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Veröffentlicht: 15.12.2012, 11:30 Uhr

FC Augsburg „Das ist nur eins von 18 Endspielen“

In Augsburg behalten sie auch in prekären Lagen die Ruhe. Vor der Partie in Fürth (15.30 Uhr) gibt vor allem der Blick zurück immer noch Hoffnung auf eine Wende. Ernst ist die Lage trotzdem.

von , Augsburg
© dapd Frustrierend: Kevin Vogt, Knowledge Musona und Jan-Ingwer Callsen-Bracker (v.l.) gelang mit Augsburg in dieser Saison erst ein Sieg

Den deutlichsten Unterschied zwischen den beiden schwächsten Teams der Bundesliga kann man nicht sehen, aber hören. Im Stadion von Augsburg erklingt nach jedem Tor des Heimteams, also zuletzt nicht sehr oft, das Lied des Lokführers Lukas: „Eine Insel mit zwei Bergen“. Vor dem Rathaus von Fürth ertönt, unabhängig vom Erfolg der Fußballer, täglich um 12.04 Uhr als Glockenspiel die Melodie von „Stairway to Heaven“. Hier die Puppenkiste, dort Led Zeppelin, hier Marionetten, dort Hard Rock. Und bei beiden die Hoffnung, wenigstens einmal, wenigstens an diesem Samstag beim Kellerduell der beiden jüngsten Bundesliga-Debütanten (15.30 Uhr / Live im FAZ.NET-Ticker), die Puppen tanzen zu lassen.

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“Es ist kein Endspiel“, behauptet der Augsburger Manager Jürgen Rollmann. „Es ist eins von 18 Endspielen.“ Augsburg und Fürth stagnieren im Gleichschritt: jeweils nur ein Sieg, acht Punkte, minus 17 Tore. Dank der jüngsten Hoffenheimer Auflösungserscheinungen hätte zwar nach Rollmanns Rechnung selbst der Verlierer der Partie „noch einen greifbaren Rückstand“ auf den Relegationsplatz. Nur ein Sieg aber gäbe wohl das kraftvolle Signal, „sich noch einmal zu sammeln und hoffnungsvoll in die Rückrunde zu gehen“.

Ungewohnte Unaufgeregtheit

Nach 107 Jahren des Wartens auf Erstklassigkeit haben die Augsburger eine ungewohnte Unaufgeregtheit in die Bundesliga eingeführt. Sie palavern nicht von „Alles oder nichts“. Sondern besinnen sich unabhängig vom Ausgang der Partie auf das, was Zuversicht verspricht. Zum Beispiel die Ruhe, die man auch in den letzten, spielerisch ordentlichen, aber sieglosen Wochen bewahrt hat, auch in der Trainerfrage. Denn Markus Weinzierl, der jüngste Trainer der Liga, holt aus der Mannschaft heraus, was mit guter Arbeit herauszuholen ist - und womöglich doch nicht reichen wird. Für ihn und für den Klub.

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Zu den Mutmachern gehört der Blick auf die vergangene Saison, als das Kunststück gelang, 24 Rückrunden-Punkte zu holen und ein zweitklassiges Team erstklassig zu halten. Und nicht zuletzt zählt Rollmann dazu auch die „Dankbarkeit, dass das Publikum unsere Lage so realistisch sieht“. Die Fans unterstützen die Mannschaft vorbildlich. Bei der Mitgliederversammlung am Dienstag gab es Beifall für die solide Politik des Vereins, der im letzten Geschäftsjahr einen Gewinn von einer Million Euro erzielte. Von der Linie des Klub-Chefs Walther Seinsch, lieber liquide abzusteigen und gleich wieder angreifen zu können, als für den Klassenverbleib finanzielle Folgelasten zu riskieren, sind die Augsburger auch im zweiten Bundesliga-Jahr nicht abgewichen.

Negativwerte über Negativwerte

Allerdings hatten sie Pech mit ihren Sommereinkäufen - gerade da, wo sie es nötig hätten, in der Offensive. Der frühere Mainzer Torjäger Aristide Bancé war kein Treffer, und die Wolfsburger Leihgabe Giovanni Sio disqualifizierte sich durch mangelnde Einstellung. Dazu fiel der einzige Techniker von besserem Bundesliga-Niveau, der Koreaner Ja-Cheol Koo, lange aus. Deshalb leidet der FCA unter dem frustrierenden Mix von guter Spielanlage und schwacher Schlagkraft. Das eine bringt Komplimente, das andere keine Punkte. Laut Statistik des Fachmagazins „Kicker“ nutzt das Team nur 15,9 Prozent seiner Chancen. Es hat noch kein Tor durch einen Abwehrspieler erzielt und erst zwei nach Standardsituationen - alles Negativwerte der Liga.

FC Augsburg - FC Bayern München © dpa Vergrößern Augsburger Grübeln: Trainer Weinzierl muss um seinen Job bangen

Deshalb soll in der Winterpause „der Kader optimiert werden“, so Rollmann, auf ein bis drei Positionen, und das, „ohne Abenteuer einzugehen“. Es ist nicht auszuschließen, dass eine der Positionen auch den Trainer betrifft. Denn ganz kann man auch im ruhigen Augsburg die Regeln einer ruhelosen Branche nicht ignorieren. Bei einer Niederlage in Fürth schlüge Weinzierl wohl nicht der „Stairway to Heaven“. Sondern vielleicht das letzte Stündlein in der Fußball-Puppenkiste.

Quelle: F.A.Z.

 

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