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Europäischer Super-Cup Zwei Picassos - in derselben Epoche

 ·  Der europäische Supercup wird zwischen Chelsea und dem FC Bayern ausgetragen (20.45 Uhr). Er steht aber auch für den Zweikampf der Trainer José Mourinho und Pep Guardiola, der giftigsten Beziehung im Klubfußball.

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© dpa Vergrößern In gegenseitiger Abneigung verbunden: Pep Guardiola (l.) und José Mourinho beim obligatorischen Handschlag vor einer Ligabegegnung zwischen Barcelona und Madrid im April 2011

Es war ein Deutscher, der das letzte freundliche Gespräch zwischen den beiden erfolgreichsten Trainern des 21. Jahrhunderts beendete. Am Rande der Trainertagung bei der Europäischen Fußball-Union in Nyon im September 2010 hatte José Mourinho das Gespräch mit Pep Guardiola gesucht, man unterhielt sich artig.

Nach ein paar Minuten gesellte sich Thomas Schaaf dazu, die Runde wurde größer, das Zwiegespräch war vorbei. Seitdem sind sich der Katalane und der Portugiese nur noch als Rivalen begegnet. Nach elf „Clásicos“ zwischen Guardiolas FC Barcelona und Mourinhos Real Madrid war aus dem Smalltalk in der Konferenzpause die giftigste Beziehung des heutigen Klubfußballs geworden. An diesem Freitag (20.45 Uhr/ ZDF) werden Guardiola und Mourinho sie fortsetzen, mit neuen Klubs, dem FC Bayern und dem FC Chelsea, im Spiel um den europäischen Supercup in Prag.

Die Verschärfung des Verhältnisses war stets von Mourinho ausgegangen, dem Meister des Manipulativen, der die innere Harmonie des Barça-Fußballs und seines Vordenkers stören wollte. Auch jetzt, da er zu Chelsea zurückgekehrt ist, schlägt er schon seine provozierenden Pflöcke ein. Über Manchester United, den Rivalen in England, sagte er: „Kein überragender Champion.“ Über Bayern München, den Rivalen in Europa: „Mit Jupp Heynckes waren sie das beste Team Europas. Nun haben sie einen neuen Trainer und neue Spieler - und ich bin nicht mehr sicher, ob sie immer noch so gut sind.“ Guardiola verweigerte eine Reaktion. Dafür sprang ihm Präsident Uli Hoeneß bei, der von „unqualifizierten Kommentaren“ Mourinhos sprach und deswegen glaubt, „dass unser Trainer ziemlich heiß auf das Spiel ist.“

Kampf auf Nebenschauplätzen

Die Kunst ist es, trotzdem kühl zu bleiben. Nur einmal bisher hat Guardiola allzu hitzig auf Mourinho reagiert, das war im Frühjahr 2011, als mit vier Clásicos binnen 18 Tagen das Duell eskalierte. Monatelang hatte Mourinho gestichelt, sein Team zu übergroßer Aggressivität angestachelt und seine Verschwörungstheorien verbreitet. Nach dem zweiten dieser vier Spiele, der Niederlage im Pokalfinale, fuhr Guardiola aus der Haut, in einem zweieinhalbminütigen Monolog beleidigte er Mourinho als „puto amo“, als den „beschissenen Boss“ - und wurde von seiner Mannschaft dafür mit Beifall in der Kabine empfangen. Sie schenkte Guardiola tags darauf einen Sieg in Madrid und wenige Wochen später seinen zweiten Champions-League-Titel.

Doch dieser Kampf auf Nebenschauplätzen, den Mourinho ihm aufzwang, zermürbte den sensiblen Perfektionisten. Er trug zu Guardiolas Entscheidung bei, ein Jahr später den Rücktritt in Barcelona zu erklären - und gegenüber einem Freund einzuräumen, dass „Mourinho den Krieg gewonnen“ habe. „Ich habe keine angenehmen Erinnerungen, weder an die Siege noch an die Niederlagen“, bilanzierte er. „Immer war etwas dabei, das einen schlechten Nachgeschmack hinterließ.“

Einst eine funktionale Freundschaft

Diese Rivalität hatte einmal als funktionale Freundschaft begonnen. Das war 1996, als Guardiola Kapitän von Barça war und der neue Trainer Bobby Robson jenen Mourinho als Dolmetscher mit nach Barcelona brachte. Mourinho übersetzte nicht nur, er ergänzte die englischen Anweisungen des Chefs beim Übertragen ins Spanische oft schon um taktische Ideen, die Robson gar nicht ausgesprochen hatte. Weil auch Guardiola schon wie ein Trainer dachte, trafen die beiden des Öfteren am Boss vorbei gemeinsam taktisch-praktische Entscheidungen. Nach dem Sieg im Europacup-Endspiel der Pokalsieger 1997 umarmten sie sich wie erfolgreiche Verschwörer und hüpften jubelnd herum.

Elf Jahre später galt Mourinho, der damals begehrteste Trainer der Welt, als Favorit für den Job des Nachfolgers von Frank Rijkaard bei Barça. Doch der Klub entschied sich für Guardiola, eine Düpierung Mourinhos: in einem Casting den Kürzeren zu ziehen gegen einen Anfänger, der erst eine Saison als Trainer gearbeitet hatte, in der vierten Liga mit Barças B-Team. Spätestens da war eine persönliche Sache daraus geworden, die wohl nicht mehr zu schlichten ist. Die beiden Trainer, die Arrigo Sacchi wegen ihrer Qualitäten einmal als „zwei Picassos in derselben Epoche“ adelte, sind, bei allem, was sie verbindet in ihrer taktischen Exzellenz, ihrem Charisma, ihrem Erfolg (20 Titel für Mourinho in zehn Jahren, 14 für Guardiola in fünf), einfach zu unterschiedlich.

Fast wie zwei Schachgroßmeister, von denen einer sich allein in die verwinkelten Denkmuster einer Partie versenken, die reine Kunst der Strategie betreiben möchte - der andere aber auch die psychologische Seite sieht, nicht den perfekten Zug sucht, sondern den, der den anderen stört oder noch besser: zerstört. „Pep strebte nach Perfektion, in einer fußballerischen Traumwelt, die auf einer höheren Ebene existierte: an einem Ort, aus dem ihn Mourinho Knall auf Fall auf die Erde zurückholte“, schrieb Guardiolas Biograph Guillem Ballagué. „Pep nahm das alles persönlich. Für Mourinho gehörte alles zum Beruf.“

“Man braucht nicht unbedingt Feinde, um sein Bestes geben zu können“, sagte Mourinho einmal. „Aber es ist besser.“ Am Donnerstag ließ er zur Abwechslung die Feindseligkeiten ruhen. Nichts ist für ihn schlimmer, als berechenbar zu sein. „Es ist nicht er gegen mich“, sagte er. „Es ist Bayern gegen Chelsea.“

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