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FC Barcelona Pep geht, Guardiola bleibt

 ·  So hart der angekündigte Abschied seines Erfolgstrainers den FC Barcelona trifft - sein Nachfolger und bisheriger Assistent Vilanova gilt als „Guardiola-Klon“, einer, der die Barça-Philosophie fortsetzt.

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© dapd Zwei Männer, eine Meinung: Guardiola und Vilanova (im Foto rechts)

Lionel Messi, der beste Fußballspieler der Welt, war nicht erschienen. Während seine prominenten Kollegen vom FC Barcelona - Xavi, Carles Puyol, Victor Valdés, Andres Iniesta, Cesc Fabregas und Gerard Piqué - dabei waren, als Trainer Pep Guardiola bekanntgab, dass er den katalanischen Weltklub zum Saisonende mit unbekanntem Ziel verlassen werde, war Messi zu Hause geblieben. Ausgerechnet Messi.

Warum? Das konnte keiner bei Barça sagen. Alle rätselten, gilt das argentinische Fußball-Genie doch als einer der engsten Freunde und Bewunderer des 41 Jahre alten Trainers. Beide verbindet vieles, beide haben einander viel zu verdanken. Messis Presseleute versuchten, seine Abwesenheit umgehend via Facebook zu klären. Messi, so schrieben sie, habe zum Abschied des Trainers nicht in der Öffentlichkeit auftreten wollen, weil die Medien dies nur dazu benutzt hätten, um seine Traurigkeit ins Bild zu setzen. Im Training, als der Abschied intern schon bekannt gewesen war, hatten sich Guardiola und Messi umarmt. Und der Argentinier hatte Tränen in den Augen.

Es kommt kein Bruch

Das Phänomen Guardiola, der mit dem FC Barcelona in den vergangenen vier Jahren 13 Titel gewann, darunter zweimal die Champions League, ist ohne Messi nicht zu erklären. Und auch Messi wäre ohne Guardiola nicht das, was er ist. Kein anderer Trainer in seinem Leben hat den dreimaligen „Weltfußballer“ so motiviert und verwöhnt. Es war also keine leichte Woche für Messi. Am vergangenen Samstag beim 1:2 daheim im „Clásico“ gegen Real Madrid kam er nicht ins Spiel und verspielte mit Barça die spanische Meisterschaft. Am Dienstag in der Champions League gegen den FC Chelsea verschoss er gar einen Elfmeter, ein Missgeschick, das die Katalanen den sicher geglaubten Einzug ins Finale kostete. Und zwei Tage später dann noch die Nachricht, dass Guardiola geht. Sein Mentor. Sein Trainer.

Doch Messi hätte bei Guardiolas Abschiedspressekonferenz nicht nur Grund zur Traurigkeit gehabt. Denn der Nachfolger, den Barça umgehend vorstellte, war ganz im Sinne des argentinischen Superstars. Als neuer Coach wurde Francesc „Tito“ Vilanova vorgestellt. Und da wussten Messi und der Rest des Teams, dass kein Bruch ins Spiel kommen, dass weiterhin im Geist Guardiolas und der Barça-Philosophie gearbeitet werden würde.

Vilanova war zuletzt Guardiolas Assistent gewesen. Er hatte Messi als Trainer schon in mehreren Jugendteams zwischen 2001 und 2003 betreut und große Erfolge mit ihm, Fabregas und Piqué gefeiert, jener 1987er-Generation, die alles gewann und wahren Zauberfußball spielte. Und Vilanova war es auch, der als Guardiolas Assistent Messis Rolle neu definierte. Es war sein Verdienst, dass der Argentinier trotz der von Guardiola initiierten Verpflichtung des schwedischen Stoßstürmers Ibrahimovic 2009 nach Wochen des Zweifels zur Achse des offensiven Spiels wurde - und nicht mehr Rechtsaußen spielte. Messi gewann damals dank Vilanova den Machtkampf mit dem hünenhaften Schweden, der 2010 den Verein verließ und heute beim AC Mailand seine Tore schießt.

Anruf im Krankenlager

Dennoch: Dass Vilanova neuer Trainer werden würde, wäre vor einigen Monaten noch als höchst unwahrscheinlich betrachtet worden. Der 42-Jährige musste sich Ende 2011 wegen einer lebensbedrohlichen Krankheit operieren lassen und fehlte lange. Ohne den Assistenten und Freund an seiner Seite tat sich Guardiola schwer. So schwer, dass er während eines Spiels gegen Villarreal Vilanova auf dem Krankenlager anrief, um mit ihm ein paar taktische Veränderungen zu besprechen.

Guardiola und Vilanova haben sich vor fast dreißig Jahren in „La Masía“, dem Ausbildungszentrum des FC Barcelona, zum ersten Mal getroffen, beide sind in der Barça-Familie sportlich und menschlich sozialisiert worden. Aber beide entwickelten sich unterschiedlich.

Während es Guardiola schaffte, ein guter Spieler auf der Position vier zu werden, die am besten Barças DNA beschreibt, und auch für die spanische Nationalmannschaft spielte, schaffte Vilanova nie den großen Sprung: Figueres, Celta, Badajoz, Mallorca, Lleida, Elche und Gramanet - das waren seine Teams. Auch wenn aus Vilanova kein Star wurde, galt er schon früh als Meister, wenn es um Taktik und Strategie geht. Und mehr noch: Er gilt als untadeliger und anständiger Mensch. Als „Bewahrer von Barças Essenz“, wie „El País“ schreibt.

Keine gute Nachricht für Mourinho

Guardiolas Abschied ist übrigens keine gute Nachricht für José Mourinho, den Trainer von Barcelonas Erzrivalen Real Madrid. Mourinho, der charismatische Coach, der oft zwischen Genie und Wahnsinn pendelt, hatte Vilanova im August vergangenen Jahres während des Supercup-Spiels gegen Barcelona den Finger ins Auge gedrückt. Und nach dem Spiel hatte sich der Portugiese noch lustig über „Tito“ Vilanova gemacht: „Pitu, Pitu“, sagte er, „oder wie heißt der Typ?“ Spätestens zu Beginn der neuen Saison wird sich Mourinho den Namen merken müssen. Sein neuer Gegenspieler heißt Francesc „Tito“ Vilanova. Und wenig spricht dafür, dass er es mit ihm leichter haben wird als mit Pep Guardiola.

Viele in Barcelona sind ohnehin der Meinung, dass der neue Coach schon als Guardiolas Assistent großen Anteil am Erfolg des Teams hatte. „Dass Tito der neue Trainer sein wird, ist die beste Nachricht, die man uns geben konnte“, sagte Kapitän Puyol: „Es bedeutet die Kontinuität unseres Projekts. Niemand kennt das Team so gut wie er. Und er kennt die Philosophie der Mannschaft perfekt. Er hat fünf Jahre lang mit Pep zusammengearbeitet.

Er ist die ideale Person, um dieses Projekt fortzusetzen. Es wird mehr oder weniger das gleiche bleiben.“ Das glauben auch die spanischen Kommentatoren. „Vilanova als Trainer bedeutet, dass Guardiola nicht ganz geht“, schrieb am Samstag „Mundo Deportivo“; die Entscheidung für den bisherigen Assistenten sei ein „genialer Coup“. Und auch „Sport“ sieht Vilanova als eine Art Guardiola-Klon: „Es sind zwei verschiedene Menschen, aber an sich sind sie einer. Pep geht, aber ,Guardiola’ bleibt.“

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