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England Turbulenzen nach Capellos Rücktritt

09.02.2012 ·  Nach dem überraschenden Rücktritt des englischen Nationaltrainers Fabio Capellos steht das Mutterland des Fußballs ohne Nationaltrainer da. Nachfolge-Favorit ist Tottenham-Coach Harry Redknapp. Derweil ist Stuart Pearce zum Interimschef ernannt worden.

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© AFP Dissonanzen sind offensichtlich: Die Pressekonferenz der FA

Sogar der britische Premierminister David Cameron mischte sich nach dem Rücktritt von Englands Nationaltrainer Fabio Capello in die nationale Angelegenheit ein. Wie viele Fußballstars bedauerte der Regierungschef am Rande seines Staatsbesuchs in Schweden die überraschende Entscheidung des Italieners.

Manchester Uniteds Wayne Rooney forderte nach erstem Entsetzen („das macht mich völlig fertig“) via Twitter einen Engländer als Nachfolger und sprach sich wie viele seiner Kollegen für Tottenham-Hotspur-Trainer Harry Redknapp aus. Als Interimslösung für das Länderspiel gegegn die Niederlande Ende Februar ist Stuart Pierce, Coach der britischen Olympia-Auswahl, ernannt worden.

„Es tut mir leid, Fabio gehen zu sehen. Ich denke, er war ein guter Coach und ein guter Mann“, sagte Cameron am Donnerstagmorgen und ergänzte vielsagend: „Ich glaube nicht, dass er Recht hatte in der Angelegenheit um John Terry. Man kann nicht Kapitän sein mit dieser unbeantworteten Frage.“

Capello, dessen Vertrag im Sommer ausgelaufen und nicht verlängert worden wäre, war am Mittwoch nach einem Gespräch mit dem englischen Verband FA als „Three Lions“-Coach zurückgetreten.

Capello verweigert Auskunft

Am vergangenen Freitag hatte die FA John Terry wegen Rassismus-Vorwürfen als Kapitän abgesetzt - ohne Capellos Einverständnis. Dies wertete der stolze und kompromisslose Erfolgscoach offensichtlich als Affront. „Ich habe nichts gesagt und werde nichts sagen“, erklärte Capello der italienischen Nachrichtenagentur ANSA.

Über seinen Anwalt versicherte er dem englischen Verband, dass andere Aussagen von ihm, die in diversen Medien kursierten, nie gefallen seien. Gegen Terry beginnt am 9. Juli ein Gerichtsprozess, weil er einen dunkelhäutigen Gegenspieler rassistisch beleidigt haben soll. Vier Monate vor EM-Beginn geht es im englischen Nationalteam mal wieder drunter und drüber. „Arryvederci“ titelte das Boulevardblatt „Sun“ am Donnerstag gehässig - und in Anspielung auf den Vornamen des Nachfolge-Favoriten.

Redknapp selbst bremste im BBC-Interview am Donnerstagmorgen die Erwartungen - ohne allerdings klar Nein zu sagen: „Meine ganze Konzentration gilt Tottenham.“ Er sei „schockiert“ über Capellos Rücktritt gewesen. Erst am Mittwoch war Redknapp von einem Londoner Gericht vom Vorwurf der Steuerhinterziehung freigesprochen worden. Der Spurs-Coach ist noch 18 Monate vertraglich an Tottenham gebunden.

Die Frage, ob der ambitionierte Tabellendritte der Premier League Redknapp eventuell früher gehen oder beide Jobs machen ließen, wollte Vereinschef Daniel Levy zunächst noch nicht beantworten.

Die Spieler twittern

Bei den Spielern herrschte vor allem Enttäuschung über den Abschied Capellos. Der erfahrene Fußball-Lehrer sei ein „guter Kerl und Top-Coach“ gewesen, schrieb Rooney. Und: „Der neue Coach muss nun ein Engländer sein. Für mich Harry Redknapp.“

Jack Wilshere twitterte: „Danke, Mr. Capello! Großartiger Manager“. Der Mittelfeldspieler vom FC Arsenal zeigte sich wie viele andere erschüttert, dass man 120 Tage vor der EURO ohne Trainer dastehe: „Die Euro steht vor der Tür und wir haben keinen Coach?!“ Manchester Uniteds Rio Ferdinand twitterte: „Nun kündigt Capello.. was jetzt...“ Joey Barton von den Queens Park Rangers sagte es noch drastischer: „Dieses Debakel fordert ihr nächstes Opfer. Wo soll das enden? Wahnsinn.“

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