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Erich Ribbeck wird 70 Der Fußball-Gentleman schweigt und genießt

13.06.2007 ·  Der stets eloquente, sportlich-elegante Trainer von gestern hat sich rar gemacht. Nach wie vor glaubt Erich Ribbeck, dass er 2000 als Fußball-Bundestrainer eher an den Umständen als an sich selbst gescheitert ist.

Von Roland Zorn
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Das hätte Erich Ribbeck noch gefehlt: die Zweitkarriere nach der Berufslaufbahn. „Ich schaue mir zwar“, sagt der frühere Teamchef der deutschen Nationalmannschaft, „viel Fußball im Fernsehen an, muss aber wirklich nicht in Sendungen auftauchen und dort Stammtischgespräche führen. Das ist nicht meine Welt“. Schönen Gruß also an den früheren Trainerfreund Udo Lattek, der noch immer für alles oder nichts eine Erklärung hat, wenn er „Doppelpass“ spielt mit den lieben Kollegen der Medien.

Der ehemalige Meistermacher des FC Bayern München ist inzwischen 72, der Rheinländer Ribbeck wird an diesem Mittwoch 70 Jahre alt – und fühlt sich „echt sehr gut, denn ich habe ja nie auf der faulen Haut gelegen“. Nun ja, es gab Probleme mit dem Knie und vor kurzem auch eine Operation, bei der der „Sir“, wie der freundliche Wuppertaler schon in jungen Jahren genannt wurde, „eine neue Hüfte bekam“. Sonst aber ist der Diplomsportlehrer, der auf weit über dreißig Jahre Dienst am Ball zurückblickt, bestens beieinander.

„Bei mir ging es gleich ums Überleben.“

Da, wo der große Fußball gespielt wird, hat sich der stets eloquente, sportlich-elegante Trainer von gestern rar gemacht. Aber nicht aus Verbitterung. Die war schnell verflogen, nachdem seine Mission als Deutschlands Obertrainer 2000 bei der Europameisterschaft in Belgien und den Niederlanden krachend gescheitert war. Ribbeck kam nach der Trennung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) von Berti Vogts im September 1998 und ging gleich nach dem EM-Aus, das schon nach den drei Gruppenspielen mit zwei Niederlagen und einem Unentschieden gekommen war. „Den Abschluss mit der Nationalmannschaft“, sagt Ribbeck heute, „hätte ich mir zwar anders gewünscht, doch stand für mich schon vor der Europameisterschaft fest, dass ich nach zwei Jahren aufhören würde.“

Nach wie vor glaubt Ribbeck, dass er eher an den Umständen als an sich selbst gescheitert sei. „Ich war der bisher einzige Nationalmannschaftstrainer, der während der Saison gekommen ist, und musste drei Wochen später gleich ein schweres EM-Qualifikationsspiel in der Türkei bestreiten. Ich hatte keine Möglichkeiten, Spieler zu suchen und Nachwuchsleute zu testen. Bei mir ging es gleich ums Überleben.“ Darum holte er auch den in New York kickenden, damals 37 Jahre alten Profi-Frühpensionär Lothar Matthäus als ersten Helfer zurück – ein „Bellheim-Experiment“, das missriet. Ribbeck aber steht noch heute zu seiner Entscheidung. „Als Lothar noch in München war, haben die anderen immer gekuscht. Sie kamen erst aus den Löchern, als Matthäus weg war. Wenn man alle Spiele sieht, hat Lothar immer seine Leistung gebracht.“ Die aber reichte nicht mehr aus, um Eindruck zu machen.

Kontinuierlich aufbauen und führen

Und so hinterließ der DFB-Teamchef in der knapp bemessenen Zeit seines Wirkens kein Erbe, eher eine Hypothek, die seine Nachfolger Rudi Völler und Jürgen Klinsmann dann abbauten. Was Ribbeck, der immer von ausnehmender Höflichkeit und Liebenswürdigkeit war, „gestört und gefuchst“ hat, waren solche Kritiken, in denen er wie ein Fußball-Ignorant dargestellt wurde. „Wenn ich lesen, hören und sehen musste, dass ich von Taktik keine Ahnung hätte, hat mich das geärgert. Doch damit musste ich leben. Außerdem war ich selbstbewusst genug, um zu wissen, was ich kann und was ich nicht kann.“

Erich Ribbeck konnte immerhin so viel, dass er jahrelang auf der Liste der von Kündigung bedrohten Trainer nicht einmal auftauchte. Fünf Jahre bei der Frankfurter Eintracht, seiner ersten Trainerstation in der Bundesliga (1968–1973), fünf Jahre 1. FC Kaiserslautern (1973–78), sechs Jahre DFB-Trainer (1978–84), dann noch einmal drei Jahre Bayer Leverkusen (1985–88): Das verriet einiges über Ribbecks solide Grundqualität, Mannschaften kontinuierlich aufzubauen und zu führen.

Uefa-Pokal-Sieg mit Leverkusen

Dass er als Assistent von Bundestrainer Jupp Derwall in seiner ersten Bindung an den DFB nicht dessen Nachfolger wurde (es kam stattdessen Franz Beckenbauer), hat ihn geärgert; dass er 1988 mit Leverkusen den Uefa-Pokal gewann, hat auch ihn begeistert. Dass er vor seiner Rückkehr zum Verband das Gefühl, gefeuert zu werden – beim FC Bayern München (1993) und beim Comeback in Leverkusen (1996) – erfahren musste, hat ihn nicht weiter belastet. Doch noch die Chance bekommen zu haben, das Traumziel Bundestrainer respektive Teamchef zu erreichen, sei es auch nur als „siebte Wahl“, wie er einmal selbstironisch sagte, hat Erich Ribbeck beflügelt.

Doch letztlich fehlte ihm ein Schuss Phantasie, Autorität und Klasse, um daraus etwas mit Erinnerungswert zu machen. So ist es wohl kein Zufall, dass Ribbeck die Leistung seines Nachnachfolgers Klinsmann besonders hoch einschätzt. „Es war imponierend, wie er gegen alle Widerstände seinen Kopf durchgesetzt hat. Er hat in den zwei Jahren bis zur WM nur Freundschaftsspiele gehabt, konnte etwas riskieren und neue Spieler einbauen: alles das, was bei mir nicht möglich war.“

Der Rentner Ribbeck lebt gut und gern in seinen Häusern bei Köln und auf Teneriffa, wo er mit seiner Frau und im Kreis seiner Familie an diesem Mittwoch Geburtstag feiert. Trainer wäre er auch unter den jetzigen Umständen immer wieder geworden. „Es wird ja heute“, sagt der Profi Ribbeck, „ein Schweinegeld verdient. Das allein wäre schon ein Grund. Heute müsste ich keine dreißig Jahre mehr Trainer sein, um ausgesorgt zu haben, heute würden zehn Jahre reichen.“

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