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Veröffentlicht: 09.01.2013, 08:23 Uhr

FC Bayern München Ein bisschen Schmuddelwetter, bitte

Was macht eigentlich ein Sportvorstand des FC Bayern? Matthias Sammer füllt seine Rolle im Trainingslager in Doha mit Leben.

von Michael Gruber, Doha
© dpa Bayerischer Dirigent: Matthias Sammer gibt sich gerne gestenreich

Am Ende der Medienrunde vergisst Matthias Sammer seine Schirmmütze, die er zu Beginn sorgfältig hinter seinen Sessel gelegt hatte. Als es ihm einfällt, eilt er schnell zurück, der Mann bewegt sich in Doha keinen Meter ohne Sonnenschutz. „Faktor 50 plus“ trägt er auf seiner Haut zusätzlich auf, verrät er, dann tritt er hinaus ins gleißende Sonnenlicht. Der FC Bayern München hat in Doha wahrhaft paradiesische Zustände für Profifußballer vorgefunden, nicht umsonst bezieht der Verein nun schon zum dritten Mal im Wüstenemirat Quartier. Mit wem man auch spricht, jeder lobt die Bedingungen - es passt ins Bild, dass ausgerechnet Sammer, der Sportvorstand des souveränen Tabellenführers der Bundesliga, in dieser Wohlfühloase Probleme hat. Der Mann gefällt sich auch in Doha in der Rolle, die er seit seinem Dienstantritt im Sommer bei den Münchnern bestens beherrscht: als Mahner.

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“Es ist nur ein guter Anfang, nichts weiter - das ist die Botschaft des Trainingslagers. Wir haben einen ganz kleinen Anfangsschritt gemacht in Bezug auf den 19. Januar. Und nichts mehr“, sagte der Fünfundvierzigjährige. Am 19. Januar kommt die Spielvereinigung Greuther Fürth zum Rückrundenstart nach München. Der Spielplan könnte kaum einen kleineren Gegner als Appetithappen für die zweite Halbserie bescheren, und dennoch will Sammer, dass bereits hier im Paradies Doha an den Alltag gedacht wird. Motto: Nur wer gegen die Kleinen nichts schleifen lässt, kann Großes erreichen. Am Dienstagabend wurde der FC Schalke 04 in einem Testspiel recht eindrucksvoll mit 5:0 bezwungen.

Wenn Sammer spricht, untermalt er seine Worte gerne mit den großen Gesten eines Dirigenten. Er wirkt dann so, als würde um ihn herum alles andere versinken; die Blumen auf dem Tisch, das üppige orientalische Dekor im Saal. Dieser Saal heißt „Elite“. Zufall oder nicht, elitäre Ansprüche sind das A und O, wenn Sammer spricht. Und wenn er spricht, fixiert er seinen Gesprächspartner gerne, als gäbe es in diesem Moment nur diese beiden Menschen auf der Welt. Und die Botschaft, die der Sportvorstand des FC Bayern rüberbringen will. Sammer sagt oft unhandliche Sätze wie: „Die Ziele sind perspektivisch definiert.“ Manchmal braucht man Übersetzungen, und auch deshalb fragt sich manch einer noch immer, was genau der Mann bei den Bayern eigentlich so macht. Zur Veranschaulichung führte er in Doha das katalanische Stadtderby an. „Schauen Sie, wie der FC Barcelona gegen Espanyol die ersten dreißig Minuten gespielt hat - dann brauchen wir nie wieder über den Willen zu Leistung reden.“ Barcelona führte nach dreißig Minuten 4:0. „Das Optimum muss Normalität werden“, sagt Sammer. Der FC Barcelona wird zum Vorbild des FC Bayern München.

Es fehlt nicht viel

Man sei bei den Bayern „da noch in einer Entwicklung“, sagt Sammer. In solchen Momenten hebt er gern die Hand, um anzudeuten, wie viel noch fehlt zur internationalen Spitze. Die Aussage ist eindeutig: Es fehlt nicht viel. Sammer wird dennoch nicht müde und betont, „dass da noch ein Schritt nötig ist. Wir haben bisher nur eine Basis gelegt.“ Nicht mehr? Schließlich hatte Trainer Jupp Heynckes doch zu Beginn des Trainingslagers erklärt, der FC Bayern spiele so zeitgemäß und schön und modern wie noch nie in seiner Historie. Sammer zuckt die Achseln, er findet die Aussage des Chefcoaches in Ordnung: „Aber er hat nicht gesagt, wir können uns zurücklehnen.“

Zurücklehnen scheint mit einem Sammer im Nacken kaum möglich. Vor einem Jahr stand er noch in Diensten des Deutschen Fußball-Bundes, und die Bayern fühlten sich in ihrer Oase im Mittleren Osten so wohl, dass sie am Ende ohne Titel dastanden. In diesem Jahr zitierte Heynckes seine Profis an zwei Tagen sogar zu drei Einheiten, frühmorgens schon drehten Bastian Schweinsteiger und Co. Laufrunden. Er habe in den Weihnachtsfeiertagen überdacht, was man noch optimieren könnte, erklärte der Coa ch die Maßnahme, verriet aber zugleich, er sei eigentlich kein Freund solcher Einheiten. An einem Tag sendete der Haussender des Klubs „fcb.tv“ ein Interview mit Schweinsteiger, im Hintergrund sahen die Zuschauer Sammer, wie er auf einem Trampolin stakkatoartig Sprints absolvierte. Möglich, dass so ein Mann dazu veranlasst, auch mal gegen die eigene Überzeugung einen Morgenlauf einzuführen.

„Schmuddelwetter tut uns auch mal gut“

Im Verein würde natürlich jeder widersprechen, würde man behaupten, Sammer nehme Einfluss auf die Trainingsgestaltung. Aber nicht jeder Einfluss muss unmittelbar erfolgen. Auf die Frage, ob die Verantwortlichen eigentlich erwägen, länger in Qatar zu bleiben, da zu Hause in München bekanntlich Schmuddelwetter warte, schmunzelt Sammer und sagt: „Nein, das ist kein Thema - ich denke, ein bisschen Schmuddelwetter tut uns jetzt auch mal gut.“

Quelle: F.A.Z.

 

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