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Europa League Der Eintracht bekommt der Bordeaux

 ·  Zeit für die Lese: Eintracht Frankfurt fährt bei der Europapokal-Rückkehr den ersten Sieg ein. Der Gegner Girondins Bordeaux hat zum Auftakt der Europa League keine Chance und beendet das Spiel zu zehnt.

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© Wonge Bergmann Vergrößern Der Adler hebt ab: Marco Russ und die Frankfurter Eintracht dürfen jubeln

Sie haben dem großen Erwartungsdruck einer ganzen Region standgehalten. 44.000 Zuschauer erlebten am Donnerstagabend einen denkwürdigen  Europapokalauftritt der Frankfurter Eintracht, denn die Hessen schlugen in  ihrem ersten Gruppenspiel den sechsmaligen französischen Fußballmeister  Girondins Bordeaux 3:0. Die Treffer für die in vielen Belangen überlegene  Eintracht erzielten Vaclav Kadlec (4.), Marco Russ (16.) und Constant Djakpa  (52.). „Da ist heute Abend ein Bierchen erlaubt“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner in der Freude über den Sieg. Für Weinliebhaber Armin Veh dürfte es dann sicher auch ein guter Bordeaux sein. „Das ist begeisternd. Wie unsere Mannschaft und unsere Fans im ersten Spiel aufgetreten sind, das ist schon fantastisch. Das ist in diesem Jahr unsere Stärke, dass wir Ausfälle sehr gut kompensieren.“

Allein schon die Begrüßung war europapokalwürdig: Über dem  Eintracht-Fanblock spannte sich ein riesiges Banner mit einer eindeutigen  Botschaft. „Unsere Fahnen, unsere Farben, genau wie die Herzen, die in uns  schlagen!“ Dann wurde die gesamte Kurve in schwarz und weiß gehüllt und die  Anhänger stimmten den Hit des Jahres ein: „Europacup in diesem Jahr.“

Schnelle Führung

Die Antwort der Spieler auf die stimmungsvolle Aktion in der Arena ließ  nicht lange auf sich warten. Schon nach vier Minuten fiel das 1:0. Das erste  Tor in der Gruppenphase, erzielt von einem, der schon am vergangenen Samstag  beim 3:0 in Bremen als Volltreffer in Erscheinung getreten war: Vaclav  Kadlec. Von Stefan Aigner mit dem Rücken im gegnerischen Strafraum bedient, war  der Tscheche plötzlich alleine vor Girondins-Torwart und Kapitän Cedric Carrasso und ließ sich die Chance zur Führung nicht entgegen. Einziger  Schönheitsfehler: Kadlec stand zuvor im Abseits.

Zehn Minuten später hätte die in der Anfangsphase gefällig aufspielende  Eintracht sogar auf 2:0 erhöhen können. Doch Tranquillo Barnetta, der den  Flankenball von Takashi Inui am rechten Pfosten vorbeizirkelte, hätte lieber  seinem Nebenmann das Toreschießen überlassen. Der besser postierte Aigner wäre  die bessere Alternative gewesen. Doch alles nicht so schlimm. Der aufgerückte  Mittelfeldmann Russ machte es besser und schaffte auf Vorlage von Barnetta  wirklich das 2:0 (16.). Danach ebbte der Elan der Eintracht etwas ab - und die Franzosen suchten  ihrerseits ihr Glück. Den Kopfball von Jeremie Brechet (18.) parierte der  Frankfurter Keeper Kevin Trapp, beim Schuss von Jussie blockte Innenverteidiger  Bamba Anderson zur Ecke (19.). In der 25. Minute hätte Bordeaux eigentlich  verkürzen müssen, doch nach dem besten Angriff verfehlte Andre Poko mit dem Kopf.

Die Eintracht gegen Bordeaux, das hatte es bislang erst ein einziges Mal  gegeben. Am 29. Juli 1995 trafen sich beide Vereine im Uefa-Intertoto-Cup - mit schlechten Erinnerungen für die Hessen. Sie unterlagen 0:3 an der  Atlantikküste. Damals stand noch Ralf Weber, der heutige Chefscout, im Team der  Eintracht, das von Trainer Karl-Heinz Körbel betreut wurde.

