandes Uefa. Würde gegen ihn von der Ethikkommission noch eine Suspendierung ausgesprochen, müsste er seine Sitze in den internationalen Gremien räumen. Bei der Fifa erhält Niersbach 300000 Dollar im Jahr als Entschädigung für seine Arbeit.

Alle sechs Funktionäre, gegen die jetzt von der Ethikkommission ermittelt wird, gehörten zum Organisationskomitee der WM in Deutschland oder waren bei der Ausrichtung des Turniers für die Bereiche Finanzen (Hans) und Organisation (Sandrock) zuständig.

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Grundlage der Fifa-Ermittlungen ist der Untersuchungsbericht der Wirtschaftskanzlei Freshfields, die vom DFB mit der Aufklärung der Affäre beauftragt worden war. Nach der Prüfung dieses Berichts sieht der selbst von zahlreichen Skandalen geplagte Weltverband genügend Anhaltspunkte, um die Vergabe der WM 2006 zu untersuchen. In ihrem mehr als 300-seitigen Report hatten die Freshfields-Anwälte Anfang März veröffentlicht, dass es zwar Stand jetzt keine Beweise für einen Stimmenkauf vor der Vergabe der WM im Jahr 2000 gebe. Der Chef der Untersuchung, Christian Duve von Freshfields, betonte bei der Veröffentlichung allerdings auch, dass der Verdacht des Stimmenkaufs gegen die deutschen WM-Bewerber aber auch nicht entkräftet werden könne.

Fraglich ist, welchen Zweck die Zahlung hatte

Die gesamte Affäre und auch der Freshfields-Report sind durchsetzt mit fragwürdigen Vorkommnissen und Geldflüssen. Im Zentrum stehen nach wie vor zwei Zahlungen über 6,7 Millionen Euro. Mit Hilfe des früheren Adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus überwiesen der deutsche OK-Chef Beckenbauer und sein damaliger Manager Robert Schwan diese Summe 2002 zunächst über ein Konto in der Schweiz an eine Firma des früheren Fifa-Funktionärs Mohamed bin Hammam in Qatar. 2005 zahlte das WM-OK die 6,7 Millionen verschleiert an Louis-Dreyfus zurück.

Fraglich ist weiterhin, welchen Zweck diese Zahlung von 6,7 Millionen Euro hatte. Behauptet wird von Beckenbauer, dass die Summe nötig gewesen wäre, um einen höheren Zuschuss für die WM von der Fifa zu erhalten. Aber weshalb floss das Geld dann außerhalb der Fifa an den Qatarer Bin Hammam, der von der Fifa-Ethikkommission längst auf Lebenszeit gesperrt ist. Es gibt Vermutungen, dass das Geld gebraucht wurde, um den ehemaligen Fifa-Präsidenten Joseph Blatter bei dessen Wiederwahl-Kampagne zu unterstützen. Oder wurden damit doch Wahlmänner des Weltverbandes für die deutsche WM bestochen?

Die Fifa-Ethikkommisson ermittelt

Franz Beckenbauer (70 Jahre alt), damals Präsident des Organisationskomitees. Ehemaliger Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes, ehemaliges Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees.

Wolfgang Niersbach (65), damals Vizepräsident des Organisationskomitees. Ehemaliger Präsident des DFB. Aktuell noch in den Exekutivkomitees der Fifa und der Uefa.

Theo Zwanziger (70), damals Vizepräsident des Organisationskomitees. Ehemaliger Präsident des DFB. Ehemaliges Mitglied der Exekutivkomitees der Fifa und der Uefa.

Horst R. Schmidt (74), damals Vizepräsident des Organisationskomitees. Ehemaliger Generalsekretär des DFB.

Helmut Sandrock (59), damals Turnierdirektor des Organisationskomitees. Ehemaliger Generalsekretär des DFB.

Stefan Hans (55), damals Finanzchef des Organisationskomitees.

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