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Dienstag, 14. Februar 2012
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Feier auf dem Römerberg Deutschland ist Weltmeisterin

01.10.2007 ·  Die Menschen am Frankfurter Römer schreien und klatschen, als Birgit Prinz, Nadine Angerer und die anderen Spielerinnen um kurz nach halb acht den Römer-Balkon betreten. Bässe wummern, Fußballschlager dröhnen über den Platz.

Von Michael Wittershagen
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Sie hat geweint, sich die Hände vor das Gesicht gehalten und geflucht, als der Schlusspfiff ertönte. „Das kann doch nicht sein“, hat sie geschrien. Immer wieder. Beinahe zwei Stunden hatte sie mit Marta und den anderen brasilianischen Spielerinnen gebangt, gebetet und gehofft. Doch am Ende flossen die Tränen.

Einen Tag später ist davon nichts mehr zu sehen. Neide Neumann steht auf dem Römerberg im Epizentrum des Jubels. Die siebenundvierzigjährige Brasilianerin mit dem goldenen Amulett um den Hals tanzt und hält eine Fahne mit den deutschen Farben in den Wind. Die Menschen um sie herum schreien und klatschen, als Birgit Prinz, Nadine Angerer und die anderen um kurz nach halb acht den Römer-Balkon betreten. „Sie waren einfach besser“, sagt Neide Neumann und lächelt.

„Siehst Du, Jogi, so wird das gemacht“

Bässe wummern, von der Bühne dröhnen Fußballschlager über den Platz. „Deutschland ist Weltmeisterin“, ruft einer ins Mikrofon, die Menge schreit berauscht vom Glück. Zehntausend sind gekommen, von allen Seiten sind sie auf den Römer gedrängt, um die Mannschaft zu sehen. Seit Stunden stehen sie hier, trommeln, klatschen, rasseln und recken Plakate mit Sätzen wie „Birgit Prinz wird Kaiserin“ in den Himmel und skandieren: „Siehst Du, Jogi, so wird das gemacht.“

Nia Künzer steht auf dem Balkon und drückt die anderen. In diesem Moment gehört sie wieder dazu, vergessen die Momente, in denen sie traurig vor dem Fernseher hockte, weil die vielen Kreuzbandrisse ihre Karriere beendeten, bevor die so richtig hatte beginnen können. Es ist kurz nach fünf, als Nia Künzer zum ersten Mal aus dem Römer kommt. Sie hat nicht einmal einen Schal um den Hals gebunden. Nicht einmal das. Brauner Pullover, braune Hose, Stöckelschuhe, so steht sie zwischen Männer mit Dreitagebart, die nach Alkohol und Schweiß riechen. Sie brüllen: „Nia, mein Schatz!“ Kleine Mädchen mit blauen Augen bitten um Autogramme und recken ihr Trikots entgegen, dem „Goldköpfchen“, wie sie genannt wird, seit sie im WM-Finale 2003 den entscheidenden Treffer erzielte.

Zufriedene Fanartikel-Verkäufer

„We are the Champions“, schallt es über den Römerberg. Seit mehr als drei Stunden steht Johannes hier. Er ist heiser, seine schwarze Hose ist löchrig, die Turnschuhe schmutzig, er hat sich eine Deutschlandfahne um die Hüfte gewickelt. „Schals, Mützen, Fahnen – alles für fünf Euro“, ruft er den Menschen entgegen. Doch die meisten bemerken ihn gar nicht, den Mann mit der Zahnlücke. Dreißig sei er, eigentlich Diplom-Pädagoge, aber seit vielen Jahren arbeitslos, sagt er. Sein Geschäft ist die Leidenschaft der Menschen, deshalb steht er jedes Wochenende vor den Fußballstadien und ruft die immergleichen Sätze.

Auf dem Balkon, fünfzehn Meter über den Köpfen der Fans, lassen sich die Weltmeisterinnen lange feiern. Sie geben Interviews, sprechen über die Spiele in China und das Glück des Sieges. Und auch Johannes, der Fanartikel-Verkäufer, ist zufrieden. „Der Titel bringt mir ein paar hundert Euro. Die kann ich gut gebrauchen.“

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