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Ermittlungen Schmiergeld im englischen Fußball?

21.09.2006 ·  Im Mai sollte er neuer englischer Fußball-Nationaltrainer werden, nun steht Sam Allardyce, Coach der Bolton Wanderers, unter Verdacht, illegal an Transfers von Spielern verdient zu haben. Der BBC-Film „Das schmutzige Geheimnis des Fußballs“ scheint auch den FC Chelsea in Schwierigkeiten zu bringen.

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Sam Allardyce war noch im Mai Kandidat für den Posten des englischen Nationaltrainers. Doch nach einer Fernsehdokumentation am Dienstag steht der Coach der Bolton Wanderers plötzlich als möglicher Gauner da, der unterderhand illegal an Spielereinkäufen mitverdient haben soll. Die Praxis der „bungs“, der Schmiergelder, die Spielervermittler von ihrer Provision abzweigen, um die Einwilligung des Trainers und damit den Deal zu sichern - sie ist den Recherchen zufolge in der Premier League, der Liga mit den höchsten Transferumsätzen, gang und gäbe.

In dem BBC-Film „Das schmutzige Geheimnis des Fußballs“ wird, ohne weitere Namen zu nennen, die Zahl von 18 aktuellen und früheren Erstligatrainern genannt, die, heimlich gefilmten Spieleragenten zufolge, illegal kassiert hätten. Der englische Fußballverband kündigte am Mittwoch eine Untersuchung an. „Diese Anschuldigungen beschädigen das Ansehen des Fußballs“, sagte Sportminister Richard Caborn und verglich den Kampf gegen die „bungs“ mit dem gegen Doping.

Geheime Zahlungen

Im Januar waren erstmals entsprechende Verdächtigungen laut geworden. Die Liga berief eine Kommission unter Vorsitz des Richters Lord Stevens, die ihre Resultate am 2. Oktober verkünden soll. In ihre Ermittlungen sollen die BBC-Recherchen eingehen. Mit Hilfe eines „undercover“ arbeitenden Reporters und versteckter Kamera wirft der Film einen Blick auf die dunkle Seite des Milliardengeschäfts. Der Mann, der sich während der neunmonatigen Recherche als Fußballagent ausgab, ist kein Journalist, sondern der aus Deutschland stammende, seit acht Jahren in England als Amateurtrainer arbeitende Knut auf dem Berge.

Vor versteckter Kamera erklären zwei Spielervermittler, sie hätten Schmiergelder an Allardyce gezahlt. Die Reporter fanden heraus, daß dessen Sohn Craig, der als Fußballagent arbeitete, bei drei Bolton-Transfers geheime Zahlungen kassiert hat - im Falle des Israelis Ben Haim 50.000 Pfund. Allardyce junior erklärte dem Undercover-Reporter, sein Vater wisse von allem. Allardyce senior streitet nun alles ab.

Ein „Bonus“ im Wert von 150.000 Pfund

Auch den FC Chelsea bringt der Film in Schwierigkeiten. Seinen heutigen Jugend-Chef Frank Arnesen hatte der Klub vom Konkurrenten Tottenham abgeworben, wobei Tottenham, als Fotos seines damaligen Sportdirektors als Gast auf der Yacht des Chelsea-Besitzers Abramowitsch auftauchten, mit Anzeige drohte - und Chelsea, um Skandal und Strafe zu vermeiden, in die Zahlung einer horrenden Ablöse (zwischen fünf und acht Millionen Pfund) an Tottenham einwilligte.

Nun zeigt der BBC-Film, wie Arnesen den 15jährigen Nathan Porritt vom FC Middlesbrough mit einem „Bonus“ von 150.000 Pfund abzuwerben versucht - ein klarer Verstoß gegen die Regeln von Liga und Verband, der wegen angeblicher Abwerbeversuche von drei Jugendspielern aus Leeds ohnehin schon gegen Chelsea ermittelt. Für die Affäre um den damaligen Arsenal-Star Ashley Cole, bei dem Chelsea einen ähnlichen Verstoß beging, hatte der Meister eine Geldbuße von 300.000 Pfund erhalten sowie den Abzug von drei Punkten, der zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die Strafe könnte nun in Kraft treten und Chelsea im Titelrennen zurückwerfen.

Quelle: F.A.Z., 21.09.2006, Nr. 220 / Seite 31
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