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FAZ.NET-Spezial Nur noch Krümel im BVB-Schlaraffenland

22.02.2005 ·  Borussia Dortmund hat, geblendet durch teuer erkaufte nationale wie internationale Meisterschaften und Pokale, zu viel riskiert und ist dabei in einen Abgrund gestürzt. FAZ.NET-Spezial.

Von Roland Zorn
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Aus dem eingebildeten Krösus ist tatsächlich ein Hungerleider der Fußball-Bundesliga geworden. Das bekommen nun auch die letzten Dortmunder Millionäre im früheren Schlaraffenland-Biotop Borussia am Westfalenstadion zu spüren. Vorbei die Zeiten, da der Präsident und Geschäftsführer Gerd Niebaum seine rhetorischen Sparappelle mit sportlichen Wachstumsprognosen zu verquicken pflegte; dahin die Illusion, die Krise des BVB werde schon irgendwie an den Spielern in Gelb und Schwarz vorüberziehen.

Spätestens seit dem nur noch schwarzen Donnerstag haben auch die letzten angestellten Borussen gespürt, daß die Zeit des bedenkenlosen Nehmens bei diesem einst ruhmreichen Verein, nun aber so gut wie konkursreifen Unternehmen Borussia Dortmund Vergangenheit ist.

Gefragt ist ein intelligent konzipiertes Sparmodell

Der BVB wird sich glücklich schätzen, wenn er überhaupt eine Bundesliga-Lizenz für die kommende Spielzeit bekommt; er wird es verschmerzen können, daß er dann mit einer neuen Mannschaft dasteht. Eine Reihe von Stars, noch verpflichtet, als die Dortmunder im Rausch des New-Economy-Booms aufs für sie zu glatte Börsenparkett drängten, passen nicht mehr in die Zeit der neuen Ökonomie.

Gefragt ist nun ein zukunftsträchtiges, intelligent konzipiertes Sparmodell, das trotzdem auf Massenappeal setzt und die Fanscharen des BVB zahlreich wie bisher ins Westfalenstadion lockt. Verwöhnte Spieler der alten Dortmunder Schule wie der sensible Rosicky sind im engen Rahmen eines künftigen 24-Millionen-Euro-Etats nicht mehr zu finanzieren; glänzend honorierte Haudegen wie die deutschen Nationalspieler Wörns, Kehl und Metzelder müßten sich, was unwahrscheinlich ist, mit einer drastischen Reduzierung ihrer Gehälter bescheiden, wollten sie ihren Teil zum Wiederaufbau des Markenartikels Borussia Dortmund leisten. Zur Genesungstherapie eines neu aufgestellten Unternehmens mit Perspektive gehört ein Profikader, dessen Personal nicht zuerst an den eigenen Verdienst denkt, wenn von der Herzenssache BVB die Rede ist.

Eine Lizenz wäre der größte Erfolg überhaupt

Die Borussia wäre nicht der erste Klub, der mit neuer Kreativität und neuer Lust auf Fußball wieder auf die Beine käme. Das aus barer Geldnot gewachsene Jugendmodell beim VfB Stuttgart ist ein Paradebeispiel für die frischen und erfrischenden Möglichkeiten, die der Fußball auch seinen Sorgenkindern immer wieder bietet. Wie wirtschaftliche Solidität eine Konstante auf dem Weg zum verläßlichen Erfolg ist, demonstriert Werder Bremen. An der Weser haben sie über Jahrzehnte oft genug den Spagat zwischen pekuniärer Selbstbescheidung und höchstem sportlichen Anspruch hinbekommen.

Borussia Dortmund aber hat, geblendet durch teuer erkaufte nationale wie internationale Meisterschaften und Pokale, zu viel riskiert und ist dabei in einen Abgrund gestürzt. Den Reiz der neuen Wirklichkeit zu erkennen und zu nutzen wird die Aufgabe für die nächste Zukunft sein. Doch dafür braucht der BVB erst einmal eine Lizenz. Bekommt er sie tatsächlich, hätten die Dortmunder schon vor Beginn der nächsten Spielzeit ihren größten Erfolg überhaupt gefeiert.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung
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