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EM-Qualifikation Deutscher Adler auf belgischer Brust

02.09.2010 ·  Junges Blut in Brüssel: Die Belgier nehmen sich zum Auftakt der EM-Qualifikation Joachim Löws Mannschaft zum Vorbild - an Talenten mangelt es nicht. Trainer Leekens setzt auf eine Mischung aus heimischen Profis, Bundesliga-Akteuren und Spielern aus der Premier League.

Von Christian Eichler
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Elf Deutsche werden an diesem Freitag in Brüssel den Adler auf der Brust tragen. Und am Spielfeldrand sitzt ein Belgier, der ihn immer trägt, sogar wenn er nichts trägt. Denn Philippe Vande Walle ist ein großer Fan Deutschlands. „Ich esse und lebe deutsch“, sagte der Torwarttrainer der belgischen Fußball-Nationalmannschaft der Zeitung „Het Nieuwsblad“. „Meine Liebe geht so weit, dass ich mir vor 15 Jahren den Adler auf die Brust tätowieren ließ.“

Die belgischen Spieler, die dem WM-Dritten zum Auftakt der EM-Qualifikation im ausverkauften Heysel-Stadion begegnen werden, treiben die Bewunderung für den großen Nachbarn nicht ganz so weit. Doch der deutsche Einfluss ist deutlich, vor allem in der Defensive. Im Abwehrzentrum werden der Münchner Daniel van Buyten und der frühere Hamburger Vincent Kompany (jetzt Manchester City) stehen, davor der Neu-Nürnberger Timmy Simons und dahinter der Mönchengladbacher Logan Bailly, der den angeschlagenen Stammtorwart Silvio Proto vertritt.

Bailly, heimischen Fans aus seiner Zeit in Genk als spektakulär, aber auch etwas leichtsinnig in Erinnerung, beteuert, in der Bundesliga deutsche Torwarttugenden verinnerlicht zu haben: „Der Showman Bailly ist vorbei. In Deutschland habe ich gelernt, sachlich zu sein. Verrückte Sachen, die schlecht ausgehen, werden dir dort nicht so schnell vergessen.“

Auch der frühere Schalker Liebling Marc Wilmots, jetzt Assistent von Nationaltrainer Georges Leekens, preist das Vorbild Deutschland. „Nach meiner ersten Saisonvorbereitung mit Schalke wog ich vier Kilo weniger. In Mönchengladbach hat Igor De Camargo nun fünf Kilo abgenommen. Diese Arbeitseinstellung brauchen wir auch in Belgien.“ Trotz der Rückstände aber sei es „ein guter Moment, um auf Deutschland zu treffen“, sagt Wilmots. „Nach der WM und nur vier Wochen Vorbereitung können sie noch nicht topfit sein.“

Löw: „Belgien ist besser vorbereitet als wir“

Sein Chef Leekens hat laut belgischen Beobachtern in den vergangenen Tagen die Grundlagen für ein besonders körperliches Spiel trainiert: Tempo, Zweikämpfe, Einsatz – offenbar in der Hoffnung, einem deutschen Team, das nicht im Bestzustand sein kann, auf physische Weise wehzutun. Immerhin gelang der letzte belgische Sieg gegen Deutschland in einer vergleichbaren Situation, unmittelbar nach einer WM: im September 1954, gut zwei Monate nach dem „Wunder von Bern“, als Sepp Herbergers Weltmeisterteam in Brüssel 0:2 verlor.

Bundestrainer Joachim Löw sieht das Problem: „Belgien ist besser vorbereitet als wir“, sagte er belgischen Reportern. „Die Belgier hatten einen ganzen Sommer, um sich vorzubereiten. Meine Spieler sind noch keine vier Wochen im Training. Einige, wie Özil und Khedira, haben noch keinen Spielrhythmus.“ Außerdem seien die Belgier, die nach sechs WM-Teilnahmen hintereinander seit 2002 nicht mehr bei einer Welt- oder Europameisterschaft waren, „sehr motiviert, sich endlich wieder für ein Turnier zu qualifizieren.“

Die Zeit dafür könnte bald reif sein. In Mittelfeld und Offensive hat Belgien eine vielversprechende junge Generation mit Spielern, die schon mit Anfang zwanzig den Sprung in die Premier League geschafft haben, wie Marouane Fellaini und Moussa Dembelé, oder als kommende Stars gelten, wie die beiden Lütticher Steven Defour und Axel Witsel. Die größten Hoffnungen liegen auf Romelu Lukaku, der in der vergangenen Saison bei Meister RSC Anderlecht mit 15 Toren aus 25 Ligaspielen der jüngste Torschützenkönig in der Geschichte der belgischen Liga wurde: mit 16 Jahren und zehn Monaten. Für sein zartes Alter ist Lukaku bereits eine imposante Erscheinung: 1,90 Meter, 94 Kilo, Schuhgröße 49.

Romelu Lukaku - jüngster Torschützenkönig in der Geschichte der belgischen Liga

Nun, gerade 17 geworden, gilt er als feste Größe im Sturm der „Roten Teufel“. Und interessiert sogar José Mourinho. Der Trainer von Real Madrid sprach mit Lukakus Vater Roger, einem früheren Nationalspieler Zaires, holte sich aber eine Absage. „Sein Vater hat gesagt, dass er bei Anderlecht bleiben muss, um sein Abitur zu machen. Ich finde das phantastisch. Wo findet man so etwas noch? Zu viele junge Spieler und Eltern denken nur an das Geld.“ Das kann man ja später immer noch, nach dem Schulabschluss zum Beispiel: „Dann werden wir es noch mal versuchen“, sagte Mourinho.

In Deutschland kann man mit Namen wie Lukaku noch nicht viel anfangen. Ein Vorteil, wie Vincent Kompany findet: „Wir kennen die Deutschen besser als sie uns.“ Ein Vorteil, den sie verteidigen wollen, wie Timmy Simons. Er nannte belgischen Reportern ein in Nürnberg neu gelerntes und gleich, leicht abgewandelt, in sein Flämisch übernommenes Fremdwort: die deutsche „Grundlichkeit“. Und erklärte es so: „Sie wollen alles wissen und überlassen nichts dem Zufall. So haben sie mir viele Fragen über Belgien gestellt. Ich habe nicht geantwortet.“ Und warum nicht? „Ich will sie nicht noch schlauer machen, als sie schon sind.“

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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