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„Fall Matuzalem“ Fifa kann unbeschränktes Berufsverbot nicht durchsetzen

Der Fall ist inzwischen fast so alt, wie es der Name des Spielers der ihm seinen Namen gibt, vermuten lässt. Jetzt hat der Brasilianer Matuzalem, einst vertragsbrüchiger Spieler in Donetsk der Fifa einen juristischen Schlag versetzt.

© dapd Vergrößern Juristischer Erfolg: Matuzalem (r., gegen Francesco Totti im römischen Derby am 4. März) bekommt vor dem Schweizerischen Bundesgericht Recht

Der brasilianische Fußballprofi Matuzalem, einst vertragsbrüchiger Spieler in Donetsk, hat dem Internationalen Fußball-Verband (Fifa) einen juristischen Schlag versetzt. Die Fifa kann die Drohung mit einem unbegrenzten Berufsverbot nicht durchsetzen. Das Schweizerische Bundesgericht in Lausanne gab einer Beschwerde Matuzalems statt, derzeit Teamkollege von Miroslav Klose bei Lazio Rom.

Der Mittelfeldspieler hatte 2007 seinen Fünfjahresvertrag beim ukrainischen Klub Schachtjor Donetsk gekündigt und war zu Real Saragossa nach Spanien gewechselt. Die Fifa hatte Donezk wegen der vertragswidrigen Kündigung Schadensersatz in Höhe von 6,8 Millionen Euro zugesprochen, der Internationale Sportgerichtshof erhöhte den Betrag 2009 auf knapp zwölf Millionen Euro.

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Nachdem sich sowohl Saragossa als auch Matuzalem außerstande sahen, den Betrag aufzubringen, drohte die Disziplinarkommission der Fifa dem Spieler mit einem Berufsverbot. Sollte er binnen 90 Tagen nicht zahlen, würde ihm nach Aufforderung durch Schachtjor jegliche Tätigkeit im Zusammenhang mit Fußball untersagt.

Das Schweizerische Bundesgericht entschied, die Drohung der Fifa verstoße gegen den „ordre public“ und damit fundamental gegen die Rechtsordnung. Der Spieler sei bei Ausbleiben der Zahlung der Willkür seines früheren Arbeitgebers ausgesetzt und in seiner wirtschaftlichen Existenz gefährdet, hieß es zur Begründung. Damit seien seine Persönlichkeitsrechte verletzt. Zudem gebe es im internationalen Privatrecht geeignetere Wege, Vertragsstrafen durchzusetzen als die Drohung mit einem unbegrenzten Berufsverbot.

Quelle: FAZ.NET

 
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