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Sonntag, 12. Februar 2012
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FAZ.NET-Euro-Spezial: Polen Mit der Revanche soll auch die Premiere glücken

27.05.2008 ·  Erstmals nimmt Polen an einer Euro-Endrunde teil. Dabei steht der eigentliche Trumpf des Teams gar nicht auf dem Platz. Und mit ihrem ersten Gruppengegner haben die Polen noch eine große Rechnung von 2006 offen. Teil 5 der FAZ.NET-Euro-Vorschau.

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Das erste Euro-Spiel der polnischen Fußball-Geschichte wird ein ganz außergewöhnliches. Im 13. Anlauf haben die Polen erstmals den Sprung zu einer Euro-Endrunde geschafft und sich somit rechtzeitig vor dem 2012 gemeinsam mit der Ukraine auszurichtenden Turnier endlich sportlich qualifiziert.

Erster Gegner am 8. Juni in Klagenfurt ist gleich der Nachbar aus Deutschland - und mit dem haben die Polen eine Rechnung offen. Die Erinnerung ist noch frisch an den 14. Juni 2006, als sie bei der WM in der Nachspielzeit des zweiten Vorrundenspiels das entscheidende 0:1 durch Oliver Neuville hinnehmen mussten.

„Auf dem Papier mag Deutschland der Favorit sein“

Für die DFB-Elf war es Initialzündung für das „Sommermärchen“, die Weiß-Roten hatten schon vor dem letzten Gruppenspiel keine Chance mehr auf das Achtelfinale und mussten wie beim 0:1 im WM-Halbfinale 1974 bei der Wasserschlacht von Frankfurt am Main eine bittere Turnier-Niederlage gegen Deutschland hinnehmen.

In 15 Länderspielen gab es noch keinen Sieg für die Polen im Nachbarschaftsduell, seit 1978 blieben sie ohne Punkt. Doch Weltenbummler Leo Beenhakker lässt sich davon nicht abschrecken. „Auf dem Papier mag Deutschland der Favorit sein“, meint der Niederländer. „Aber wir spielen ja Gott sei Dank nicht auf Papier, sondern auf Gras.“

„Wir haben unserem Trainer viel zu verdanken“

Nach dem Sieg in der starken Qualifikationsgruppe mit dem WM-Vierten Portugal, Serbien und Finnland ist das Selbstvertrauen der Polen gewachsen. „Das wird eine große Herausforderung für uns, aber wir lieben Herausforderungen“, sagt Beenhakker, der als erster ausländischer Trainer des Verbandes rechtzeitig vor der Ausrichtung der Euro 2012 die Begeisterung entfachte und bereits den Vertrag für die Qualifikation zur WM 2010 im Blick hat.

Polens Kapitän Maciej Zurawski prophezeit seiner Mannschaft eine goldene Zukunft: „Wir haben eine entwicklungsfähige Mannschaft, die weiß, wie sie Spiele für sich entscheiden kann. Wir haben unserem Trainer viel zu verdanken, aber auch die Spieler konnten ihren Beitrag leisten.“

„Dieses Turnier wird ein Meilenstein für uns sein“

Aber auch der deutsche Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff sieht in Beenhakker als entscheidenden Faktor für die erfolgreiche Qualifikation: „Er ist eine große Persönlichkeit und hat große Erfahrung. Das ist bei einem Turnier für die Einstellung der Mannschaft ganz wichtig.“

Die Vergabe der Euro-Ausrichtung sorgte schließlich für einen weiteren Schub, selbst Rückschläge wie das bittere 0:3 in einem Test im März gegen die Vereinigten Staaten wirkten nicht lange nach. „Dieses Turnier wird ein Meilenstein für uns sein. Wir sind bereit“, verspricht der polnische Verbandspräsident Michal Listkiewicz: „Wir hatten in den vergangenen Jahren nicht die Möglichkeit, unseren Fußball so voranzubringen, wie es in anderen Ländern geschehen ist. Jetzt haben wir die Chance dazu.“

Beim Aus würden wohl Klose und Podolski unterstützt

Zum vorläufigen polnischen Team gehören aus dem deutschen Fußball-Oberhaus Jacek Kryznowek (Wolfsburg) und Jakub Blaszczykowski (Dortmund). Lukasz Piszczek (Berlin) und Artur Wichniarek (Bielefeld) hingegen stehen nur noch auf Abruf bereit. Nicht zu vergessen ist auch der beste Torjäger Ebi Smolarek, der einige Zeit auch in Dortmund stürmte.

Im Falle eines vorzeitigen Scheiterns würden die Osteuropäer wohl den Deutschen die Daumen drücken. Die gebürtigen Polen Miroslav Klose oder Lukas Podolski wurden schon bei der Weltmeisterschaft 2006 frenetisch bejubelt. Letztlich freilich nur ein schwacher Trost.

DIE FAZ.NET-PROGNOSE:

Für die Polen hängt enorm viel vom ersten Spiel gegen Deutschland ab. Glückt dort die Revanche für die bittere WM-Niederlage oder holte man zumindest einen Punkt, dann lebt die Hoffnung auf das Erreichen des Viertelfinales. Ansonsten wird es schwer, auch wenn am Ende das „Finale“ um Platz zwei gegen Kroatien anstehen könnte. Sollte es so kommen, haben dennoch die Spieler vom Balkan bessere Chancen, weil sie einfach individuell stärker sind. Polen kommt nur unter die letzten Acht, wenn das Team über sich hinauswächst.

Der Vorrunden-Spielplan Polens:

08. Juni - Gruppe B in Klagenfurt: Deutschland - Polen (20.45 Uhr)
12. Juni - Gruppe B in Wien: Österreich - Polen (20.45 Uhr)
16. Juni - Gruppe B in Klagenfurt: Polen - Kroatien (20.45 Uhr)

Viertelfinale:

19. Juni in Basel: Sieger Gruppe A - Zweiter Gruppe B (20.45 Uhr)
20. Juni in Wien: Sieger Gruppe B - Zweiter Gruppe A (20.45 Uhr)

Halbfinale:

25. Juni in Basel: Sieger Viertelfinale 1 - Sieger Viertelfinale 2 (20.45 Uhr)

Finale:

29. Juni in Wien: Sieger Halbfinale 1 - Sieger Halbfinale 2 (20.45 Uhr)

Alle Spiele, alle Tore - Polen bei der Euro im FAZ.NET-Liveticker

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