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Veröffentlicht: 05.03.2010, 10:33 Uhr

FAZ.NET-Regelecke Darf „Xynthia“ ein Tor schießen?

Kurioses Tor beim Kreisligaspiel zwischen Winsheim und Grunbach im Enzkreis. Der Abschlag eines Abwehrspielers landet im eigenen Tor. Eigentlich muss Sturmtief „Xynthia“ als Torschütze geführt werden. Ist das Tor aber überhaupt regelkonform?

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© Natascha Vlahovic Die FAZ.NET-Regelecke

Das Spitzenspiel der Kreisliga Pforzheim stand unter keinem guten Stern: Sturmtief „Xynthia“ schaute am vergangenen Wochenende im Spiel des Tabellenführers TSV Grunbach bei seinem ärgsten Verfolger TSV Wimsheim vorbei und blies in der zweiten Halbzeit so kräftig über die Sportanlage im badischen Enzkreis, dass ein vernünftiges Spiel kaum mehr möglich war. Grunbach hatte bei der Seitenwahl auch noch das Pech, Gegenwind in der stürmischen zweiten Halbzeit zugelost zu bekommen. Der Tabellenführer stand beim Halbzeitstand von 0:0 mit dem Rücken zur Wand respektive dem Wind im Gesicht auf verlorenem Posten.

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Die Winsheimer Tabellenführerjäger witterten ihre Chance entsprechend tief in der gegnerischen Hälfte stehend. Dass aber dann ausgerechnet ein derart kurioses Tor den Kampf um die Kreisligameisterschaft wieder spannend machen würde, ahnte wohl keiner der sturmerprobten Akteure: Nachdem der Grunbacher Abwehrspieler Oliver Wiedemann den Ball mit seinem starken linken Fuß abgeschlagen hatte, griff Sturmtief „Xynthia” ins Spielgeschehen ein und beförderte das Leder wie einen Bumerang ins Tor des Tabellenführers.

Xynthia trifft regelwidrig

Schiedsrichter Klaus Gall erkannte auf Tor, die Heimmannschaft TSV Wimsheim ging 1:0 in Führung (Endstand 2:1). „Xynthias“ Tor hätte freilich die Anerkennung verwehrt bleiben müssen. Zwar geduldete sich das Sturmtief bis nach Verlassen des Strafraums mit seinem spielentscheidenden Engagement zugunsten der Wimsheimer. Nur durch das Überschreiten der Strafraumgrenze nämlich war der Ball überhaupt im Spiel. Aber in den Regeln steht zudem geschrieben: „Aus einem Abstoß kann direkt ein Tor erzielt werden, allerdings nur zu Gunsten des ausführenden Teams.“ Aber eben nicht zu Ungunsten der Grunbacher.

Entsprechend hätte es nur Eckball für die Wimsheimer und nicht Anstoß für Grunbach geben dürfen, wie auch der Bundesligaschiedsrichter Lutz Wagner FAZ.NET auf Nachfrage bestätigte. „Ein Abstoß darf wie auch ein Freistoß ohne Berührung eines zweiten Spielers außerhalb des Strafraums nicht zum Nachteil für die ausführende Mannschaft werden“, sagt Wagner. „Das gilt übrigens auch für den Fall, dass ein am Strafraum stehender Schiedsrichter angeschossen wird und den Ball ins eigene Tor abfälscht. Auch dann gäbe es nur Eckball, da der Schiedsrichter wie Luft zu behandeln ist.“

Ein juristisches Nachspiel vor dem Sportgericht des Fußball-Kreisverbands Pforzheim scheint unausweichlich: Denn nur dank „Xynthia“ hat Wimsheim den Rückstand in der Tabelle der Kreisliga Pforzheim auf nur noch vier Punkte reduziert. Dort muss sich Grunbachs Torwart Alex Sollner dann auch noch neuesten Verdächtigungen erwehren. Video-Exegeten wollen beim neuerlichen Anblick des Films erkannt haben, dass Sollner den Ball vor Überschreiten der Linie mit dem Knie berührt habe. Dann wäre nicht mehr Xynthia die Torschützin, sondern Sollner der Eigentorschütze. Doch in einem Interview mit der Pforzheimer Zeitung bestritt Sollner zunächst einmal die scheinbare Erkenntnis aus dem Videobeweis. „Ich habe den Ball definitiv nicht vor der Torlinie berührt“, sagte er.

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