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EM-Finalgegner Norwegen Comeback der Großmacht

 ·  Das Nationalteam aus Norwegen ist wieder wer im Frauenfußball. Vor dem EM-Finale gegen Deutschland am Sonntag (16.00 Uhr) rechnet sich Trainer Even Pellerud einige Chancen auf den Titel für sein Team aus - und setzt sein Pokerface auf.

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© AFP Vergrößern Zurück im Geschäft: Mit einem Sieg über Dänemark zogen die Norwegerinnen in das EM-Finale ein

Ada Hegerberg strahlte auch eine Stunde nach dem Einzug ins Finale der Fußball-EM der Frauen noch. Während die meisten ihrer norwegischen Mitspielerinnen nach dem 5:3 nach Elfmeterschießen gegen Dänemark selbst für ein Lächeln zu müde waren, gluckste und lachte die 18 Jahre alte Stürmerin von Turbine Potsdam.

Und so ging sie auch locker damit um, dass sie nicht wusste, was im Jahr ihrer Geburt im Endspielort Solna geschehen war. Norwegen hatte Deutschland, das von der heutigen Bundestrainerin Silvia Neid als Kapitänin angeführt wurde, besiegt und den WM-Titel errungen. Für die deutschen Fußballfrauen war es die bislang einzige Niederlage in einem großen Endspiel. „Oh, das ist dann ja ein gutes Omen“, sagte Ada Hegerberg.

Und so geht Norwegen trotz des kräftezehrenden Halbfinals guten Mutes ins Endspiel gegen Deutschland am Sonntag (16.00 Uhr / Live bei ARD und Eurosport), das im 50.000 Zuschauer fassenden Nationalstadion vor den Toren Stockholms stattfinden wird.

Der glückliche Sieg über Dänemark war freilich nicht unbedingt eine Empfehlung: In der regulären Spielzeit hatte Marit Christensen, die nach dem Abpfiff immerhin noch die Kraft aufbrachte, ihren zweijährigen Sohn in den Armen zu halten, ihr Team früh in Führung (3. Minute) gebracht. Vier Minuten vor Abpfiff glich Mariann Knudsen für Dänemark aus, ehe die norwegische Torhüterin Ingrid Hjelmseth ihr erschöpftes Team durch die Verlängerung rettete und im Elfmeterschießen mit zwei herausragenden Paraden zur Heldin wurde.

„Ich schaue, wer frische Beine hat“

Für Norwegen ist schon das Erreichen des Endspiels ein großer Erfolg. Die einzige Fußballnation bei den Frauen, die sowohl Olympiagold als auch den WM- und EM-Titel gewonnen hat, war 2011 bei der WM in Deutschland schon in der Vorrunde ausgeschieden. Damals wirkten die Skandinavierinnen, die Deutschland 1989, 1991 und 2005  in EM-Endspielen unterlegen waren, ebenso kraft- wie konzeptlos. Vielleicht auch deshalb hatte Solveig Gulbrandsen, eine der erfahrensten Spielerinnen, für diesen Sonntag schon ihren Urlaubsflug mit Mann und ihren zwei Kindern gebucht. Nun haben die Kleinen stattdessen die Reise vom Nachbarland Norwegen nach Stockholm angetreten.

„Schuld„ daran ist der nach Stationen in Kanada und Trinidad & Tobago wieder in die Heimat zurückgekehrte Erfolgstrainer Even Pellerud. Er hat der alten Großmacht im Frauenfußball in nur einem halben Jahr zum Comeback verholfen.

Er beruft sich vor dem Finale aber nicht auf das gute Omen des Endspielorts, an dem er 1995 Norwegen im Finale gegen die Deutschen mit deren damaliger Spielmacherin und heutigen Bundestrainerin Silvia Neid zum WM-Titel geführt hatte. „Man darf vielleicht in anderen Bereichen hoffen, dass sich Geschichte wiederholt. Aber im Sport ist das anders. Es hilft uns am Sonntag leider nicht, dass wir vor 18 Jahren gegen Deutschland gewonnen haben“, sagte der Sechzigjährige.

Eher könnte schon der eine oder andere Personalwechsel helfen. In der Vorrundenbegegnung hatte Pellerud das deutsche Team überrascht, als er seine in allen anderen vier EM-Partien stets identische Startelf auf sechs Positionen verändert hatte. Die B-Elf gewann anschließend dennoch 1:0. Ein ähnlicher Überraschungsversuch könnte sich nun wiederholen. „Ich schaue, wer frische Beine hat. Dann sind drei oder vier Veränderungen möglich“, sagt Pellerud mit Pokerface. Im Abschlusstraining am Samstag hat er tatsächlich mit bunt durcheinandergewürfelten Formationen letzte taktische Übungen absolviert. Wie auch immer seine Anfangsformation aussehen wird, ein Finale für Fußball-Ästheten scheint ausgeschlossen.

Norwegen hat bei dieser EM mit einem antiquierten Defensivstil in einer 4-5-1-Grundordnung - ähnlich dem Männer-Europameister Griechenland im Jahr 2004 - seinen Erfolgsweg beschritten. Für schnelle Gegenangriffe bieten sich den Deutschen vermutlich nur nach norwegischen Standards Möglichkeiten, wenn Norwegen sich ausnahmsweise einmal mit sechs bis sieben Spielerinnen dem gegnerischen Strafraum nähert. Der für Offensivspielerinnen nicht gerade erfreuliche Stil bringt aber Ada Hegerberg trotz ihrer Rolle als Einzelkämpferin im Sturm nicht um ihre gute Laune. „Wir haben Erfolg, also ist alles richtig.“

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