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FC Bayern Basel ist Heynckes’ einziger Feind

 ·  Die Bayern schmettern eine Trainerdiskussion ab. Doch der allseits beliebte Übungsleiter könnte an einem Scheitern in der Champions League gegen Basel (20.45 Uhr) Schaden nehmen.

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© dapd Nicht immer souverän: Jupp Heynckes

Am Samstag gab es eine Antwort von Uli Hoeneß auf alle Trainerspekulationen: „Es werden sich viele noch wundern, wie lang Jupp Heynckes hier arbeiten wird.“ Endlich also eine langfristige Lösung - mit einem bald 67-Jährigen? Der moderne Fußball, in dem es um permanentes Feintuning geht, ums Feilen an den Details der Abstände und Abläufe der Mannschaftsteile, verlangt nach zäher Entwicklungsarbeit - und damit nach einem Trainer, der weiß, dass er dafür ein paar Jahre Zeit und Ruhe bekommt. Diese Ruhe aber fehlt dem FC Bayern seit dem Abschied von Ottmar Hitzfeld 2008. Die durchschnittliche Trainerverweilzeit betrug seitdem neun Monate. Es ist genau die Zeit, die Heynckes nun im Job ist.

Daraus abzuleiten, dass seine Zeit abläuft, wäre natürlich Unfug. Doch gab es zuletzt erste Fragen, die auch die Leistung des Trainers betrafen: Warum schwankt das Team so sehr zwischen Heim- und Auswärtsspielen? Wieso entwickelt sich bis auf Toni Kroos in der ersten Saisonphase kein Spieler weiter? Wo sind taktische Varianten, um dicht gestaffelte Gegner auszuhebeln?

Die Reaktionen des Vereins auf diesen ersten Hauch einer Trainerdiskussion verrieten Nervosität, besonders die auf einen Bericht der „Bild“-Zeitung. Deren Spekulationen über einen möglichen Abschied von Heynckes im Sommer waren so sehr mit Fragezeichen statt Fakten durchsetzt, dass ein Großklub mit stabilem Nervenkostüm die Sache mit einem Kopfschütteln kommentiert hätte.

Die aufgeregte Klage gegen den „Gerüchte-Journalismus“, die per Pressemitteilung verbreitet wurde, verriet aber, dass die Nerven vor dem tückischen Champions-League-Heimspiel gegen Basel an diesem Dienstag (20.45 Uhr/ im FAZ.NET-Liveticker) angespannt sind. Man kann derzeit keine Trainerdiskussion brauchen.

Die interessantere Trainerfrage ist ohnehin die, warum der FC Bayern bei der Trainersuche so oft eher rück- als vorausblickend agiert. Warum er als nächsten Trainer immer einen sucht, der vor allem den Hauptfehler des letzten nicht hat. Dafür hat er dann immer einen anderen, den dann wieder der nächste nicht haben soll.

Nicht immer souverän

Mit Klinsmann sollte nach den ruhigen Hitzfeld-Jahren neuer Schwung kommen, doch Motivation allein war zu wenig, es fehlte die fachliche Tiefe. Sie kam mit Louis van Gaal, dafür ging mit ihm der Betriebsfrieden, den Heynckes zurückbrachte. Dafür fehlt nun wieder etwas anderes - so etwas wie die Kraft zur Überraschung, zur dynamischen Entwicklung eines Teams, dessen Spiel zuletzt oft berechenbar wirkte.

Bei letzten Rechtfertigungen für seine Arbeit wirkte Heynckes auch nicht immer souverän, etwa, als er am Donnerstag die Rotation des FC Barcelona als Gegenbild nannte zu den aufgeregten deutschen Kommentaren, wenn ein Robben oder Kroos mal nicht spielt: „Bei Barcelona saß zuletzt ein Lionel Messi auf der Tribüne. Gesund!“ Allerdings war Messi beim Spiel gegen Getafe nicht nur gesund, sondern auch gesperrt.

Anders als Klinsmann und van Gaal aber hat Heynckes keine Feinde im Klub und auch nicht in den Medien. Er hat sogar einen sehr mächtigen Freund, den Präsidenten Hoeneß. Der einzige mögliche Feind sind die falschen Resultate. Und keines könnte je so feindlich sein wie das falsche Resultat an diesem Dienstag gegen Basel. Ein Aus im Achtelfinale, zwei Monate vor dem Finale im eigenen Stadion, es wäre ein sportlicher Totalschaden - der größtmögliche Anschlag auf das „Mia san mia“-Weltbild des einzigen deutschen Weltklubs. Und für jeden Bayern-Trainer, auch für den größten Freund des Hauses, der Anfang vom Ende.

Hat Heynckes die Nerven?

Heynckes, dessen Team das 0:1 vom Aschermittwoch wettmachen muss, warnte nach dem flotten 7:1-Sieg gegen Hoffenheim, „dass Basel es uns nicht so leicht machen wird“. Die Schweizer sind seit 17 Spielen ohne Niederlage und schon seit August in allen 14 Auswärtsspielen ungeschlagen, auch in Manchester. Dennoch könnte Heynckes keine mildernden Umstände für ein Scheitern erwarten. Von den finanziellen Möglichkeiten her ist für den FC Bayern, den Vierten der europäischen Umsatz-Rangliste (hinter Real Madrid, Barcelona und Manchester United), ein Platz im Halbfinale vorgesehen. Allerdings war zuletzt meist schon das Achtelfinale eine Zitterpartie - vor zwei Jahren, als das Team gegen den Außenseiter Florenz ein Abseitstor von Klose brauchte; vor einem Jahr, als es gegen ein formloses Inter Mailand, später von Schalke vorgeführt, bei zwei Toren Vorsprung weiche Knie bekam und ausschied.

Hat Heynckes, der seit dem Abstiegskampf in Mönchengladbach 2007 nie mehr unter ähnlichem Druck stand, noch die Nerven für ein Alles-oder-Nichts-Spiel? Er hat zwar fast fünf Jahrzehnte Erfahrung im Profifußball, doch ist es erst seine zweite Saison in der Champions League. Die erste, bei Real Madrid, endete 1998 mit dem Titelgewinn - und mit seiner Entlassung. Zumindest davor wäre er diesmal sicher.

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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