http://www.faz.net/-gtl-we25

Entscheidung im Hoyzer-Prozess verschoben : Plasma-Fernseher für 1,8 Millionen Euro

  • Aktualisiert am

Das Spiel seines Lebens: SC Paderborn gegen den Hamburger SV im DFB-Pokal 2004 Bild: AP

Das Landgericht Berlin hat noch kein Urteil im vom Deutschen Fußball-Bund angestrengten Schadensersatz-Prozess gegen den früheren Schiedsrichter Robert Hoyzer gefällt. Als Termin für einen möglichen Urteilsspruch wurde Mitte März angekündigt.

          Das Landgericht Berlin hat noch kein Urteil im vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) angestrengten Schadensersatz-Prozess gegen früheren Schiedsrichter Robert Hoyzer gefällt. Als Termin für einen möglichen Urteilsspruch wurde Mitte März angekündigt, jedoch sehen beide Parteien die Möglichkeit eines Vergleiches noch vor diesem Termin. Nachdem es in der Güteverhandlung zu keiner Einigung kam, legte der Vorsitzende Richter Michael Hirschfeld die Auffassung der 2. Zivilgerichts-Kammer dar, nach der die Ansprüche des DFB in Bezug auf Bestechungsgelder, Schiedsrichter-Vergütungen und Verfahrenskosten der DFB-Gerichtsbarkeit auf berechtigten Grundlagen basieren. Noch keine einheitliche Meinung hat sich die Kammer bezüglich des Schadensersatzes im Zusammenhang mit dem von Hoyzer manipulierten DFB-Pokalspiel SC Paderborn gegen den Hamburger SV gebildet, tendiert aber zur Position des DFB.

          Der wegen des Fußball-Wettskandals bereits verurteilte Hoyzer wurde vom DFB auf Schadensersatz in Höhe von rund 1,8 Millionen Euro verklagt. Hoyzer, der selbst nicht zur Verhandlung kam, war 2005 wegen Beihilfe zum Betrug zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten verurteilt worden. Er hatte im Strafverfahren gestanden, gegen Geld und Sachleistungen Spiele verschoben zu haben. Im Mai 2007 hat er in Berlin seine Gefängnisstrafe angetreten.

          Der Hamburger SV macht 1,5 Millionen Euro geltend

          Den größten Teil der Klageforderung macht nach DFB-Angaben eine Ausgleichszahlung an den Hamburger SV in Höhe von 1,5 Millionen Euro aus, mit dem der Verband dem Verein entgangene Einnahmen im Pokalwettbewerb ersetzte. Der HSV hatte am 21. August 2004 die von Hoyzer manipulierte Begegnung der ersten DFB-Pokal-Runde beim SC Paderborn mit 2:4 verloren und war damit aus dem Wettbewerb ausgeschieden. Außerdem soll Hoyzer zu Unrecht erhaltene Schiedsrichter-Honorare zurückzahlen und für die Kosten des außerordentlichen DFB-Bundestages aufkommen, der zur Aufarbeitung des Wettskandals einberufen wurde.

          Robert Hoyzer: falsche Pfiffe für 67.000 Euro könnten 1,8 Millionen kosten
          Robert Hoyzer: falsche Pfiffe für 67.000 Euro könnten 1,8 Millionen kosten : Bild: ddp

          Der DFB hatte bereits kurz nach Abschluss des Strafverfahrens zivilrechtliche Schritte gegen den Ex-Referee angekündigt. Hoyzers Anwalt Thomas Hermes wies die Forderungen als unbegründet zurück. Der DFB könne sich nicht auf Kosten seines Mandanten mit dem Hamburger SV auf eine Abfindungszahlung vergleichen, sagte er. Außerdem gehe es nicht an, dass der DFB auf Hoyzers Kosten einen außerordentlichen Bundestag abhalte, um seine Statuten nachzubessern.

          Sapina muss Wettgewinne zurückzahlen

          Knapp anderthalb Jahre vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland hatte die Wett-Affäre Anfang 2005 für großes Aufsehen gesorgt. Hoyzer räumte vor Gericht ein, 2004 unter anderem die Regionalliga-Spiele Braunschweig gegen St. Pauli und Wuppertal gegen Werder Bremen Amateure, die Zweitligapartie Ahlen gegen Burghausen sowie das DFB-Pokalspiel Paderborn gegen den HSV manipuliert zu haben.

          Er hat dafür nach eigenen Angaben 67.000 Euro und einen 3.700 Euro teuren Plasma-Fernseher bekommen. Der als Drahtzieher des Manipulations-Skandals verurteilte Ante Sapina hatte sich bereits Ende März in einem Schadensersatzprozess mit der Deutschen Klassenlotterie auf einen Vergleich geeinigt. Er muss bis zum 30. April dieses Jahres zu Unrecht ausgezahlte Wettgewinne in Höhe von 1,8 Millionen Euro zurückzahlen.

          Weitere Themen

          Die Therapeuten in der Tasche Video-Seite öffnen

          Chatbots im Selbstversuch : Die Therapeuten in der Tasche

          Chatbots sind ideale Zuhörer: Sie urteilen nicht, erzählen nichts und sollen unliebsame Muster beim Gegenüber erkennen können. Ersetzen sie damit einen echten Coach? Ein Selbstversuch.

          „Berlin trägt Kippa" Video-Seite öffnen

          Gegen Antisemitismus : „Berlin trägt Kippa"

          Unter diesem Motto sind am Mittwoch in der Hauptstadt mehrere hundert Menschen zusammengekommen, um gegen Intoleranz und Antisemitismus zu protestieren. Auch in Köln gingen zahlreiche Menschen bei einer ähnlichen Aktion auf die Straße.

          Topmeldungen

          Besuche bei Trump : Merkels Gereiztheit und Macrons Schadenfreude

          Wie die Kanzlerin mit Donald Trump umgeht, ist typisch für die deutsche Außenpolitik: moralisierend, scheinheilig – und vollkommen ineffektiv. Der Franzose Macron hingegen umarmt ihn mit Erfolg. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.