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FC Pasching Mauern, was das Zeug hält

Als erster Drittligaklub gewann der FC Pasching den österreichischen Pokal - nun könnte sogar der Sprung in die Europa League glücken.

© dpa Verrückte Sache: Die Spieler des FC Pasching nach dem Coup im Pokalfinale

Mittlerweile hat Daniel Sobkova realisiert, was da gerade passiert bei seinem Arbeitgeber, dem FC Pasching. Wirklich glauben aber kann er es noch nicht. „Mit so etwas rechnest du in deinem Leben nicht, wenn du in Österreichs dritter Liga spielst.“ Die Konstellation ist in der Tat verrückt: Der Verein aus der österreichischen Fußball-Regionalliga Mitte - hinter Bundesliga und erster Liga die dritthöchste Spielklasse - ist an diesem Donnerstag gefordert. Nicht wie üblich gegen die Amateure des Kapfenberger SV oder Union Vöcklamarkt. Sondern in den Play-offs der Europa League. An der Atlantikküste wartet GD Estoril Praia, der Fünfte der abgelaufenen Saison in Portugals Primeira Liga. Und der Ort, südwestlich von Linz gelegen, mit seinen 6500 Einwohnern dreht durch. Eine weitere Überraschung wäre dann aber doch zu viel des Guten, oder etwa nicht?

Die Paschinger schafften in der vergangenen Spielzeit etwas bislang nie Dagewesenes: Als erster Drittligaklub gewannen sie den österreichischen Pokal. Noch dazu in beeindruckender Manier: Nacheinander besiegten sie die top drei der Bundesliga, Rapid Wien, Red Bull Salzburg und Austria Wien, und zwar immer auswärts - eine konzentrierte Mauer in der Defensive war die Basis für den überraschenden Durchmarsch. Das entscheidende 1:0 im Finalspiel gegen Meister Austria köpfte Mittelfeldspieler Sobkova, und das Dorf aus Oberösterreich qualifizierte sich automatisch für die Europa-League-Play-offs.

„Viel professioneller geht es kaum“

Der Medienrummel war und ist groß nach dem Überraschungserfolg, zudem gab es Abwerbeversuche en masse, auch der 28 Jahre alte Torschütze hatte einige Angebote auf dem Tisch. Von einem Wechsel aber wollte er nichts wissen, „erster Ansprechpartner war immer Pasching. Weil wir hier etwas Unglaubliches erreichen können.“ Wie Sobkova ließen sich die meisten Spieler von den Schmeicheleien anderer nicht beeindrucken, auch der Trainer nicht. Als Gerald Baumgartner den FC Pasching in der Winterpause 2011/12 übernahm, war der Verein führungslos und sportlich nicht mehr konkurrenzfähig, der Abstieg in die Landesliga kaum abzuwenden. Doch der Klassenverbleib gelang - auch aufgrund der Tatsache, dass Pasching seither ein „Kooperationsverein“ von Red Bull Salzburg ist.

Der Brausehersteller fungiert auch bei den Oberösterreichern als Hauptsponsor. Vor allem personell bringt diese Konstellation Vorteile mit sich: Wie Baumgartner, der zuvor die Jugend von Salzburg trainierte, wechseln seit anderthalb Jahren regelmäßig Spieler vom Bundesligaverein nach Pasching oder werden ausgeliehen. Der neue Trainer baute nach dem Klassenverbleib in der vergangenen Saison eine Mannschaft auf, die in der Regionalliga Zweiter wurde - und nebenbei den Pokal gewann. Als Coach ist Baumgartner der Kopf dieses Projekts, seiner „Herzensangelegenheit“. Auch wegen der neu geschaffenen Bedingungen in Pasching war sein Verbleib reine Formsache.

Fragt man seinen Spieler Sobkova, wie man sich den Fußball in der österreichischen Provinz vorzustellen habe, gerät er ins Schwärmen: „Viel professioneller geht es kaum“, sagt er. Feiner Rasen, moderne Trainingsbedingungen vom Kraftraum bis zum Wellnessbereich. Fünf- bis sechsmal trainieren die Vollprofis wöchentlich. Das lockt auch erfahrene Spieler an. Einer von ihnen ist Torhüter Hans Peter Berger, 31 Jahre alter Routinier mit Bundesliga- und Uefa-Pokal-Erfahrung. „Die Bedingungen sind hier wie in Salzburg“, sagt er; dort spielte er zuvor. Noch dazu „haben wir ein tolles Stadion, ein kleines, feines Schmuckkästchen“. Damit meint er das heimische Waldstadion - Europapokal-Atmosphäre wird hier allerdings nicht aufkommen, aufgrund der Uefa-Richtlinien muss das Rückspiel am 29. August in Linz ausgetragen werden.

Das Dorf spekuliert auf Konter und Standards

Obwohl Berger am liebsten gegen Tschernomorez Odessa und somit seinen Bruder Markus gespielt hätte, freut er sich auf die Partie in seiner „zweiten Heimat“. Zwei Jahre lang spielte er in Portugal erstklassig, viele seiner Freunde von damals haben sich bereits bei ihm gemeldet, Tickets sind hinterlegt. Durch seine Auslandserfahrung hat er zudem das nötige Know-how. Trainer Baumgartner studierte Videomaterial, Ko-Trainer Martin Hiden flog zum Liga-Auftaktspiel gegen Nacional Funchal (auch die Iberer waren schon im Linzer Stadion), und Berger hilft mit seinem Erfahrungsschatz. Keine schlechten Voraussetzungen, um noch mal für eine Überraschung zu sorgen. „Auf alle Fälle haben wir Chancen“, sagt Berger.

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Erwartungsvoll blickt Österreich auf die No-Names aus Pasching, die ganz nebenbei in dieser Saison den Aufstieg in die zweithöchste Liga schaffen sollen. „Natürlich sind die Quali-Spiele in den Köpfen. Dennoch muss ich den Fokus meiner Spieler auf die Meisterschaft lenken“, sagt Baumgartner. Die spannendere Mission aber findet auf internationalem Parkett statt. Dabei wissen die Österreicher: „Wir sind gegen jeden Gegner der klare Underdog“, so der Trainer. Allerdings ist auch der Gegner kein großer Name, kämpfte sich in der dritten Qualifikationsrunde knapp gegen Hapoel Ramat Gan aus Israel weiter. Torwart Berger hat sich mit Estoril befasst: „Sie haben viele Brasilianer in ihren Reihen, junge Techniker, quirlige Spieler.“ Dagegen helfe vor allem eine stabile Defensive. Ganz klar: Das Dorf spekuliert auf seltene Torchancen durch Konter und Standards. Und noch ein Rezept könnte fruchten: „Wir müssen gegen sie sehr hart spielen, sie provozieren. Das hat kein Brasilianer gerne“, sagt Berger. Und „wenn wir zwei hervorragende Tage erwischen“, so Sobkova, „ist alles weitere ein Traum“.

Quelle: F.A.Z.

 
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