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FC Málaga Schlingerfahrt zwischen Grab und Grube

Manuel Pellegrini ist der Trainer, der Scheich, der Bürgermeister. Er hat den FC Málaga, an diesem Mittwoch Gegner von Borussia Dortmund, trotz aller Widrigkeiten zum Erfolg geführt.

© AFP Vergrößern Manuel Pellegrini: Der Erfolgstrainer könnte auch Bürgermeister von Malaga werden

Stellen wir uns Folgendes vor: Der FC Málaga bezwingt im Champions-League-Viertelfinale Borussia Dortmund und setzt sich auch gegen den nächsten Gegner im Halbfinale durch. Das ist sicher schwierig, aber nicht ausgeschlossen, schließlich haben die Südspanier Teams wie den AC Mailand und den FC Porto geschlagen, und dass sie Fußball spielen können, hat sich herumgesprochen.

Kurz vor dem Endspiel also, nämlich am 14. Mai, muss der Internationale Sportgerichtshof (Cas) darüber befinden, ob die Überraschungsmannschaft des Jahres in der kommenden Saison wegen Nichtbegleichens von Verbindlichkeiten in mehreren Fällen für alle europäischen Wettbewerbe gesperrt bleibt oder ob Málagas Berufungsantrag stattgegeben wird. Die Entscheidung des Sportgerichtshofs würde dem Klub nach spanischen Medienberichten wohl erst Mitte Juni zugehen, dann also, wenn das Finale längst entschieden wäre. Klingt nach einer europäischen Fußball-Peinlichkeit: wenn der Champions-League-Sieger 2013 in der Saison darauf nicht mehr mitspielen dürfte.

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Doch so weit denken sie in Málaga noch nicht. Vorläufig wissen sie nur, dass ihr Stadion, La Rosaleda, gegen Borussia Dortmund an diesem Mittwoch (20.45 im Liveticker bei FAZ.NET) rappelvoll wird. Es ist erst das dritte Mal in dieser Saison, dass knapp dreißigtausend Zuschauer kommen. „Ich bin froh, so eine Atmosphäre gegen eine große Mannschaft wie Borussia Dortmund erleben zu dürfen“, sagte Málagas Stürmer Joaquín und wünschte sich für das Hinspiel im Scherz ein 6:0, um beruhigt zum Rückspiel nach Dortmund fahren zu können.

So sind sie: selbstbewusst und doch locker. Denn was dieser Verein in der letzten Zeit erlebt hat, war eine Schlingerfahrt zwischen Grab und Grube.

Pellegrini übernahm auf einem Abstiegsplatz

Dass der Laden überhaupt noch läuft, ist wesentlich das Verdienst des Trainers Manuel Pellegrini, der das Team im Oktober 2010 übernahm. Seinerzeit stand Málaga nach dem elften Spieltag auf einem Abstiegsplatz. Unter dem Kommando des Chilenen, der in jeder Situation ein Gentleman bleibt, wurden sie in der Primera División Elfter. Die vergangene Saison schlossen sie dann mit dem vierten Platz ab.

Da stehen sie jetzt auch, nur dass außerdem noch das Champions-League-Märchen hinzukommt. Kaum jemand hatte dieser Mannschaft zugetraut, Gruppenerster zu werden - außer ihr selbst. Manuel Pellegrini, von dem es heißt, dass er auch Málagas Bürgermeister werden könnte, wenn er nur wollte, hat dem Team denselben Geist eingehaucht wie zwischen 2004 und 2009 dem FC Villarreal: Angriff mit modernem Kombinationsfußball, hohe Beweglichkeit, viel Ballbesitz. Es gab einige, die dem Coach selbst die Schuld dafür gaben, dass er sich in der Saison 2009/10 bei Real Madrid nicht durchsetzen konnte. Wahrscheinlicher aber ist, dass die Real-Klubführung unfähig war, mit diesem Trainerjuwel etwas anzufangen.

RAYO VALLECANO VS MALAGA © dpa Vergrößern Pellegrini lässt Talente sprießen: Pedro Morales (am Boden) gab zuletzt zwei Torvorlagen und besorgte einen Treffer selbst

Bleibt die Sache mit den Finanzen. Als die Gelder von Scheich Abdullah Bin Nasser Al-Thani aus Qatar, der den FC Málaga im Mai 2010 gekauft hatte, Ende letzten Jahres plötzlich ausblieben, stürzte der Verein in eine tiefe Krise. Spielergehälter wurden nicht mehr gezahlt, der aus Málaga stammende Sportdirektor und ehemalige Real-Star Fernando Hierro trat zurück. Pellegrini jedoch ging nicht, sondern hielt den Kader zusammen und vertrat die Interessen seiner Leute vor der desolaten Klubführung. Um überhaupt liquide zu werden, musste Málaga wertvolle Spieler wie Santi Cazorla, José Salomón Rondón und Joris Mathijsen verkaufen. Das Team behielt dennoch seine spielerische Qualität. „Der Scheich“, titelte die Zeitung „El País“ zu Anfang des Jahres, „ist jetzt Pellegrini“.

Am Wochenende gewann der FC Málaga bei Rayo Vallecano 3:1. Ein unbekannter chilenischer Spieler namens Pedro Morales gab zwei Torvorlagen und besorgte einen Treffer selbst. (In der Champions League ist er nicht spielberechtigt.) Niemand wundert sich darüber, dass in Málaga Talente wie der Kreativkünstler Isco sprießen, der von „Tuttosport“ zum besten europäischen Spieler unter 21 Jahren gewählt wurde, oder ältere Akteure wie Saviola, Joaquín und Baptista ihren ramponierten Ruf aufpolieren. Spielen und spielen lassen, ist Pellegrinis Rezept. „Der Scheich dürfte mit der Mannschaft zufrieden sein“, sagte der Trainer vor der Begegnung mit dem deutschen Meister. „Aber ich weiß nicht, ob er auf der Tribüne sitzt.“

Quelle: F.A.Z.

 
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