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Fifa-Kommentar : Selektives Sehen

Halbgare Menschenrechtsäußerungen: Es ist immer noch ein bisschen zu dunkel bei der Fifa Bild: dpa

Die Fifa veröffentlichte den ersten Bericht des Menschenrechtsbeirats. Das klingt gut. Mit Fortschritten ist es aber nicht so einfach. Die Führung des Fußball-Weltverbandes pflegt die Dinge selektiv zu sehen.

          Bei der Fifa sind sie stolz. Es gibt etwas zum Runterladen, Ausdrucken, Vorzeigen. Den ersten Bericht des Menschenrechtsbeirats des Internationalen Fußballverbandes, veröffentlicht am Donnerstag. In Zürich sagen sie: Einen solchen Beirat hat keine andere internationale Sport-Großorganisation. Vom Stolz auf eine Pioniertat spricht die Generalsekretärin Fatma Samoura mit Blick auf den 53 Seiten dicken Bericht und von wichtigen Fortschritten. Tatsächlich gibt es auch von den Beiratsmitgliedern manchen lobenden Satz. Aber der Bericht lohnt einen genauen Blick.

          Denn mit Fortschritten ist es nicht so einfach. Im Frühjahr ließ Fifa-Präsident Gianni Infantino den Portugiesen Miguel Maduro als Chef der Governance Kommission absägen. Aus Protest gaben die beiden anderen Mitglieder des verbandsinternen Menschenrechtsausschusses, Ansprechpartner der externen Experten, ihre Ämter wieder auf. Der Beirat sprach mehrere Empfehlungen aus. Doch die Posten sind weiterhin unbesetzt.

          Und so empfiehlt der Beirat der Fifa, es weiter mit einem „strategischeren Ansatz“ zu versuchen, um Menschenrechtsthemen in der Fifa-Verwaltung zu verankern, und verlangt, aus Samouras Büro Kopien von Fifa-Sitzungen zu Menschenrechtsthemen zu bekommen, um zu begreifen, wie viel sich denn tut in Sachen Menschenrechte. Zudem möge Frau Samoura Informationen zur Verfügung stellen, wie ihr Personal geschult werde, und die Verwaltung möge „detailliert“ mitteilen, wie der Kampf gegen die Korruption bei der Fifa funktioniert und die internen Compliance-Systeme gestärkt werden. Das wüsste die Öffentlichkeit auch gern.

          Anhaltende Diskussionen

          So weit zum Zustand der Verwaltung. Draußen rücken die Weltmeisterschaften Russland 2018 und Qatar 2022 näher, im Falle Russlands sogar bedrohlich nahe. Zum Beispiel: Im Sommer 2016 hatte die Internationale Gewerkschaft der Bau- und Holzarbeiter mit den WM-Organisatoren die Schaffung einer Beschwerdestelle für ausgebeutete Stadion-Bauarbeiter vereinbart.

          Mit Fortschritten ist es nicht so einfach: Fifa-Generalsekretärin Fatma Samoura

          Derzeit befindet man sich in anhaltenden Diskussionen über die praktische Umsetzung des Plans, heißt es in dem Bericht. Man werde auch weiter über die Nordkoreaner sprechen, die auf der WM-Baustelle in Sankt Petersburg entdeckt worden waren, kündigen die Beiratsmitglieder an. Jene Nordkoreaner, für deren Existenz es laut WM-Cheforganisator und Fifa-Rat Alexej Sorokin keine Beweise gab. Bei Sorokin ist es wie mit Samouras Eigenlob ob des Berichts: Die Führung der Fifa pflegt die Dinge selektiv zu sehen.

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