Home
http://www.faz.net/-gtm-78i59
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Ewald Lienen über Griechenland „Dieses Land ist von den Superreichen verraten worden“

Ewald Lienen war ein halbes Jahr Trainer des griechischen Traditionsklubs AEK Athen. Zwei Spieltage vor Saisonschluss wurde er unter dubiosen Umständen entlassen.

© dpa Vergrößern Am 9. April wurde Ewald Lienen in Athen entlassen

Sind Sie nur froh, der Hölle von AEK entkommen zu sein, oder bedauerten Sie den Abstieg Ihres früheren Klubs?

Natürlich hätte ich AEK gewünscht, die erste Liga zu halten, dafür habe ich schließlich ein halbes Jahr hart gearbeitet. Ich bin zwar noch nie unter solchen absurden Umständen entlassen worden, aber eigentlich ist es ein sympathischer Klub mit vielen kompetenten Mitarbeitern. Vor allem ärgere ich mich, dass ich nicht auf Sicherheiten bestanden habe für den Fall, dass der Verein mein Gehalt nicht ausbezahlen kann. Was dann schon nach ein paar Wochen tatsächlich passiert ist.

Was reizte Sie an AEK Athen?

Ich hatte über ein Jahr Pause als Trainer hinter mir. Und AEK ist ein Traditionsklub mit viel Substanz, der zum ersten Mal in seiner Geschichte in Abstiegsgefahr geraten war. Ich sah eine realistische Chance, ihn zurück in die nationale Spitze zu führen.

Was fanden Sie vor?

Ein viel zu junges und unerfahrenes Team. Vom letztjährigen Kader waren nur vier, fünf Ersatzspieler übrig geblieben. AEK war wirtschaftlich zusammengebrochen. Ein ehemaliger Präsident, Psomiadis, sitzt im Ausland im Gefängnis. Der Verein ist seit Jahren von ehemaligen Verantwortlichen systematisch ausgeplündert worden. Allein Psomiadis soll dem Verein 70 Millionen Euro schulden.

Wie muss man sich das „Plündern“ vorstellen?

Natürlich habe ich keine Beweise für Einzelfälle, aber es hat immer wieder starke Indizien dafür gegeben, dass sich Verantwortliche bei Spielertransfers bereichert haben. In einem Fall soll Vereinsgeld, das für den Ausbau der Infrastruktur bestimmt war, in die Taschen eines Verantwortlichen verschwunden sein, ohne dass ein Stein bewegt wurde. Steuern wurden sowieso in der Regel nicht bezahlt. Die Krise des griechischen Fußballs hat dieselben Gründe wie die Finanzkrise des gesamten Staates. Dieses Land ist von den Superreichen verraten worden und von den Politikern, die das zuließen oder davon profitierten. Schon vor neun Jahren wurden einigen Fußballvereinen 90 Prozent ihrer exorbitanten Steuerschulden erlassen. Dem Staat entgingen dabei allein im Fall AEK über 100 Millionen.

Wie viele Schulden hat AEK aktuell ?

Genau weiß ich es nicht, aber man spricht von Steuerschulden in Höhe von 18 Millionen, die meines Wissens innerhalb von zwei Jahren beglichen sein müssen, und fünf bis sieben Millionen Euro weiterer unbezahlter Rechnungen und Gehälter. Das bedeutet, dass AEK im Jahr allein neun Millionen Euro Steuerschulden nachzahlen müsste, was aber gar nicht gehen kann, weil die Gesamteinnahmen aus Eintrittskarten, Werbung und Fernsehrechten höchstens sieben Millionen betragen. Also stellte AEK, wie viele andere Wirtschaftsunternehmen in Griechenland auch, den Antrag, die Schulden langsamer abstottern zu dürfen, was aber die Troika verboten hat. Deshalb ist die Wut der Griechen auf Europa und speziell auf Kanzlerin Merkel so groß. Sie fühlen sich im Würgegriff.

24054240 © AP Vergrößern Das Spiel von AEK Athen gegen Panthrakikos Komotini am vergangenen Sonntagabend musste wegen Fan-Ausschreitungen abgebrochen werden

Und wie lebt es sich im Würgegriff?

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Im Gespräch: Torwart Kevin Trapp Es spricht vieles dafür, dass ich in Frankfurt bleibe

Im Interview spricht Eintracht Frankfurts Kevin Trapp über den ungewohnten Alltag auf Krücken, Absichten mit der Nationalmannschaft und Avancen aus Leipzig. Mehr

10.10.2014, 14:35 Uhr | Rhein-Main
Daumen drücken für die deutsche Mannschaft

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft steht vor dem letzten und entscheidenden Gruppenspiel gegen die USA. Bei der Abfahrt nach Recife haben Fans den Spielern noch mal ordentlich Mut zugejubelt. Mehr

25.06.2014, 11:06 Uhr | Sport
Einführung in der Bundesliga Gibt es buntes Freistoßspray bei Schnee?

Von Freitag an wird auch in der Bundesliga gesprüht. Woraus besteht das Freistoßspray? Wer hat es erfunden? Und wie viele Dosen hat der DFB geordert? FAZ.NET beantwortet die wichtigsten Fragen. Mehr Von Tobias Rabe

17.10.2014, 08:15 Uhr | Sport
Löw: Argentinien ist nicht nur Messi

Der Bundestrainer sagte vor dem Finale, die deutsche Mannschaft dürfe sich nicht nur auf den argentinischen Kapitän konzentrieren. In Berlin fiebern die Fans unterdessen dem großen Spiel am Abend entgegen. Mehr

13.07.2014, 14:31 Uhr | Sport
Jürgen Klopp im F.A.Z.-Gespräch So eine Delle kann auch mal sinnvoll sein

Borussia Dortmunds Trainer Klopp spricht über personelle Probleme, individuelle Fehler, zu viele Länderspiele und die Frage, was die BVB-Krise mit ihm selbst angestellt hat. Mehr

12.10.2014, 15:07 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 18.04.2013, 17:30 Uhr

Umfrage

Welcher ist Ihr Fußballspruch des Jahres 2014?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Bayern hat das Wettrüsten gewonnen

Von Michael Horeni

Den Mythos als unbeugsames Team hat Dortmund verspielt. Bayern München hat das deutsche Fußball-Wettrüsten gewonnen. Es leidet nur noch der BVB und mit ihr vor allem Trainer Jürgen Klopp. Mehr 43 18