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FC Schalke 04 Zwischen Wahnsinn und Wahrheit

 ·  Der Schalker Manager Heldt lässt als Verteidiger von Trainer Keller nicht nach und empfängt positive Signale. Zur Spekulation, ob der zukünftige Trainer Heynckes heißen könnte, halten sich die Beteiligten bedeckt.

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© dpa Vergrößern Es war einmal: Trainer Jupp Heynckes hinterließ von 2003 bis 2004 bei Schalke 04 kaum Spuren

Horst Heldt wirkt zuweilen genervt, wenn der FC Schalke wieder einmal das Objekt wilder Spekulationen ist. Und das ist oft der Fall, gerade wenn es auf dem Fußballplatz für den Ruhrgebietsverein so schlecht läuft wie zuletzt. Doch der Sportdirektor, seit zweieinhalb Jahren „auf“ Schalke beschäftigt, kennt das Innenleben und die Außenwirkung des Klubs gut genug, um zu wissen, dass die Trainerfrage weiter Unruhe erzeugt, ohne dass sich dagegen etwas ausrichten lässt. „Das ist der ganz normale Wahnsinn. Damit müssen wir leben“, sagte Heldt vor dem Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League an diesem Mittwoch in Istanbul gegen Galatasaray (20.45 Uhr, live im ZDF und im Liveticker bei FAZ.NET). „Die Vorbereitung stört es nicht.“

Was der Manager als „ganz normalen Wahnsinn“ bezeichnet, bezieht sich diesmal auf den angeblichen Plan, Jupp Heynckes nach Gelsenkirchen zurückzuholen, den Trainersenior der Bundesliga, der zum Ende der aktuellen Spielzeit beim FC Bayern aufhört, aber nicht ausschließt, danach nochmals einen Verein zu übernehmen. Ob Wahnsinn oder Wahrheit oder irgendwas dazwischen - die „Bild“-Zeitung will aus dem Innern des Klubs davon gehört haben und verkündet das Vorhaben mit diesmal besonders großen Buchstaben. Heynckes hatte schon von Juli 2003 bis September 2004 „auf“ Schalke gearbeitet, ohne dort große Spuren hinterlassen zu haben.

Vor dem Auftritt der Münchner gegen den FC Arsenal mit dem Gerücht konfrontiert, hielt er sich bedeckt. „Ich kann nicht verhindern, dass in dem einen oder anderen Klub, bei dem es um die Trainerposition geht, mein Name genannt wird. Ich nehme das zur Kenntnis.“

Heynckes wäre zuzutrauen, dass es ihn reizt, mit bald 68 Jahren an einem der schwierigsten Standorte der Bundesliga zu bestätigen, was er nach der Rückkehr aus dem Ruhestand schon in Leverkusen und München gezeigt hat: dass er zu einem zeitlosen Protagonisten des Profigeschäfts geworden ist, den die Spieler immer noch - oder wieder - verstehen.

Keller-Bilanz: Fünf Punkte aus fünf Spielen

Den Schalkern mag die jüngste Spekulation vielleicht gar nicht so ungelegen kommen. Zumindest vorübergehend lenkt sie von der immer noch akuten Misere ab. Heldt hatte geglaubt und glauben machen wollen, er habe in Jens Keller (als Nachfolger von Huub Stevens) den geeigneten Cheftrainer für die nächsten Monate gefunden, wenn nicht für länger. Doch die Eröffnungsbilanz des vormaligen U-17-Übungsleiters bei den Profis fällt, gelinde gesagt, bescheiden aus. Fünf Punkte aus fünf Bundesligapartien, dazu das Scheitern im Achtelfinale des nationalen Pokalwettbewerbs daheim gegen Mainz 05, das ist nicht viel für eine Mannschaft, deren Auftrag darin besteht, sich abermals für die Champions League zu qualifizieren.

Jedes Mal, wenn Keller gefragt wird, was ihm Anlass zur Zuversicht gebe, lautet seine Antwort: „Die Mannschaft zieht im Training voll mit.“ Wenn sie das unter Wettkampfbedingungen auch täte, fiele es Heldt leichter, seinen Günstling gegen ein Heer von Kritikern zu verteidigen.

So sehr der Manager ihn auch zu schützen versucht - bei Keller kommen zwei Umstände zusammen, die in der Summe nichts Gutes verheißen. Bei öffentlichen Auftritten wirkt er technokratisch; er versprüht wenig Esprit. Zum anderen ist es ihm im Verbund mit seinem Personal nicht gelungen, Phantasie zu wecken oder gar Fakten zu schaffen, die auf eine Trendwende hindeuten. Bezeichnend ist ein Ausspruch von Timo Hildebrand. Als der Torhüter vor kurzem gefragt wurde, wie es um die Aufbruchstimmung in der Mannschaft bestellt sei, entgegnete er knapp: „Welche Aufbruchstimmung? Lassen wir das Thema.“

Gesetze der Logik gelten nur begrenzt

Offensichtlich geht es nur noch darum, die Saison, möglichst mit Keller, akzeptabel zu Ende zu bringen. Also stärkt Heldt dem Trainer den Rücken, so gut es geht. Und es geht nicht besonders gut angesichts der Leistungen. „Es ist nicht wichtig für mich, ob er oft genug in die Kamera lächelt, sondern wie er als Trainer arbeitet, wie er bei der Mannschaft ankommt, da empfange ich nach wie vor positive Signale“, sagt Heldt. Solange die Mannschaft diese angeblichen Signale nicht am Spieltag zu unterstützen vermag, sondern es Woche für Woche versäumt, den Worten Taten folgen zu lassen, wirken Heldts Verteidigungsreden nicht sehr überzeugend. Vermutlich hat er das längst bemerkt und denkt bereits um.

Ob Heynckes ein Kandidat ist oder nicht - die Suche nach einem neuen Trainer dürfte im Gange sein. Wer Schalke kennt, kann sich nur schwer vorstellen, dass der Klub mit Keller als Cheftrainer in die nächste Saison geht. „Wir wollen uns im Sommer eventuell neu ausrichten“, sagt Heldt. Insofern folgt seine Lösung, die Zeit bis dahin mit einem Mann aus den eigenen Reihen zu überbrücken, einer gewissen Logik. Aber es gehört zu den charmanten Seiten des Fußballs, dass die Gesetze der Logik nur begrenzt Anwendung finden. Gerade auf Schalke.

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