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FC Barcelona : Cruyff, Vater des schönen Spiels

  • -Aktualisiert am

Cruyffista Guardiola

Josep Guardiola hat als aktueller Trainer Cruyffs Vermächtnis fortgesetzt. Beide sind eng miteinander befreundet, tauschen sich regelmäßig aus. Es kommt vor, dass Cruyff in seiner Zeitungskolumne Barças Spiel analysiert und am nächsten Tag Guardiola auf einer Pressekonferenz fast wortwörtlich Cruyffs Sätze wiederholt. Guardiola sei eben ein "Cruyffista" sagen Kritiker, eine Marionette des alten Chefs. Cruyff selbst weist das zurück und stattdessen lieber darauf hin, dass Barcelona unter Guardiola die nächste Stufe der Fußball-Evolution erreicht habe.

"Für mich", sagt Cruyff, den Zeigefinger erhebend und lauter werdend, "ist das Spiel nach Ballverlust das Wundervolle an Barcelonas Stil. Für den Gegner ist es unmöglich, den Ball länger als zehn Sekunden zu behalten. Denn bei Ballverlust schalten wirklich alle bei Barça sofort um. Sie jagen den Gegner, bis sie den Ball ganz schnell wiederhaben."

Dissens mit dem Vorstand

Hinter Cruyff hängt in einem Rahmen sein ehemaliges Ajax-Amsterdam-Trikot. Bei Ajax engagierte sich Cruyff im Aufsichtsrat, ehe er am Donnerstag zusammen mit seinen vier Kollegen zurücktrat. Doch es ist kein Abschied vom holländischen Rekordmeister. Cruyff bleibt dem Verein in beratender Funktion treu und will bei der Gestaltung der Zukunft helfen. Vielleicht ist er auch deshalb so verstärkt bei Amsterdam im Einsatz, weil er beim FC Barcelona offiziell nichts mehr zu sagen hat.

Seit Jahren legt er sich mit der Klubführung an und geht kaum noch zu Heimspielen. Er kritisiert besonders die Entscheidung, das erstmals in der Vereinsgeschichte, Trikot-Werbung gegen Geld gemacht wird. 30 Millionen Euro pro Jahr zahlt die Qatar Foundation. Dafür ist seit Saisonbeginn das kostenlose Werben für Unicef vorbei. Das regt Cruyff auf: "Es war einzigartig in der Sport-Welt: Wir geben unser Trikot nicht her! Eine tolle Botschaft an alle, dass man für Geld nicht alles kaufen kann. Geld ist wichtig. Aber es gibt Wichtigeres."

Johan Cruyff: Der große Spielmacher der 70er brachte den niederländischen Kombinationsfußball nach Barcelona

Er setzt sich wieder und spricht ganz leise weiter: "Die Größe des FC Barcelona ist es, anders zu sein. Wenn sie jetzt im Vorstand nur über Geld reden, dann sollen sie Messi verkaufen. Der würde viel Geld einbringen. Das aber wäre das Dümmste, was der Klub tun könnte."

Bei Cruyff müsste Messi Englisch lernen

Lionel Messi, der Weltfußballer. Irgendwie erfunden von Cruyff. In Barcelona wurde Messi jedenfalls seit seinem 13. Lebensjahr ausschließlich nach Cruyffs Kriterien ausgebildet. Denn als der Holländer 1988 Chefcoach bei Barça wurde, reformierte er gleichzeitig die Nachwuchsabteilung: keine Dauerläufe mehr, kein Krafttraining, nur Technik. Gesucht wurden seitdem vor allem Talente, die etwas am Ball können, egal ob sie viel oder wenig liefen, ob die groß oder klein waren. Klein wie Messi, den andere Vereine übersehen hatten. "Messi", sagt Cruyff andächtig, "ist technisch perfekt. Weil er immer kleine Schritte macht, hat er immer einen Vorteil. Wenn andere einen Schritt tun, hat er den Ball schon zweimal berührt. Das macht ihn unberechenbar. Er ist mit dem Körper immer zwischen Ball und Gegner. Es ist unmöglich, ihn fair zu stoppen."

Aber Cruyff wäre nicht Cruyff, wenn er nicht auch an Messi etwas auszusetzen hätte. "Messi kann ja alles", sagt er, nur eben kein Englisch: "Der Klub hätte bei der Erziehung Wert darauf legen müssen, dass Messi Englisch lernt. Mit Englisch und Spanisch beherrschst du die Welt. So ist es sehr unglücklich, dass Messi mit der halben Welt nicht sprechen kann."

Du musst so spielen, dass dich das Publikum bewundert

Johan Cruyffs persönlicher Pressesprecher betritt den Raum. Die Zeit ist um. Nebenan will ein Fernsehsender den Niederländer zur spanischen Nationalmannschaft befragen, die ja den Stil des FC Barcelona kopiert und so Welt- und Europameister wurde. "Spanien und Barcelona sind eigentlich nur zu besiegen, wenn man genauso oder sogar noch besser spielt."

„Du musst so spielen, dass dich das Publikum bewundert“ - bei Cruyff müsste Messi aber auch noch Englisch lernen

Der Pressesprecher drängt zum Aufbruch, aber eine Sache ist Cruyff noch wichtig: "Es geht nicht darum, um jeden Preis zu siegen. Nur wenige gewinnen. Du musst so spielen, dass dich das Publikum bewundert. Dann kannst du auch verlieren." Beim Herausgehen fällt der Blick auf die Titelseite einer katalanischen Sportzeitung. Zu sehen ist Cruyffs Gesicht und darüber die Überschrift: "Der Vater des schönen Spiels".

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