Erster Sieg seit sieben Jahren

Der Coach der  Gegenwart heißt Armin Veh, und er hatte gegenüber der letzten Bundesligaprüfung  in Bremen seine Mannschaft für das Zusatzgeschäft Europa League nur auf einer  Position geändert. Für Bastian Oczipka, der wegen eines Muskelfaserrisses gut  zwei Wochen nicht zur Verfügung steht, kam Constant Djakpa als Linksverteidiger  in die Startelf. Der Mann von der Elfenbeinküste hätte kurz vor dem  Seitenwechsel über Treffer Nummer drei jubeln können, doch Inui, alleine auf  Carrasso zulaufend, vertändelte den Ball und vergab damit eine beste  Einschussgelegenheit (44.).

Was konnte, was durfte die Eintracht im zweiten Spielabschnitt vom  sechsmaligen französischen Meister an Gegenwehr noch erwarten? Die Truppe von  Trainer Francis Gillot, im Frühjahr Pokalsieger geworden, blieb vieles  schuldig. Und sie wurde in der 52. Minute entscheidend getroffen. Djakpa war so  frei, einen Freistoß aus zwanzig Metern direkt ins Tor des Tabellensechzehnten  der ersten französischen Liga zu schießen. 3:0. Der Ivorer, nach seinem ersten Tor für die Eintracht von seinen Gefühlen  überwältigt, rannte über den halben Platz und sprang Auswechselspieler Joselu  in die Arme. Knapp vierzig Minuten noch, dann sollte der erste Sieg in einem Spiel der Gruppenphase seit  sieben Jahren perfekt sein.

Zumal Bordeaux von der 62. Minute an mit nur zehn  Spielern auskommen musste. Lucas Orban hatte als letzter Mann Aigner vor der  Strafraumgrenze gefoult, der englische Schiedsrichter Andre Marriner  zückte  sofort die Rote Karte. 2006, als die Eintracht als unterlegener Pokalfinalist in die Europa League  eingezogen war, verdiente sich der Klub zwar viel Respekt. Doch er schied aus,  ohne eines der Gruppenspiele für sich entschieden zu haben. Drei Unentschieden  gegen Fenerbahce Istanbul, Newcastle United und Celta Vigo bei einer Niederlage  gegen US Palermo bedeuteten das frühe Aus.

Das wollen die Frankfurter 2013 in  jedem Fall vermeiden. Die Chancen nach dem 3:0 gegen Bordeaux stehen nicht  schlecht, die Richtung stimmt. Der Wunsch von Sportdirektor Bruno Hübner,  „europäisch zu überwintern“, hat also tatsächlich einen guten Anfang  genommen. Die nächsten Prüfungen bei Apoel Nikosia und gegen Maccabi Tel Aviv  können kommen.

Dann dürfte auch Sebastian Rode wieder fit sein: Der Mittelfeldspieler Sebastian Rode hat nach seiner verletzungsbedingten Auswechslung Entwarnung gegeben. „Im ersten Moment war ich natürlich geschockt. Aber es ist nichts Ernstes“, sagte Rode am Donnerstagabend nach dem 3:0-Erfolg gegen den sechsfachen französischen Meister. Der 22-Jährige hatte in der 69. Minute den Platz verlassen müssen, weil er einen Schlag auf den Knöchel bekommen hatte. Sein Einsatz im Bundesligaspiel beim VfB Stuttgart am Sonntag sei aber nicht gefährdet, sagte Rode.

Eintracht Frankfurt - Girondins Bordeaux 3:0 (2:0)

Eintracht Frankfurt: Trapp - Zambrano, Jung, Anderson, Djakpa - Rode (69. Celozzi), Russ - Aigner, Barnetta, Inui (46. Flum) - Kadlec (81. Lakic)
Girondins Bordeaux: Carrasso - Faubert (46. Chalmé), Henrique, Bréchet, Orbán - Traore, Biyogo Poko (70. Ben Khalfallah), Sertic, Maurice-Belay (64. Poundjé) - Rolán, Jussiê
Schiedsrichter: Marriner (England)
Zuschauer: 44 000
Tore: 1:0 Kadlec (4.), 2:0 Russ (16.), 3:0 Djakpa (52.)
Gelbe Karten: Celozzi, Russ / Rolán, Traore
Rote Karten: - / Orbán (62./Notbremse)

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