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EM-Qualifikation Der neue Podolski führte Deutschland zum 4:0-Sieg

18.11.2007 ·  Die deutsche Fußball-Nationalelf hat ihr vorletztes EM-Qualifikationsspiel gegen Zypern 4:0 gewonnen. Vor 45.000 Zuschauern in Hannover erzielten Fritz, Klose, Podolski und Hitzlsperger die Tore. Poldolski überragte in einer offensiv ausgerichteten deutschen Mannschaft. FAZ.NET-Spezial.

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Als Favoriten-Beweis für die EM 2008 reicht das 4:0 gegen das kleine Zypern nicht - doch Spaß, vier Tore und besonders ein in neuer Rolle glänzender Lukas Podolski haben die Hoffnung auf ein neues Sommermärchen der Fußball-Nationalmannschaft wieder genährt.

„In der Offensive waren wir über weite Strecken beweglich, agil und haben gute Kombinationen gehabt“, freute sich Bundestrainer Joachim Löw über den sehenswerten Erfolg. Die Pfiffe nach dem 0:3-Rückschlag gegen Tschechien sind vergessen, 45.000 Zuschauer bejubelten in Hannover die Tore-Show von Clemens Fritz (2.), Miroslav Klose (20.), Thomas Hitzlsperger (82.) und Podolski (53.). „Das war eine kleine Wiedergutmachung für Tschechien“, erklärte der 22-jährige Hauptdarsteller, der als Mittelfeld-Stürmer an allen vier Treffern beteiligt war.

Tausende beim Schau-Training

„Lukas hat ein Klasse-Spiel gemacht“, betonte sein Förderer Löw und lobte die nahezu perfekte Umsetzung seiner Idee: Als zusätzliche Offensiv-Kraft zum Angriffs-Duo Miroslav Klose (jetzt mit 36 Länderspiel-Toren allein auf Rang acht der ewigen Rangliste) und Mario Gomez war Podolski der beste Mann auf dem Platz (Siehe auch: Podolski: Große Show in neuer Rolle). „Ich bin ein Typ, der gern den Ball am Fuß hat, der mehr mit Tempo aus dem Mittelfeld kommt. Das kann man von der Position ganz gut“, sagte der Münchner, der in der Atmosphäre des DFB-Teams anders aufblühen kann als beim FC Bayern. „Man hat das Vertrauen vom Trainer, vom Trainerstab und von allen Betreuern. Da fühlt man sich wohl und kann eine gute Leistung bringen“, begründete Podolski seine Steigerung gegen Zypern.

EM-Qualifikation: Deutschland besiegt Zypern 4:0

Die Fans honorierten die Poldi-Gala auf besondere Weise: 45.000 hatten sich Freitickets für das Show-Training an diesem Sonntag in der Frankfurter WM-Arena besorgt - Zuschauerrekord für eine öffentliche Übungseinheit in Deutschland!

Finaler Angriff auf den Gruppensieg

„Ich bin froh, dass die Mannschaft den Fans gezeigt hat, was sie kann. Bei der EM wird sie natürlich stärker gefordert, aber auch das wird sie packen“, urteilte DFB-Präsident Theo Zwanziger. Löw versprach für den Abschluss der EM-Qualifikation am Mittwoch den finalen Angriff auf den Gruppensieg: „Ich erwarte, dass wir gegen Wales gewinnen. Und wir haben gesehen, dass die Zyprer sehr guten Fußball spielen können. Ich bin überzeugt, dass sie gegen Tschechien zumindest einen Punkt machen.“

Wichtiger als der erste Platz in der Gruppe ist im Hinblick auf die EM-Auslosung am 2. Dezember in Luzern aber die Punktausbeute. Mit einem „Dreier“ gegen Wales würde sich Deutschland einen Platz im zweiten Lostopf sichern und damit nach dem gegenwärtigem Stand vor allem Angstgegner Italien in der Vorrunde aus dem Weg gehen. Löw will sich damit erst nach der Partie am Mittwoch beschäftigen, doch der Ausblick auf die EM-Endrunde in der Schweiz und Österreich ist optimistisch. „Wir haben eine große Auswahl“, wies Löw auf neue Personal-Varianten wie Podolski im Mittelfeld hin.

