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Europa League : Schweizer Höhenflug

  • -Aktualisiert am

Schweizer Angriff auf Europa: Fabian Frei (l., bei seinem Tor beim 2:2 im Hinspiel) und der FC Basel wollen gegen Tottenham das Halbfinale der Europa League erreichen Bild: AP

Erstmals seit 1978 könnte ein Schweizer Team ein Europapokal-Halbfinale erreichen: Der FC Basel muss sich dafür am Donnerstag (21.05 Uhr) gegen Tottenham Hotspur durchsetzen. Der Erfolg ist kein Zufall.

          Sie hätten in Manchester nachfragen können, die Londoner von Tottenham. Doch mittlerweile sind sie von selbst um eine Geographielektion reicher geworden. Sie wissen jetzt: Die Stadt Basel liegt in der Schweiz, und, was viel wichtiger ist: Basel hat einen Fußballklub, den FCB, der im Hinspiel des Viertelfinals der Europa League vor einer Woche gegen die Spurs furios ein 2:2 erreichte und an diesem Donnerstag (21.05 Uhr/ live in Kabel1 und F.A.Z.-Liveticker) gute Chancen hat, ins Halbfinale einzuziehen. Es wäre die zweite Überraschung mit englischem Schaden binnen eines Jahres. In der vergangenen Saison hatte Basel Manchester United aus der Gruppenphase der Champions League geworfen.  Ein Vordringen in die Runde der letzten Vier wäre nun der größte Erfolg für den Schweizer Vereinsfußball seit 1978. Damals zog Grasshoppers Zürich in die Vorschlussrunde des Uefa-Pokals ein.

          Der FC Basel ist in diesem Jahr zudem der letzte verbliebene „Kleine“ in den europäischen Wettbewerben. Wer den Erfolg verstehen will, muss zurückblicken und sieht bald: Vielleicht ist dieser Klub gar nicht so klein. Zumindest wird er von Leuten geführt, die seit Jahren anscheinend alles richtig machen.

          Im Frühsommer 2009 trennten sich die Basler Chefs von Trainer Christian Gross, der eine Ära geprägt und in zehn Jahren acht Titel gewonnen hatte. Zudem verpflichteten sie für fast fünf Millionen Euro Alexander Frei von Borussia Dortmund - nie hat ein Schweizer Verein mehr Geld für einen Spieler ausgegeben. Frei schoss Tor um Tor, und der neue Trainer Thorsten Fink holte zwei Meisterschaften und einen Pokalsieg. Als Fink im Oktober 2011 zum Hamburger SV zog, durfte dessen Assistent Heiko Vogel übernehmen. Vogels Team wurde nicht nur Meister und Pokalsieger, es bot dem Schweizer Fußball nie gesehene Sternstunden in der Champions League, die in der vergangenen Spielzeit erst im Achtelfinale gegen den FC Bayern endeten.

          Doch als die Mannschaft verhalten in die laufende Meisterschaft startete und gegen die Rumänen aus Cluj die Qualifikation zur Champions League verpasste, beurlaubten die Klubverantwortlichen Vogel und verpflichteten den ehemaligen Bundesligaprofi Murat Yakin, der kurz zuvor beim Ligakonkurrenten FC Luzern entlassen worden war. Es lag nahe, den Einschnitt als Überreaktion zu interpretieren. Doch die Führung wusste, was sie tat.

          In der Meisterschaft an der Spitze

          Der erst 38 Jahre alte Yakin, der schon als Spieler wie ein Trainer aufgetreten war, stabilisierte den FC Basel schnell. In 26 Spielen schaffte er 14 Siege und verlor nur viermal. Seit Yakin den Plan vorgibt, hat der FCB im heimischen St.-Jakob-Park kein einziges Gegentor hinnehmen müssen. In der Meisterschaft steht er an der Spitze, im Pokal im Halbfinale, und in der Europa League hat er Teams wie Sporting Lissabon, Dnjepr Dnjepropetrowsk oder Zenit St. Petersburg besiegt.

          Angeführt vom Kapitän und ehemaligen Stuttgarter Stürmer Marco Streller blühen die Flügelspieler Valentin Stocker und Mohamed Salah auf. Aber Yakin hält jeden Spieler für ersetzlich. Die Rotation ist seine Leidenschaft, er wechselt Spieler und Strategie, als führe er einen Topklub. Immerhin hat in dieser Saison keine Mannschaft mehr Europacup-Spiele bestritten als Basel (17).

          Trainerduell: Der ehemalige Bundesligaprofi Murat Yakin (l.) fordert mit dem FC Basel den prominenten Trainerkollegen Andre Villas Boas heraus
          Trainerduell: Der ehemalige Bundesligaprofi Murat Yakin (l.) fordert mit dem FC Basel den prominenten Trainerkollegen Andre Villas Boas heraus : Bild: dpa

          In der Schweiz sind die Basler sowieso herausragend. Sie haben die teuersten und besten Spieler, mit rund 28 Millionen den höchsten Etat, eine hochprofessionelle Scouting-Abteilung, den stärksten Nachwuchs, das größte und schönste Stadion. Sie sind voller Elan und unschweizerisch selbstbewusst, aber nie überheblich. Und sie sammeln für den Schweizer Fußball Anerkennung.

          Andere Sorgen als den plötzlichen Abgang Alexander Freis, der seine aktive Karriere beendet und am kommenden Montag seine Arbeit als Sportchef des FC Luzern beginnt, kennt der FC Basel derzeit nicht. Und weil bei Tottenham die Stützen Bale, Lennon und Gallas an diesem Donnerstag nicht spielen können, macht er sich Hoffnungen auf ein Weiterkommen.

          Quelle: F.A.Z.

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