04.03.2009 · Arsenal steckt in der Krise. Dabei gilt das Konzept von Trainer Wenger als Muster für feinen Fußball mit selbstgeformten Talenten. Doch der Königsweg führt nun in die Sackgasse. Immerhin eine Abneigung hat Wenger aber überwunden.
Von Christian EichlerIm Januar klingelte es bei Arsène Wenger. Am Ende der Leitung war Hoffenheim. Dort suchte man Ersatz für den verletzten Torjäger Ibisevic. Doch Wenger musste den Kollegen Rangnick enttäuschen. Er gab Nicklas Bendtner nicht ab, obwohl der Däne beim FC Arsenal hinter Adebayor und van Persie meist nur dritte Wahl war. Nun darf sich Wenger bestätigt fühlen. Mit zwei Treffern beim 3:1-Sieg bei West Bromwich beendete Bendtner am Dienstag die Torflaute des englischen Top-Klubs. „Er hat gezeigt“, lobte Wenger, „dass er das Talent hat, ein Arsenal-Spieler zu sein.“
Das Talent der meisten Arsenal-Spieler hatte zuletzt eher darin bestanden, keine Tore zu schießen. Nach vier 0:0 in Folge war nach dem längst abgeschriebenen Meistertitel selbst Platz vier in der Premier League beinahe außer Sichtweite geraten (siehe auch: Die großen europäischen Fußballligen im Überblick). Zum ersten Mal seit seiner ersten Arsenal-Saison 1996/97 droht Wenger die Champions-League-Teilnahme zu verpassen.
„Das perfekte Tor ist, wenn der Ball im Netz zappelt“
Dabei gilt das Modell des Elsässers europaweit als Muster für feinen Kombinationsfußball mit selbstgeformten Talenten. Doch langwierige Verletzungen von Schlüsselspielern wie Fabregas, Rosicky, Walcott, Eduardo, dazu der Weggang der Mittelfeldantreiber Flamini und Hleb haben Arsenal in dieser Saison so sehr geschwächt, dass die verwöhnten Fans im Emirates-Stadion zuletzt ihr eigenes Team auspfiffen.
Kritiker werfen Wenger vor, nur einen Königsweg zum Sieg zu kennen, der schnell zur Sackgasse werden kann: den durch kombinatorische Dominanz. Das sieht, wenn es gelingt, großartig aus. Wenn nicht, dann wirkt es, als sei das Team zu sehr in die Schönheit des eigenen Spiels verliebt. „Ich glaube nicht, dass wir versuchen, das perfekte Tor zu erzielen“, verteidigte sich Wenger, „denn das perfekte Tor ist, wenn der Ball im Netz zappelt.“ Die Tat zum Wort lieferte der sperrige Bendtner, der manchmal unbeholfen wirkt, vor dem Tor dafür umso entschlossener.
Mit Arschawin kaufte Wenger einen „fertigen“ Spieler
Arsenal ist in dieser Saison keine Gefahr für Manchester United, und so erlaubte sich Alex Ferguson eine kleine Kollegenschelte. Der Trainer von Manchester United, dessen Team sich besonders durch Abwehrstärke von der Konkurrenz abgesetzt hat, spottete, Wenger kaufe halt „nicht gern Verteidiger“. Auch im Januar, als der Transfermarkt die Gelegenheit zum Nachbessern bot, kaufte Wenger keinen Verteidiger, sondern Andrej Arschawin, die spielerische Entdeckung der EM 2008. Der Russe verpasste gegen West Bromwich bei zwei guten Gelegenheiten seinen ersten Treffer in England, half aber deutlich, Arsenal den Zug zum Tor zurückzugeben. Er bereitete das zwischenzeitliche 2:1 von Kolo Touré per Flanke vor.
Mit der Verpflichtung Arschawins hat Wenger immerhin seine Abneigung überwunden, „fertige“ Spieler zu kaufen. Er blieb aber seinem Ruf treu, eher sparsam zu wirtschaften. Mit angeblich 16,5 Millionen Euro kostete der kleine Regisseur nach langem Poker deutlich weniger, als man ihn nach der EM taxiert hatte. Er sprengt auch nicht das Gehaltsgefüge, in dem Kapitän William Gallas mit 80.000 Pfund pro Woche der höchstbezahlte Arsenal-Profi bleibt.
Arsene Wenger: „Viele Klubs verschleiern ihre Lohnkosten“
Die Stammspieler von ManUnited und Chelsea verdienen fast allesamt deutlich mehr. Dass Arsenal trotzdem, offiziellen Zahlen zufolge, die zweithöchsten Lohnkosten der Premier League haben soll, erklärt Wenger damit, „dass viele Klubs ihre Lohnkosten verschleiern“. In England geht das zum Beispiel dadurch, dass ein Viertel des Profisalärs nicht als Lohn, sondern als Entschädigung für persönliche Bildrechte deklariert werden kann.
Wengers relative Sparsamkeit wird besonders im Vergleich mit dem ewig ehrgeizigen und ewig erfolglosen Nord-Londoner Lokalrivalen Tottenham deutlich. Seit er 1996 nach England kam, hat er für insgesamt rund 240 Millionen Pfund Spieler gekauft und dafür drei Meistertitel und ein Abo für die Champions League eingespielt. Tottenham gab fast 400 Millionen Pfund aus, erreichte kein einziges Mal die Champions League und kämpft derzeit gegen den Abstieg. „Ich bin einer der wenigen Trainer in England, die in jedem Jahr Geld für ihren Klub verdienen“, sagt Wenger. Den Fans aber reicht das derzeit nicht. Sie finden, dass sie Tore verdienen.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 20 | 31 | 43 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 20 | 33 | 41 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 20 | 21 | 41 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 20 | 19 | 40 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Werder Bremen | 20 | -1 | 32 | ![]() |
| 6. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 20 | 1 | 31 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 20 | -2 | 30 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 21 | -11 | 27 | ![]() |
| 9. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 20 | -2 | 24 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Köln | 20 | -11 | 24 | ![]() |
| 11. | ![]() |
VfB Stuttgart | 20 | -2 | 23 | ![]() |
| 12. | ![]() |
Hamburger SV | 20 | -9 | 23 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 20 | -6 | 22 | ![]() |
| 14. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 20 | -12 | 21 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hertha BSC | 20 | -6 | 20 | ![]() |
| 16. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 20 | -9 | 18 | ![]() |
| 17. | ![]() |
FC Augsburg | 20 | -14 | 17 | ![]() |
| 18. | ![]() |
SC Freiburg | 21 | -20 | 17 | ![]() |