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FFC-Frankfurt-Kommentar Grau statt Gold

 ·  Der 1. FFC Frankfurt steht nach dem verlorenen Finale der Champions League für Misserfolg, schlechtes Auftreten und verblassenden Ruhm. Der Frauenfußballklub müsste sich neu justieren. Zunächst aber bleibt er sich selbst treu.

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© dpa Olympique obenauf, Frankfurt verliert ein weiteres Finale

Das Vorhaben war eindeutig und von Angreiferin Dzsenifer Marozsan stellvertretend und rechtzeitig angekündigt worden: Im Finale der Champions League sollte „das wahre Gesicht“ des 1. FFC Frankfurt zu sehen sein - nach der so gut wie beendeteten und durchweg enttäuschenden Saison in der Bundesliga und der Niederlage im Endspiel des DFB-Pokals gegen den Außenseiter Bayern München vor nicht einmal einer Woche.

Es war kein schöner Anblick, der sich im Münchner Finale gegen Olympique Lyon bot: Die Frankfurterinnen, ehemals das Nonplusultra in Deutschland und Europa, sind in der wichtigsten Phase dieser Spielzeit in einem beklagenswerten Zustand.

Zwei verlorene Finalspiele, in der Bundesliga hinter drei andere Teams zurückgefallen, dazu die Posse um Fatmire Bajramaj, die beim Pokalfinale in Köln eine Verletzung verschwieg, trotzdem spielte, öffentlich angemahnt wurde und in München ausfiel - der FFC steht aktuell für Misserfolg, schlechtes Auftreten, verblassenden Ruhm.

Die Saison ist missraten, die Bilanz seit dem Double aus Meisterschaft und Pokal 2007 sowie dem Triple mit zusätzlichem Gewinn des Europapokals 2008 erschreckend: Ein Titelgewinn in vier Spielzeiten, im DFB-Pokal im vergangenen Jahr, das gleicht einer sportlichen Kapitulation - so gesund der Verein wirtschaftlich auch sein mag.

Er müsste sich eigentlich neu justieren, aber zunächst einmal bleibt er sich selbst treu: Kein anderer deutscher Klub im Frauenfußball versammelt eine so große Zahl an international renommierten Spielerinnen.

Nach den zuletzt vollzogenen Transfers der Potsdamerinnen Babett Peter und Bianca Schmidt sowie der Duisburgerin Simone Laudehr stehen allein zehn Mitglieder der DFB-Auswahl im Frankfurter Kader - eine Art 1. FFC Deutschland also, verstärkt mit jeder Menge Nationalspielerinnen anderer Länder.

Eine solche Mannschaft, entschlossen zusammengestellt von Manager und Vermarkter Siggi Dietrich, ist Luxus und Bürde zugleich. Derzeit wirkt es so, als würden Anspruch und Erwartungen die Spielerinnen erdrücken, zumal die Konkurrenz national wie international aufgeholt hat - und teilweise sogar vorbeigezogen ist. Der FFC hat eine goldene Vergangenheit, aber die Gegenwart ist grau.

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Jahrgang 1964, Sportredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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