12.10.2006 · Fanforscher Gunter A. Pilz fordert im FAZ.NET-Interview mehr Engagement von Nationalspielern und Bundesliga im Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit und andere Formen der Diskriminierung im Fußballstadion.
Fanforscher Gunter A. Pilz fordert im FAZ.NET-Interview mehr Engagement von Nationalspielern und Bundesliga im Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit und andere Formen der Diskriminierung im Fußballstadion.
Seit Anthony Yeboah Anfang der neunziger Jahre von Fans beleidigt wurde, sind sechzehn Jahre vergangen, jetzt passiert dem deutschen Nationalspieler Gerald Asamoah das gleiche. Haben die Fans nichts dazugelernt?
Es haben sich in der Tat seit damals immer wieder solche Dinge ergeben. Allerdings beobachten wir, daß es in den letzten Jahren zumindest nicht zugenommen hat. In den alten Bundesländern hat der offene Rassismus abgenommen, Sie hören dort viel weniger Urwaldrufe, wie es sie in den neuen Bundesländern immer noch gibt. Es hat sich etwas geändert, aber das Problem ist nicht vom Tisch. Den Rassismus wird man nie ganz beseitigen können. Es bedarf einer kontinuierlichen Aufmerksamkeit und Bemühung, um dieses Problem in den Griff zu bekommen.
Wie äußert sich diese Veränderung?
Es hat eine Verlagerung stattgefunden in sozial weniger kontrollierte Bereiche. Aus dem Stadion hin zu den Fahrten der Fans. Oder aus den Bundesligastadien hin in die niedrigeren Spielklassen, wo die soziale Kontrolle nicht so stark ist. Das ist auch ein Grund, daß das Problem im Osten größer ist als im Westen. Dort sind mehr Spiele in niedrigeren Klassen, dort ist die Kontrolle geringer. Dazu kommen die gravierenden gesellschaftlichen und sozialen Problemlagen. Wir sehen dort eine besondere Empfänglichkeit und ein ausgeprägteres Ausleben. Wir haben in unseren Befragungen erlebt, daß die Fans sagen, „wir haben nichts zu befürchten, schlechter kann es uns nicht gehen“. Sanktionen alleine wirken daher nicht sehr abschreckend.
Asamoah hat seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft angedroht. Wäre das nicht kontraproduktiv?
Das wäre das falsche Zeichen. Damit hätten die Rechten ein Erfolgserlebnis, sie hätten genau das erreicht, was sie wollten. Ich glaube, er hat das als Warnschuß gemeint. Ich wünsche mir von seinen Nationalmannschaftskollegen, daß die alle aufstehen und sagen: Wir wollen das nicht. Wir bekennen uns ganz klar gegen diesen Rassismus und verurteilen ihn. Das habe ich zwar von DFB-Präsident Theo Zwanziger gehört, aber ich hätte mir genauso offensive Antworten von den Nationalspielern gewünscht.
Sie haben gesagt, Kontinuität ist im Kampf gegen den Rassismus wichtig. Sehen Sie denn bei den Vereinen und beim DFB diese Kontinuität?
Der DFB hat das Problem schon vor Jahren erkannt und auch Aktivitäten gestartet. Das große Problem ist, wieviel von dem, was da oben produziert und konzipiert wird, auch unten an der Basis bei den Vereinen ankommt. Da hat es etwas gemangelt. Nun hat der Verband ein starkes Sanktionsinstrument entwickelt, das es ermöglicht, die Vereine bis in die untersten Ligen geradezu zu zwingen, etwas zu tun.
DFB-Präsident Zwanziger gibt den Vereinen eine Mitschuld an den jüngsten rassistischen Vorfällen. Sehen Sie das genauso?
Ja, und ich bin auch sehr dankbar, daß der DFB jetzt mit Herrn Zwanziger einen hat, der nicht in die Deckung geht, sondern sich auch offen zu der Verantwortung des DFB und der Vereine bekennt. Wir haben festgestellt, daß in den Stadien der Vereine, die sich wirklich mit Herzblut engagieren, kaum Rassismus zu beobachten sind. Bei den Vereinen, in denen relativ wenig oder gar nichts passiert, sehen wir den gegenteiligen Effekt. Es gibt eine Sogwirkung, da fühlen sich die Rechten angezogen. Es ist richtig, daß man den Vereinen sehr deutlich macht: Ihr tragt ein großes Stück Verantwortung.
Sind nicht gerade die kleinen Vereine im Osten, die immer wieder betroffen sind, mit dieser Aufgabe überfordert?
In den neuen Bundesländern haben wir das Problem, daß viele der traditionellen Großvereine heute in den untersten Ligen spielen, aber immer noch eine große Anziehungskraft haben. Das „Nationale Konzept Sport und Sicherheit“ greift dort noch nicht ausreichend. Das haben die Verbände erkannt und ihre Konzepte bereits angepaßt. Aber wenn man von einer „Solidargemeinschaft Fußball“ spricht, dann ist auch die Bundesliga gefordert. Da ist das große Geld, von dort muß Unterstützung kommen.
Ist die Angst begründet, daß die Fanszene von rechtsextremen Gruppierungen unterwandert wird, oder bereits unterwandert ist?
Richtig ist, daß sich rechtsradikale Gruppierungen die gesellschaftlichen Bereiche aussuchen, von denen sie glauben, daß ihre Botschaften dort ankommen. In den neuen Bundesländern gibt es viele Menschen, die man als Wiedervereinigungsverlierer bezeichnen kann und solchen Argumenten gegenüber offen sind. Aber, daß es eine gezielte und flächendeckende Unterwanderung gibt, würde ich nicht sagen. Dieses Problem gibt es nicht nur im Fußball und nicht nur in den neuen Bundesländern, sondern überall da, wo es den Leuten schlechtgeht.
Welche weiteren Formen der Diskriminierung sind zu beobachten?
Wir haben festgestellt, daß der als politisch unkorrekt geltende Rassismus in den Stadien weniger geäußert wird. Auch nicht von strammen Rechten, die sich zurückhalten, um ihrem Verein nicht zu schaden. Im Gegensatz zum Rassismus sind Schwulenfeindlichkeit und Sexismus im Stadion nicht tabuisiert und können deshalb ausgelebt werden. Das sieht man auch an Fanartikeln, Bannern oder Choreographien der Ultra-Fans.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |