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Europa-League-Finale Athletic oder Atlético?

 ·  Das Europa-League-Endspiel zwischen Madrid und Bilbao an diesem Mittwoch (20.45 Uhr) ist auch das Duell der argentinischen Fußballschulen. Das Duell verspricht eine elektrisierende Schicksalsbegegnung.

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© picture alliance / dpa Spanisch-spanisches Duell: Athletic Bilbao und Atletico Madrid treffen sich in Bukarest

Marcelo Bielsa, genannt „el Loco“ (der Verrückte), zählt zum Kreis der anerkannten, ja geliebten Cheftheoretiker des schönen Spiels. „Verrückt“ ist er, weil er nicht locker lässt, weil er nie aufhört mit dem Studieren, Einüben, Trainieren. Und als Maniac der leisen, höflichen Töne wird er verehrt. Seit Anfang der Saison trainiert der Argentinier des Jahrgangs 1955 den spanischen Fußball-Traditionsverein Athletic Bilbao, und der Erfolg hat nicht auf sich warten lassen.

Auch wenn es in der Primera División nur zu einem Platz im guten Mittelfeld reicht, stehen die Basken vor den wichtigsten Wochen der jüngeren Vereinsgeschichte. An diesem Mittwoch Abend (20.45 Uhr / Live im F.A.Z.-Ticker) in Bukarest, im Finale der Europa League gegen Atlético Madrid, erleben sie ihre erste europäische Finalteilnahme seit 35 Jahren. Und am 25. Mai, ausgerechnet im Calderón-Stadion, der Spielstätte des heutigen Gegners, wartet im Finale der Copa del Rey der FC Barcelona.

Es ist erst zwei Monate her, da winkte Pep Guardiola nicht ab, wenn man in Marcelo Bielsa seinen möglichen Nachfolger als Trainer des FC Barcelona sah. Ja, der sei geeignet, meinte Guardiola, auch wenn es noch andere Kandidaten gebe.

Bielsa hat erfolgreich bei Vereinen in Argentinien und Mexiko gearbeitet und vier Jahre die argentinische Nationalmannschaft geführt. Mit der 2007 übernommenen Auswahl Chiles vollbrachte er eine heroische Tat. Nicht nur feierte seine Mannschaft 2010 ihren ersten Sieg bei einer WM seit 48 Jahren, sie überstand auch die Vorrunde und musste sich erst Brasilien geschlagen geben.

Dass Bielsa und Guardiola sich schätzen, liegt daran, dass sie im Fußball den selben Sinn sehen: den Ball zu haben und möglichst nicht mehr herzugeben. Vom Ballbesitz leiten sich Bielsas berühmte Merksprüche her, die zusammen eine kleine Fußballphilosophie ergeben.

Dass nicht jede Niederlage ein Scheitern bedeute. Dass die eigene Mannschaft immer die Initiative behalten und dem Gegner ihren Stil aufzwingen müsse. Dass es wichtig sei, zwischen Deckung und Angriff wenig Raum zu lassen. „Immer in Bewegung“ zu sein, diese Phrase der Fußballreporter hat unter Bielsa wieder Sinn bekommen. „Ich sage meinen Spielern immer“, so der Coach, „dass es keinen Sinn hat, stillzustehen. In jeder Spielsituation gibt es Gründe, sich zu bewegen.“

Bielsas Teams spielen schnell, weil der Trainer ungeduldig ist, wie er selbst sagt. Und selbst wenn nicht alles klappt wie kürzlich bei der 0:3-Heimniederlage von Athletic Bilbao gegen den späteren Meister Real Madrid, erkennt man sofort, was die Spieler an Raumverständnis dazugewonnen haben. Ein frühes Ideal des Argentiniers war das taktische Gerüst von Ajax Amsterdam unter Louis van Gaal.

Seit er Athletic trainiert, hat Bielsa aus einem traditionell kampfstarken, eher britisch agierenden Team, das am liebsten hohe Flanken in den Strafraum beförderte, eine disziplinierte, ballsichere und äußerst flexible Einheit geformt. Das prominenteste Opfer war Manchester United. Bei Athletics 3:2-Sieg in Old Trafford im März nannten englische Medien das Pressing der Bielsa-Boys „furchterregend“. Nachdem Manchester aus dem Weg geräumt war, machten die Zeitungen im aufgedrehten Baskenland den Trainer zu „Rocky Bilbao“.

Was in Bukarest geschieht, ist völlig offen, denn beide Teams sind erfolgshungrig und eher für elektrisierende Schicksalsbegegnungen als für den Liga-Alltag gemacht. Atléticos Chancen auf die Champions-League-Teilnahme im kommenden Jahr sind dünn. Dafür leuchtet in der Erinnerung noch der Triumph in der Europa League 2010 gegen den FC Fulham.

Auch die Madrilenen haben einen Argentinier auf der Trainerbank, und es macht die Sache nur pikanter, dass er Bielsa bestens kennt. Diego Pablo Simeone, 42 Jahre alt, war 1996 Kapitän der legendären Atlético-Mannschaft, die das Double aus Liga und Copa del Rey gewann. „Atlético ähnelt Simeone“, sagt Bielsa über seinen ehemaligen Schüler, mit dem er vor zehn Jahren die enttäuschende WM der argentinischen Nationalmannschaft in Korea und Japan erlebte. „Sehr kämpferisch und gibt keinen Ball verloren.“

Und so wird Simeone seine Mannschaft im Finale mit überaus kompakter Deckung agieren lassen, um den Spielzauber des Gegners zu ersticken. Das Finale von Bukarest ist auch der Kampf zweier argentinischer Fußballschulen.

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Jahrgang 1961, Feuilletonkorrespondent für Spanien und Portugal mit Sitz in Madrid.

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