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Fifa Eine Residenz für König Blatter, ein Amt für den Kaiser

30.05.2007 ·  Seine Wiederwahl als Präsident des Weltfußballverbandes steht außer Frage, die Einweihung des sündhaft teuren Hauptquartiers war ganz nach Blatters Geschmack. Und doch liegt ein Grauschleier über dem Fifa-Kongress.

Von Roland Zorn, Zürich
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Es war reichlich kühl, und es regnete in Zürich, doch Joseph Blatter empfand das üble Wetter als Geschenk des Himmels. "Wir haben den Segen Gottes", rief er 1500 Zuhörern in einem geräumigen Festzelt zu, "und deshalb, glaube ich, regnet es heute." Hätte die Sonne zur feierlichen Einweihung des Home of Fifa geschienen, der Chef des seit einem Jahr genutzten Hauses hätte nicht gezögert, auch das als einen Wink des Herrn zu deuten. Der Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) stand bei seinen Worten zum Dienstag nicht auf einer Kanzel, doch seine Rede war nichts anderes als eine feierliche Predigt.

Der Tag vor dem Beginn des 57. Fifa-Kongresses bot die ideale Gelegenheit, das neue Domizil mal so richtig hochleben zu lassen. Hausmeister Blatter deklarierte das mit 150 Millionen Euro sündhaft teure, mit fünf Stockwerken in die Erdtiefe gebaute Underground-Palais flugs zum Gemeingut der internationalen Fußballfamilie: "Das ist Ihr Haus, das Heim der nationalen Verbände." Altbundestrainer Berti Vogts hätte nun wohl gesagt, "das Haus ist der Star".

Beckenbauer wird Fußball-“Botschafter“

Doch nicht alle, die gekommen waren, wurden sogleich zu rückhaltlosen Bewunderern des "Kunstwerks", wie Blatter von seiner neuen Heimat schwärmte. Franz Beckenbauer etwa, der beim Kongress am Donnerstag in die Fifa-Regierung, das Exekutivkomitee, anstelle seines "wehmütig" scheidenden Landsmanns Gerhard Mayer-Vorfelder aufrücken wird, ließ sich den freien Blick durch noch so edle Blatter-Worte nicht nehmen. "Mir", sagte er, "hat die alte Bleibe am nahen Sonnenberg besser gefallen. Mir fehlt der Blick auf den Zürichsee." Beckenbauer wird gewiss zur Ikone des neu zusammengesetzten Exekutivkomitees, und Blatter muss bei allfälligen Erinnerungsfotos schon aufpassen, dass auch er neben dem "Kaiser" noch ein Blickfang ist. Der Fifa-Präsident will den Präsidenten des FC Bayern München nicht nur wunschgemäß zu seinem Fußball-"Botschafter" für die armen und ärmsten Länder der Welt machen, er wird ihm auch die Leitung der Fußball-Kommission übertragen. "Und was soll ich da machen?", hat Beckenbauer ganz naiv und völlig richtig gefragt. Schließlich hat diese Kommission den Lauf des Balles noch nie nachhaltig beeinflusst.

Der Münchner aus Tirol wird im Exekutivkomitee auch auf einen leeren Stuhl schauen. Der Platz des von den britischen Verbänden (England, Schottland, Nordirland, Wales) zu bestimmenden Vizepräsidenten bleibt fürs Erste frei. Der Schotte David Will hat ihn nach 17 Jahren geräumt; John McBeth, bisher schottischer Verbandspräsident, wird ihn vermutlich nie besetzen, denn den sportpolitisch noch nicht weiter aufgefallenen Mann ritt Ende letzter Woche der Teufel. Blatter sei ein "trickreicher Kunde", sagte McBeth vor heimischen Journalisten. Da seien aber noch ganz andere Funktionäre in der Fifa. "Ich kenne zwei oder drei, wenn ich denen die Hand gebe, muss ich anschließend meine Finger zählen." Schließlich leistete er sich auch noch einen rhetorischen Ausfall gegen die "armen Nationen" - und bezog sich dabei auf die Afrikaner und Staaten aus der Karibik: "Die greifen sich, was sie kriegen können."

Kostspielige Schlappe für Blatters Imperium

Das war zu viel für Jack Warner, den skandalumwitterten Fifa-Vizepräsidenten und Präsidenten der nord- und mittelamerikanischen Konföderation Concacaf. Der karibische Geschäftsmann Warner - dem selbst ein Abgreiferimage anhaftet - schickte namens seines Dachverbandes einen Protestbrief an die Fifa, in dem er McBeth einen "Rassisten" nannte. Voilà, die neue Ethikkommission der Fifa hat ihren ersten Fall und prüft die Worte des daheim gebliebenen Provokateurs aus Schottland, für den die Briten demnächst wohl nach Ersatz suchen müssen.

Für denkbar halten nicht wenige im neuen Fifa-Home, dass ihr strenger Chef, der Generalsekretär Urs Linsi, dort bald nicht mehr das Sagen hat. Linsi und sein Big Boss Blatter, raunen die Auguren, hätten sich überworfen. Dem schweizerischen Banker, der vom Geld viel, vom Fußball aber nicht allzu viel versteht, könnte, so wird gemunkelt, ausgerechnet ein Millionenvertrag zum Verhängnis werden. Dass ein vom langjährigen Fifa-Partner Mastercard angerufenes New Yorker Gericht den frisch geschlossenen Sponsoringvertrag zwischen der Fifa und dem Kreditkartenunternehmen Visa für nichtig erklärte (der Fall ist juristisch noch nicht ausgestanden), war eine kostspielige Schlappe für Blatters Imperium. Linsi vor allem soll den Fifa-Kontrakt mit Visa ausgehandelt haben - inzwischen ein Handicap für den Mann, der 2002 den renitenten Blatter-Widersacher Michel Zen-Ruffinen an der Spitze der Fifa-Administration ablöste und die Wiederwahl des Präsidenten beim Seouler Kongreß als Herr der Zahlen eindrucksvoll absicherte.

Blatter erklomm am 29. Mai vor fünf Jahren mit einem ungefährdeten Wahlsieg zum zweiten Mal Platz eins in der Fifa-Hierarchie. Am 29. Mai dieses Jahres präsentierte sich der Fifa-Präsident als feierlauniger Hausherr in seiner Heimatstadt Zürich. Über seinem neuen Domizil aber hing ein Grauschleier - ein weiterer Fingerzeig des am Dienstag für alles und jedes in Anspruch genommenen lieben Gottes?

Quelle: F.A.Z., 30.05.2007, Nr. 123 / Seite 31
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