Roy Hodgson wird neuer Trainer der englischer Nationaltrainer. Das hat die FA, der englische Fußballverband inzwischen bestätigt.
Mit der Ausbootung des haushohen Favoriten Harry Redknapp ernten die Londoner Funktionäre Kritik. „Das große Glücksspiel mit Hodgson“, titelte die „Times“. Der „Guardian“ schrieb von einer „schockierenden Wahl“. Statt mit Redknapp, dem Liebling der Öffentlichkeit und Spieler, will die FA nur mit Hodgson über die Nachfolge des zurückgetretenen Fabio Capello verhandeln. Der „Daily Mirror“ nannte West-Brom-Coach Hodgson einen „Ja-Sager im Blazer“.
Rupert Murdochs „Sun“ titelt zwar „In Hod we trust“ („Wir vertrauen Hod“), bemerkt allerdings auch die bemerkenswerte Stille der englischen nationalspieler in den sozialen Netzwerken. Die Stille auf Twitter sei „ohrenbetäubend“ - schließlich hatten aktuelle Nationalspieler wie Rio Ferdinand und Wayne Rooney, aber auch der frühere Kapitän Gary Lineker nach dem Abschied von Capello ihre Wertschätzung für Redknapp veröffentlicht.
Hodgson wird die „Three Lions“ schon vom nächsten EM-Vorbereitungsspiel in Norwegen am 26. Mai an betreuen. Der 64-Jährige hat als Nationaltrainer reiche Erfahrung:Hodgson war Auswahl-Coach der Schweiz (1992-95), der Vereinigten Arabischen Emirate (2002-04) und Finnlands (2006-07).
„Englishman“ mit Stil
FA-Boss David Bernstein hatte am Sonntag erklärt, dass man ausschließlich Kontakt zu Hodgson aufnehme. Hodgson passt zum Suchprofil. Er ist nicht nur Engländer, sondern ein „Englishman“ mit Stil. Nach der Rassismus-Affäre um den früheren Kapitän John Terry kommt das der auf ihr Image bedachten FA gelegen - eher als der rauer gestrickte Redknapp.
In seinem Steuer-Prozess, in dem er im Februar freigesprochen wurde, sorgte der Tottenham-Erfolgscoach für peinliche Schlagzeilen: Er benannte ein Konto in Monaco nach Hund „Rosie“ und schreibt nach eigenen Worten „wie ein Zweijähriger“. Redknapp gilt auch ein Querkopf - Hodgson als „sichere“ Variante.
Hodgson schien seine erfolgreichste Zeit bereits hinter sich zu haben - ehe er mit dem kleinen Klub West Brom als derzeitiger Zehnter der Premier League noch einmal aufhorchen ließ. Deutsche Fans kennen ihn auch als unterlegenen Inter-Mailand-Trainer im UEFA-Cup-Finale gegen Schalkes „Eurofighter“ 1997. Als Nationalcoach erlebte der Kosmopolit seine beste Zeit mit der Schweiz, die er 1994 in den Vereinigten Staaten ins WM-Achtelfinale führte.
Für Hodgson muss keine Ablöse gezahlt werden
Seine bittersten Stunden als Klubtrainer hatte er in Liverpool, wo er 2011 nach nur 191 Tagen geschasst wurde. Mit ihrer knapp dreimonatigen Hängepartie-Trainersuche bekleckerte sich die FA nicht mit Ruhm. Interimscoach Stuart Pearce wusste bis vor ein paar Tagen nicht, ob er nicht nur das Team GB zu Olympia führt sondern auch England zur EM. Dilettantismus? Oder Berechnung? Sollte die wochenlange Redknapp-Mania erst abebben?
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Nicht nur Stürmer-Legende Alan Shearer und Wayne Rooney hielten den Spurs-Coach und Motivationsguru für die ideale Wahl. Redknapp bekundete selbst: „Das ist der ultimative Job für einen Engländer.“ Nun sagte er: „Viel Glück für Roy. Ich denke nicht, dass ich noch infrage komme.“ Wieso ist Redknapp ungewollt? Animositäten gegen ihn in dem für die Trainerwahl verantwortlichen Vierer-Gremium sollen auch eine Rolle gespielt haben.
Zudem hätte Redknapp laut „Times“ aus seinem Vertrag für zehn Millionen Pfund (knapp 12 Mio. Euro) herausgekauft werden müssen - Hodgson wäre ablösefrei. Tottenham ließ jedoch wissen, man sei vom Verband nie wegen einer möglichen Ablöse kontaktiert worden.