30.06.2010 · Nach Demütigung auf dem Platz, Tordiebstahl durch den Schiedsrichter und Hohn und Spott in den Medien wurde Englands Team auch noch beklaut. Das Hotelpersonal hatte es unter anderem auf Unterwäsche abgesehen.
Von Thomas Scheen, JohannesburgZum Spott kam auch noch der Schaden dazu: Der englischen Fußball-Nationalmannschaft wird nicht nur die Niederlage gegen Deutschland in Bloemfontein in schlechter Erinnerung bleiben, sondern wohl auch ihr Hotel in Rustenburg. Dort jedenfalls hatte das Personal anscheinend schon früh das Ausscheiden der „Three Lions“ geahnt und sich vor deren Abreise noch schnell bedient. Designerunterwäsche, persönliche Gegenstände, Bargeld und sogar eine goldene Fifa-Medaille, mit der die Teilnahme an der Weltmeisterschaft quasi amtlich gemacht wird, hatten im noblen „Royal Bafokeng Sports Palace“ ihren Weg in unrechtmäßige Taschen gefunden. Alles in allem waren Wertgegenstände in Höhe von 80.000 Rand (8600 Euro) gestohlen worden. Betroffen gewesen sei nahezu jedes Mitglied der britischen Delegation, weiß die Tageszeitung „The Star“.
Die Klauerei soll am Tag nach dem Spiel zwischen England und Slowenien (1:0) begonnen haben, das die Briten wenig überzeugend gewinnen konnten. Doch erst vier Tage später sollen die ersten Spieler ihre Unterhosen vermisst haben. Immerhin wurden 24 Stunden nach Erstatten einer Strafanzeige von einem der eigens für die Dauer der Weltmeisterschaft eingerichteten Schnellgerichte die Urteile gesprochen. Fünf Angestellte des Hotels wurden zu je drei Jahren Haft oder einer Geldstrafe von 60.000 Rand (6400 Euro) verurteilt. Die Unterhosen, so heißt es, seien ihren Besitzern zurückgegeben worden.
Der Vorfall in Rustenburg war der 141. Fall, mit dem sich die Schnellgerichte seit Beginn des Turniers befassen mussten. In 64 Fällen wurden Haft- oder Geldstrafen verhängt, in zwei Fällen wurde die Unschuld der Tatverdächtigen festgestellt. 31 Fälle wurden wegen Mangels an Beweisen eingestellt, darunter auch der gegen die beiden Niederländerinnen, die wegen illegaler Werbung für eine holländische Brauerei angezeigt worden waren.
Mehr als zwei Dutzend Fälle sind noch anhängig und die Verdächtigen gegen Kaution auf freiem Fuß, wie etwa der britische Reporter Pavlos Joseph, der nach dem Spiel England gegen Algerien in Kapstadt in die Umkleidekabine der Briten gestürmt war, um der Mannschaft die Leviten zu lesen.
Peinliche Einbrüche
Dass Südafrika trotz der rigoros vorgehenden Schnellgerichte und der massiven Präsenz von Polizisten auf den Straßen nicht plötzlich zu einem sicheren Land geworden ist, zeigt der Einbruch in die Dienstvilla des stellvertretenden Polizeiministers Fikile Mbalula.
Der gilt zwar als ausgesprochener Hardliner beim Kampf gegen die Kriminalität und ist einer der politisch Verantwortlichen für die Sicherheit bei dieser Weltmeisterschaft. Das hinderte eine Bande von dreisten Dieben aber nicht daran, allerlei Wertgegenstände, darunter einen schweren Flachbildfernseher, aus seinem Haus in Pretoria abzutransportieren.
Zwei Tote nach Schießerei
Für die Sicherheitskräfte peinlich war auch der Einbruch in eine Polizeistation in Carletonville nahe Johannesburg am vergangenen Freitag. Die nachts nicht besetzte Wachstube wurde dabei bis hin zu den Waschbecken komplett auseinandergenommen. „Besenrein“ nennt man das wohl.
Diese Einbrüche indes sind Kleinigkeiten im Vergleich zu der Schwerkriminalität, um die es seit Beginn der Weltmeisterschaft erstaunlich ruhig geworden war, die sich aber am Montag in Johannesburg mit einer wilden Schießerei auf offener Straße spektakulär zurückmeldete. Drei Verbrecher, die zuvor einen Juwelier überfallen hatten, feuerten bei ihrer Flucht auf ein Polizeifahrzeug, und die Polizisten schossen mit Maschinenwaffen zurück. Zwei der Räuber wurden tödlich getroffen.
Thomas Scheen Jahrgang 1965, politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Johannesburg.
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