Auf dem Weg der Weltmeister-Mannschaft

Gegen Zypern fehlte nicht nur das komplette WM-Mittelfeld mit Ballack, Frings, Schneider und Schweinsteiger, sondern insgesamt neun EM-Kandidaten. „Wir gehen davon aus, dass die Spieler zurückkommen, spätestens zur neuen Länderspiel-Saison - da gibt es einen heißen Wettbewerb“, bemerkte Löw. Der frühere Bundestrainer Rudi Völler, der zusammen mit der DFB-Elf 2004 die letzte EM in den Sand gesetzt hatte, sieht den aktuellen Jahrgang schon auf dem Weg der Weltmeister-Mannschaft von 1990, die damals über Jahre das Publikum verzückt hatte.

Löw allerdings wies nach dem Zypern-Sieg auch auf Defizite hin: „Ich hätte mir gewünscht, dass wir in manchen Situationen noch mehr nachgesetzt und über längere Zeit das Tempo hochgehalten hätten.“ Auch etliche Wackler in der Defensive waren nicht zu übersehen.

„Jens weiß, dass es nicht so einfach ist“

Die heiß diskutierte Torwart-Situation will Löw nicht überbewerten. Gegen Zypern hatte Jens Lehmann trotz fehlender Spielpraxis wieder ein klares Signal für seine „außergewöhnliche Klasse“ gesetzt. In den nächsten Tagen will der Bundestrainer dennoch das Gespräch mit seiner unumstrittenen Nummer 1 suchen: „Jens weiß, dass es nicht so einfach ist, jemanden beim Turnier zu bringen, der acht, neun Monate nicht gespielt hat.“

Für Aufregung im Frankfurter DFB-Quartier, wohin das Team noch in der Nacht gereist war, sorgten gewagte Interpretationen einer Szene nach 58 Minuten, wonach ein offensichtlich harmloses Kratzen von Lehmann mit dem Mittelfinger an der Schläfe als Fan-Beleidigung ausgelegt werden könnte. „Ich weiß, dass er Respekt vor den Fans hat“, erklärte DFB-Chef Zwanziger. Auch Lehmann wies jeden Verdacht klar zurück: „Ich habe in meinem Leben so etwas noch nicht gemacht.“

Löw will in Frankfurt noch einmal die Spannung für einen positiven Jahresabschluss aufbauen. Abwehrspieler Christoph Metzelder versprach das: „Wir sind eine gehorsame Mannschaft.“ Auch Verhandlungen über die EM-Titelprämie sollen da nicht stören. „Das wird sicher nicht länger als eine Stunde dauern, das sind ja nur erste Gespräche“, sagte Teammanager Oliver Bierhoff und ergänzte: „Erst muss sich ja die Mannschaft zusammensetzen, der Mannschaftsrat. Da wird man einen ersten Gedankenaustausch starten am Montag.“

Deutschland - Zypern 4:0 (2:0)
Deutschland: Lehmann (FC Arsenal/38 Jahre/50 Länderspiele) - Arne Friedrich (Hertha BSC/28/55), Mertesacker (Werder Bremen/23/38), Metzelder (Real Madrid/27/38), Lahm (Bayern München/24/36) - Fritz (Werder Bremen/26/10 - 77. Hilbert/VfB Stuttgart/23/6), Hitzlsperger (VfB Stuttgart/25/29), Trochowski (Hamburger SV/23/10 - 66. Borowski/Werder Bremen/27/30) - Podolski (Bayern München/22/43), Klose (Bayern München/29/71), Gomez (VfB Stuttgart/22/6 - 73. Hanke/Hannover 96/24/12)
Zypern: Georgallidis (Omonia Nikosia/25/18) - Theodotou (Omonia Nikosia/33/71 - 20. Marios Nikolaou/Panionios Athen/24/6), Christou (AEK Larnaka/23/8), Lambrou (Anorthosis Famagusta/30/33), Garpozis (Apollon Limassol/27/22) - Makridis (APOEL Nikosia/25/34), Satsias (APOEL Nikosia/29/40), Charalambidis (FC Carl Zeiss Jena/26/39 - 46. Theofilou/Apollon Limassol/27/10) - Aloneftis (Energie Cottbus/24/25), Okkas (Celta Vigo/30/83), Konstantinou (Olympiakos Piräus/29/58 - 68. Yiasoumi/Aris Limassol/32/55)
Schiedsrichter: Rasmussen (Dänemark)
Zuschauer: 45.016 (ausverkauft)
Tore: 1:0 Fritz (2.), 2:0 Klose (20.), 3:0 Podolski (53.), 4:0 Hitzlsperger (82.)

Quelle: FAZ.NET mit dpa
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